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Dr. Maria Weiß, Foto: Hellerhoff

Bei Pfortaderthrombose für raschen Blutfluss sorgen

Die Leberzirrhose stellt die häufigste Ursache einer Pfortaderthrombose dar. So führt die portale Hypertension zur Verlangsamung des Blutflusses, zusätzlich ist die Gerinnung aktiviert, was der Bildung von Blutgerinnseln Vorschub leistet. Im sogenannten Child-C-Stadium steigt die Prävalenz auf 10 bis 25 %, und bei zusätzlichem Leberzellkarzinom sogar auf bis zu 40 %, schreibt Dr. Jean-Yves Meuwly vom Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, Lausanne.

Aber auch zahlreiche lokale und systemische Faktoren begünstigen Pfortaderthrombosen. Maligne Tumoren im Bereich der Gallengänge, entzündliche Abdominalerkrankungen und traumatische Läsionen der Portalvenen kommen als lokale Prozesse in Betracht.

Angeborene oder erworbene Thrombophilien gehören zu den systemischen Ursachen: Nicht so selten ist eine abdominale Thrombose der erste und einzige Hinweis auf eine myeloproliferative Erkrankung, erläutert Dr. Meuwly in der Zeitschrift „Schweizerisches Medizin-Forum“.

Pfortaderthrombose – von absolut symptomlos bis sehr schmerzhaft

Von einer akuten Pfortaderthrombose geht man aus, wenn die Symptomatik seit weniger als 60 Tagen besteht. Je nach Ausdehnung des Thrombus haben die Patienten in diesen Fällen meist keine Symptome – es kann aber auch zur venösen
Ischämie mit intensiven Schmerzen und Ileus kommen.

Bei chronischer Pfortaderthrombose macht den Betroffenen vor allem der portale Rückstau zu schaffen. Als typische Folgen gelten Magen- und Ösophagusvarizen mit Blutungsrisiko, Hypersplenismus und Aszites.

Die Labordiagnostik liefert wenig Information, am besten lässt sich die Thrombose und der Umgehungskreislauf (Kavernom) im Ultraschall mit Farb-Doppler darstellen. Auch Kontrastmittel-CT und MRI sind diagnostisch hilfreich.

Zwar löst sich eine akute Pfortaderthrombose mitunter auch spontan wieder auf – doch das rechtfertigt keinesfalls eine abwartende Haltung. Vielmehr gilt es, die weitere Ausdehnung des Thrombus zu begrenzen und den Durchfluss so schnell wie möglich wieder herzustellen.

Antikoagulieren nur im akuten Fall!

In der Akutphase gelingt dies mit Antikoagulanzien, die nach sechs Monaten bei 50 % der Patienten zu einer vollständigen und bei 40 % zu einer teilweisen Rekanalisierung führen. Je rascher die gezielte Behandlung einsetzt, umso größer sind die Erfolgschancen.

Umstritten bleibt indessen die Antikoagulations-Behandlung bei der chronischen Pfortaderthrombose, weil die Blutungsgefahr aus Ösophagus- und Magenvarizen mit berücksichtigt werden muss. Aus diesem Grund bevorzugt der Experte in solchen Fällen eine interventionelle Rekanalisierung mit einem Stent.

Auch bei Leberzirrhose-Patienten ist die Antikoagulation genau abzuwägen. Empfohlen wird sie während der Wartezeit auf eine Transplantation, bei proximaler Ausdehnung mit Ischämie oder prothrombotischen Begleiterkrankungen. Die Machbarkeit einer Transplantation wird jedoch durch eine Pfortaderthrombose grundsätzlich infrage gestellt, so der Experte.

Quelle: Jean-Yves Meuwly et al., Schweiz Med Forum 2012; 12: 119-125

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