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Manuela Arand, Foto: thinkstock

Problemkeim bei Urethritis

Das relativ neu entdeckte Bakterium – Erstnachweis 1980 – wird sexuell übertragen und verursacht etwa ein Fünftel der nicht durch Gonokokken ausgelösten Urethritiden, Chlamydien etwa ein Drittel, erklärte Professor Dr. Harald Moi von der Universität Oslo beim Jubiläumskongress der Deutschen STI*– Gesellschaft.

Geschlechtskrankheit: Test auf Mycoplasma genitalium sollte Routine werden

Seiner Ansicht nach sollte bei Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit routinemäßig auf diesen Erreger mitgetestet werden, Der Keim löst nicht nur Urethritiden aus. Beim Mann kann er Balanoposthitiden verursachen, bei Frauen aufsteigende Infektionen, Infertilität und ein erhöhtes Risiko für Abort und Frühgeburt.

Bei Männern erfolgt der Nachweis im Urin, wobei nur die ersten 5 bis 10 ml aufgefangen werden sollten, um Verdünnungseffekte zu vermeiden. Bei Frauen muss ein Vaginal- und/oder Zervikalabstrich abgenommen werden: „Am besten, Sie fahren mit dem Tupfer einmal die ganze Vagina entlang“, riet Prof. Moi.

M. genitalium resistent gegen Tetrazykline

Bevor die Probe eingeschickt wird, sollte man sich vergewissern, dass das Labor Erfahrung mit dem Nachweis führen hat: „Nicht jedes Labor kann M. genitalium wirklich gut diagnostizieren“, so Professor Dr. Pietro Nenoff vom Labor für medizinische Mikrobiologie in Mölbis.

Auch therapeutisch stellt M. genitalium ein Problem dar: Es ist weitgehend resistent gegen Tetrazykline und zu 10 bis 30 % gegen Azithromycin. „Das einzige Antibiotikum, das uns noch bleibt, ist Moxifloxacin“, so Prof. Moi. Auch hier gibt es aber schon erste Berichte über Therapieversager. 

*sexually transmitted infections

Quelle: Jubiläumskongress der Deutschen STI-Gesellschaft; Professor Dr. Harald Moi von der Universität Oslo; Professor Dr. Pietro Nenoff, Labor für medizinische Mikrobiologie in Mölbis

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