Medical Tribune
2. Feb. 2024Phase-III-Studie zu R21/Matrix-M

Zweite Malaria-Impfung für Kinder erfolgreich getestet

Eine neue Studie zeigt für den Malaria-Impfstoff R21/Matrix-M einen ähnlichen oder etwas besseren Impfschutz als die bereits verwendete Vakzine RTS,S, bei ähnlich guter Verträglichkeit. Ausserdem soll die neue Impfung einfacher und günstiger hergestellt werden können.

Ein neuer Malaria-Impfstoff könnte den Malariaschutz in Endemiegebieten verbessern.
Milano Photo Events/stock.adobe.com
Der neue Malaria-Impfstoff könnte den Malariaschutz in Endemiegebieten verbessern.

Forscher untersuchten die Malaria-Vakzine R21/Matrix-M bei über 4.800 Kinder im Alter von fünf bis 36 Monaten aus Burkina Faso, Kenya, Mali and Tanzania. Die zweite verfügbare Malaria-Impfung zeigte einen gleichwertigen oder sogar etwas besseren Impfschutz als der bereits eingesetzte Impfstoff RTS,S/AS01.

Dazu könnte der neue Impfstoff günstiger und in grösseren Mengen hergestellt werden. Die WHO hat R21/Matrix-M bereits empfohlen, und die neue Impfung wird bereits produziert und voraussichtlich in den kommenden Monaten eingeführt.

Jedes Jahr sterben 450.000 Kinder unter 5 an Malaria

Weltweit erkranken jedes Jahr 200 Millionen Menschen an Malaria; 600.000 von ihnen sterben. Vor allem für Kinder unter fünf Jahren kann die Infektionskrankheit tödlich ausgehen. In diesem Alter passieren 76 Prozent der Malaria-Todesfälle – mit Schwerpunkt um das erste Lebensjahr.

Zur Infektionsprophylaxe sind Menschen unter anderem auf Mückennetze, Insektenschutzmittel und die Malaria-Chemoprophylaxe angewiesen. Seit dem Jahr 2021 ist zusätzlich eine Impfung mit dem Impfstoff RTS,S/AS01 im Einsatz. Weltweit wurden bereits Millionen von Kindern damit geimpft.

RTS,S zeigte in Studien eine Wirksamkeit von 56 Prozent gegen schwere Infektionsverläufe bei Kindern zwischen 6 und 17 Monaten.

Zweiter Impfstoff R21 bietet neue Möglichkeiten

In der neuen Studie untersuchten Forscher den Malaria-Impfstoff R21/Matrix-M an 4.878 afrikanischen Kindern im Alter von fünf bis 36 Monaten. Diese wurden aus unterschiedlichen Risikogebieten rekrutiert, die von Malaria unterschiedlich stark betroffen waren, und in denen die Malaria entweder eine saisonale, oder eine ganzjährige Infektionskrankheit ist.

Zwei Drittel der Kinder erhielten im Abstand von jeweils vier Wochen drei R21-Impfungen, und eine Auffrischungsimpfung nach 12 Monaten. Die Kinder in der Kontrollgruppe erhielten in gleichen Abständen eine Impfung gegen Tollwut.

Der primäre Endpunkt der Studie war dabei die Zeit bis zur ersten klinischen Malariaepisode. Die Impfung erreichte dabei in saisonal betroffenen Gebieten einen Schutz von 75 Prozent, und in ganzjährig betroffenen Gebieten von 68 Prozent.

Analysen der Antikörpertiter zeigten zudem, dass die Impfung bei Kindern zwischen fünf und 17 Monaten effektiver war als bei Kindern zwischen 18 und 36 Monaten. Damit funktioniert sie genau da am besten, wo Kinder am anfälligsten für schwere Malaria-Verläufe sind.

Mittels stichprobenartiger Überprüfungen von Blutfilmen der Kinder konnten die Forscher ausserdem zeigen, dass die asymptomatische Malaria-Parasitämie bei geimpften Kindern 12 Monate nach der Vakzine um rund die Hälfte im Vergleich zur Kontrollgruppe reduziert war.

Weiterer Impfstoff benötigt – auch unabhängig von einem Effektivitätsunterschied

Die Autoren schreiben, dass R21 dem bisherigen Impfstoff RTS,S in seiner Effektivität überlegen ist, und merken an, dass der neue Impfstoff günstiger sei, sowie in grösseren Mengen hergestellt werden kann.

Ob die neue Impfung nun aber auch in der Anwendung diese Vorteile haben wird, ist laut Experten noch unklar. So sei ein Direktvergleich der Effektivität von R21 und RTS,S aufgrund von Studienunterschieden nicht möglich, sagt etwa Prof. Dr. Martin Grobusch, PhD, Leiter des Zentrums für Tropen- und Reisemedizin, Abteilung für Infektionserkrankungen am Universitätsklinikum Amsterdam, Niederlande.

«Allerdings ist diese Frage bis zu einem gewissen Grad müssig, weil wir mehrere Impfstoffe benötigen, um den exorbitanten Bedarf decken zu können. Dies gelingt nicht mit einem Impfstoff von nur einem Hersteller. Von daher werden in jedem Fall beide – und nach Möglichkeit bald weitere – dringend benötigt», betont der Experte.

Wie sich die zusätzliche Impfung auf den Malaria-Schutz auswirken wird

Darüber hinaus sei die Impfung als Einzelmassnahme als Schutz gegen Malaria nicht ausreichend. Sie sei laut Prof. Grobusch lediglich als Zusatzmassnahme zu anderen Antimalaria-Strategien zu sehen. «Erst wenn Zugang zu imprägnierten Bettnetzen, frühzeitiger korrekter Diagnose und prompter adäquater Behandlung gut geregelt sind, kann die Impfung ihren vollen additiven Effekt entfalten», so der Tropenmediziner

Die Sicherheit beider Impfstoffe schätzt Prof. Grobusch als hoch ein. Als häufige Nebenwirkungen nennt er typische Impf-Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Unwohlsein und möglicherweise eine fieberhafte Reaktion.

«Malaria wird in Endemiegebieten als Ursache von grossem Elend erlebt. Hier ist – bei guter Kommunikation von Seiten der jeweiligen nationalen Gesundheitsdienste – mit grosser Akzeptanz zu rechne», sagt der Experte. Zusätzlich zum Schutz, den die beiden Malaria-Impfstoffe einzelnen betroffenen Kindern vor schweren Infektionsverläufen bieten, schätzt er, dass die Anzahl der Malariafälle sich dank der Impfungen auf rund die Hälfte vermindern wird.