Medical Tribune
5. Apr. 2012Präventionsstandbein

Werbemöglichkeiten nutzen: Vorträge

Die Allgemeinärztin Dr. S. baute sich ihr Präventionsstandbein vor einigen Jahren beispielsweise mit der Thymustherapie zur Stärkung der Immunabwehr auf. Ein ideales Einstiegskonzept, da Ärzte das medizinische Wissen sowieso mitbringen und keine teuren Zusatzgeräte notwendig sind. In ihrer Praxis richtete sie die Informationen dazu saisongerecht, also im Herbst, vor allem an immunanfällige, ältere oder besonders belastete Menschen.

Zusätzlich aber machte Dr. S. ihr Angebot auch durch Vorträge an ihrem Wohnort bekannt. Rechtzeitig zu Beginn der kalten Jahreszeit stellte sie dann Massnahmen zur Stärkung der Immunabwehr vor. Und da wurde neben Saunagang und anderen Abhärtungsmassnahmen auch die Thymustherapie genannt. "Dabei stelle ich mich auf die Zuhörer ein. Denn die wollen nicht von Wissenschaftlichkeit erschlagen werden. Ich vermittle ihnen eher, wie wohl sie sich nach solch einer Massnahme fühlen", erzählte die Kollegin, die sich selbst regelmässig einer Thymustherapie unterzieht.

Was bringt Ihnen die verstärkte Öffentlichkeits­arbeit?

• Mehr Bekanntheit. Egal, ob Sie Vorträge halten, Anzeigen schalten oder sich für wohltätige Zwecke einsetzen: Überall taucht Ihr Name in gedruckter Form auf. Er steht auf den Einladungsplakaten zum Vortrag, er steht sowieso in Ihrer Anzeige, er kann aber auch im Lokalblatt stehen, weil die Presse z.B. über eine Veranstaltung berichtet.
Ein besseres Image als Arzt, der etwas von seinem Fach versteht oder der im karitativen Bereich tätig ist oder sich für gesunde Ernährung an Schulen einsetzt usw.
Eine geplant zielgruppengerechte Ansprache der für Ihre Angebote infrage kommenden Menschen. Wenn man mit Ärzten, die im Präventions- bzw. Selbstzahlerbereich erfolgreich sind, über ihre Marketingaktivitäten spricht, dann fällt immer wieder auf, dass die meisten ganz gezielt auf Vorträge setzen – in der Praxis oder sogar der Stadthalle.

Ihr Vorteil: Gesundheit interessiert fast jeden

Vorträge halten – das ist für viele Menschen ein echter Graus, auch für erfahrene Mediziner, die tagtäglich mit Dutzenden Patienten sprechen. Und wer nicht als Entertainer auf die Welt gekommen ist, muss abwägen, ob öffentliche Vorträge für ihn der richtige Weg zu mehr Bekanntheit sind.

Aber für die meisten ist das Lampenfieber, das sich besonders beim allerersten Vortrag unweigerlich einstellt, ja doch beherrschbar. Sie müssen ja nur daran denken, dass Sie als niedergelassener Arzt einen echten Vorteil haben: Ihr Fachgebiet, die Gesundheit, interessiert jeden und die Themen eignen sich für jede Lebenslage.

Eigene Erfahrungen machen glaubwürdig

Und Sie kennen aus Ihrer täglichen Erfahrung die Beschwerden und Gedanken Ihrer Patienten. Das sind Erfahrungen, die Sie auf jeden Fall in Ihre Vorträge einfliessen lassen können und die das Ganze für die Zuhörer sehr lebensnah machen.

Zweifellos erfordern Vorträge eine gewisse Vorbereitungszeit. Aber sehen Sie es einmal so: Die strukturierte Herangehensweise nutzt Ihnen auch für das Arzt-Patienten-Gespräch in der Praxis. Wenn Ihnen das Interesse der Zuhörer an einem neutralen Ort so entgegenschlägt, gewinnen Sie auch mehr Sicherheit, Ihre eigenen Patienten in Ihrer Praxis aktiv auf Ihre Angebote anzusprechen.

Die Themenauswahl ist nahezu unbegrenzt. Sie können über allgemeine oder aktuelle Gesundheitsthemen sprechen – von der Ernährung über rückenschonende Arbeitshaltungen, Frauen in den Wechseljahren bis zu Sport und Gesundheit. Sie können Selbstdiagnosekurse, Aufklärungsabende oder Fortbildungsveranstaltungen durchführen – Hypertonie, Diabetes, Schlafstörungen bzw. Reisemedizin sind nur Beispiele für die Vielfalt der möglichen Schwerpunkte.

Doch wie machen Sie denn nun auf Ihren Vortrag aufmerksam? Neben Hinweisen in der eigenen Praxis kommen Inserate und öffentlich aufgehängte Plakate infrage. Nutzen Sie auch die Möglichkeit, Ihre in Ihrem Recall-System aufgeführten Patienten direkt zu informieren. Haben Sie eine Internetseite? Da gehört natürlich auch ein Hinweis auf die Veranstaltung rein. Manche Themen sind auch für die Lokalpresse interessant und Sie kommen ganz ohne eigenes Zutun in die Zeitung – so steigern Sie den Effekt gleich noch einmal. Bereiten Sie für die Presse ein Stichwortmanuskript über den Inhalt Ihres Referats vor.

Kooperationspartner finden

Sprechen Sie auch Krankenkassen, Kurverwaltungen, Vereine, Kindergärten, Schulen oder Selbsthilfegruppen an, ob sie Ihnen als Kooperationspartner bei der Organisation und mit einem Vortragsraum behilflich sind. Sie werden - das zeigt die Erfahrung - offene Türen einrennen. Denn auch diese Gruppen freuen sich, wenn sie ihr Profil schärfen können – und das gelingt mit einem Gesundheitsvortrag fast immer.

Wenn Sie Vorträge in kleinerem Rahmen – zum Beispiel in den Praxisräumen – halten, begrüssen Sie jeden Teilnehmer einzeln, legen Sie ein Gästebuch aus und fragen Sie am Ende des Vortrags die Zuhörer, welche Themen noch gewünscht werden. Bei eher begrenztem Platzangebot sollte um Anmeldung gebeten werden.

Holen Sie den Apotheker mit ins Boot

Ihre Praxisräume sind für dergleichen nicht geeignet und preiswerte oder sogar kostenfrei nutzbare öffentliche Räume stehen am Ort nicht zur Verfügung? Dann halten Sie doch nach Kooperationspartnern Ausschau. Wie sind zum Beispiel die Räume der nächstgelegenen Apotheke beschaffen? Lässt sich der Verkaufsraum bestuhlen (Stühle gibt's preiswert im Baumarkt) und nach Geschäftsschluss für Ihre Vorträge nutzen? Der Apotheker hat bestimmt ein offenes Ohr für Ihr Anliegen, erzielt er doch auch einen Marketingeffekt. Vielleicht lässt sich ein Thema finden, zu dem er etwas aus pharmazeutischer Sicht ergänzen kann. Und in einer Apotheke mit viel Laufkundschaft lässt sich prima für den Vortrag werben.

Überhaupt müssen Sie nicht als Einzelkämpfer auftreten. Auch ein Spezialist aus einer anderen Praxis kann unter Umständen Ihr Referat sinnvoll ergänzen. Bei grösseren Veranstaltungen kann ein Moderator hilfreich sein. Der kann Sie auch vorstellen - das kommt oft besser an, als wenn Sie viel zu Ihrer Person sagen müssen.

Mit Partnern gelingen auch grosse Aktionen

Zusammen mit einem engagierten Kooperationspartner könnten Sie auch richtig gross einsteigen. So rüttelten vor einigen Jahren zum Beispiel ein Allgemeinarzt und ein Apotheker eine ganze Stadt wach, indem sie unter dem Motto "Straubing fastet" eine Aktion initiierten, bei der unterstützt durch Sportgeschäft, Bäcker, Metzger und Restaurants das Bewusstsein für gesunde Ernährung geschärft wurde. Die Stadt stellte sich mit dem Bürgermeister als Schirmherr hinter die Aktion, schon zur Eröffnungsveranstaltung kamen über 500 Leute.

Der erwähnte Allgemeinarzt führte zudem regelmässig Seminare mit bis zu 25 Teilnehmern durch und beantwortete Fragen zur gesunden Ernährung per E-Mail und im Internet und wurde als medizinischer Berater der Aktion fleissig in Presse und Rundfunk zitiert. Auch der Apotheker bot in seinen Räumen einen Seminarbetrieb. Insgesamt ein gelungenes Marketing – und das mit einem medizinisch sinnvollen und damit unangreifbaren Thema. 

Lieber wenige Folien – aber gute!

Auch wenn Sie erst mal in kleinerem Rahmen eine Vortragstätigkeit aufbauen – die Herstellung von Folien macht Arbeit, deshalb konzentriert man sich besser auf eher wenige, die dann gut gestaltet sind. Das ist viel besser als 50 unprofessionelle Folien. Achten Sie auch auf das Urheberrecht: Wenn Sie fremde Unterlagen nutzen, müssen Sie Autoren erwähnen. Häufig sind 80 Prozent der Inhalte von anderen Autoren – macht nichts. Sie beweisen damit, dass Sie gut informiert sind. Wenn Sie zum Beispiel einen unserer netten Cartoons in Ihren Vortrag einbauen wollen, müssen Sie diesen einfach nur mit einer kurzen Mail bei uns anfragen und Sie bekommen für ein ganz kleines Entgelt die Nutzungsrechte von uns.

Tipp: Geben Sie Visitenkarten nur auf Anfrage heraus. Legen Sie bei den Vorträgen keine weitergehenden Informationen aus Ihrer Praxis aus, auch nicht die Praxisbroschüre. Denn das betrachten manche Kammern als aufgedrängte Werbung, die noch immer berufswidrig sei. Andererseits halten Arztrechtler sogar Briefkastenwerbung mit Flyern für erlaubt, bei der z.B. ein Schüler Praxisinformationen in den Briefkästen um die Praxis herum verteilt (natürlich müssen Hinweise wie "Werbung unerwünscht" beachtet werden, dies bitte dem Verteiler einschärfen).

Da die Auffassungen aber wie erwähnt nicht einheitlich sind, sollten Sie gegebenenfalls die zuständige Kammer fragen, ob das Auslegen von Praxisflyern oder -broschüren bei Ihren Vorträgen toleriert wird. Auch das mündliche Nennen der Praxisanschrift beim Vortrag wird gern gerügt. Das muss aber auch gar nicht sein. Stellen Sie sich neu­tral und sachlich vor - Interessierte finden Sie schon.