Medical Tribune
28. Mai 2013COPD-Patienten leiden im Terminalstadium unter Dyspnoe

Was Todkranken bei Atemnot hilft

Bis zu 95 % aller COPD-Patienten leiden im Terminalstadium unter Dyspnoe, bei Lungenkrebskranken sind es 66 bis 74 % und bei Herzinsuffizienten bis zu 88 %. Die Atemnot ist nicht nur extrem belastend, sie verkürzt auch das Überleben signifikant, berichtete Dr. Steffen Simon vom Zentrum für Palliativmedizin der Universitätsklinik Köln.

Dyspnoe: Schnell wirksames Fentanyl als Alternative zu Morphin

Bewegung bei COPD, ein Notfallplan für akute Ausbrüche, Panikkontrolle und Beruhigung/Entspannung stellen allgemeine Massnahmen dar, die bei Dyspnoe angezeigt sind. Zwei hilfreiche nicht medikamentöse Interventionen sind der Einsatz eines Rollators – vor allem bei kontinuierlicher oder belastungsinduzierter Atemnot – und von Handventilatoren. Letzere sorgen für einen Luftzug im oberen Nasenbereich, was die Atemnot lindert.

Medikamentös gelten Opioide als Mittel der ersten Wahl. Dabei genügen geringere Dosen als in der Schmerztherapie. Dr. Simon riet zur Gabe von 2,5 bis 5 mg Morphin alle vier Stunden (oral oder s.c.). Häufig reichen 10–30 mg pro Tag aus. Unter einer Titration "entlang der Atemnot" (langsam eindosieren!) ist keine Atemdepression zu befürchten, betonte der Kollege.

Begleitend sollten immer Laxanzien, bei Bedarf auch Antiemetika verordnet werden. Da Atemnotattacken meist noch kürzer dauern als Schmerzanfälle, kann in diesen Situationen schneller wirksames Fentanyl (z.B. buccal) eine Alternative sein.

Palliativmedizin: Wann Benzodiazepine? Wann Steroide?

Für Benzodiazepine gibt es keine Evidenz hinsichtlich der Reduktion der Dyspnoe-Intensität. Sie können aber im Umgang mit dem Symptom hilfreich sein, v.a. wenn der Luftmangel Angst oder Panik auslöst. Geeignet sind Lorazepam (0,5–1 mg sublingual alle 6-8 Stunden) oder Midazolam (1–5 mg s.c. alle 4–6 Stunden).

Bei pulmonaler Spastik oder Lymphangiomatosis carcinomatosa helfen Steroide, bei Letzterer empfahl der Experte Tagesdosen von 4–12 mg über zwei bis drei Wochen. Dann kann ausgeschlichen werden, da der Effekt länger anhält.

Sauerstoff bei Atemnot nicht wirksamer als Raumluft

Keinen Wirksamkeitsnachweis gibt es für Phenothiazine, Antidepressiva und Buspiron, erklärte Dr. Simon. Sauerstoff ist nur bei Hypoxämie und COPD indiziert, sonst bietet er gegenüber Raumluft keinen Vorteil.

Quelle: 119. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizi, Wiesbaden, 2013