Medical Tribune
5. Feb. 2024Primärer Endpunkt verfehlt

Rektumkarzinom: Frühe Stoma-Verlegung ohne Einfluss auf vollständige adjuvante Chemotherapie

Nur die Hälfte der Patienten mit reseziertem Rektumkarzinom schliesst eine adjuvante Behandlung nach Radiochemotherapie und Operation vollständig ab. Eine frühe Stoma-Rückverlegung scheint die Rate nicht zu erhöhen.

Der Zeitpunkt der Stoma-Rückverlegung hat keinen Einfluss auf die Komplettierung der adjuvanten Chemotherapie.
Dr. Slaven Barry/Science Photo Library
«Für mich ist die frühe Ileostomarückverlegung jetzt eine valide und sichere Option», resümiert Prof. Hofheinz.

Patienten mit reseziertem Rektumkarzinom können nach Radiochemotherapie und Resektion eine adjuvante Chemotherapie erhalten.

Allerdings wird eine solche Behandlung nur in 60-80 Prozent der Fälle eingeleitet. Ausserdem komplettieren diese nur etwa 50 Prozent der Erkrankten, berichtet Prof. Dr. Ralf-Dieter Hofheinz vom Mannheim Cancer Center (1).

Studie untersucht Rückverlegung des Stoma

Die protektive Ileostomie ist der Standard nach tief anteriorer Rektumresektion in den meisten Zentren. Obwohl die Betroffenen eine frühe Rückverlegung des Ileostomas (ISRV) bevorzugen, gibt es bisher keine eindeutigen Daten dazu, sagt Prof. Hofheinz. Es ist auch nicht bekannt, ob ein noch bestehendes Stoma ein Hindernis für die Durchführung oder Vollständigkeit der adjuvanten Therapie darstellt.

Die randomisierte, multizentrische CoCStome-Studie soll Antworten auf viele dieser Fragen liefern. Die Studie umfasst Patienten mit Rektumkarzinom im Stadium II/III nach Radiochemotherapie oder neoadjuvanter Strahlentherapie und tief anteriorer Resektion (TAR) mit protektiver Ileostomie. Anastomoseninsuffizienz war ein Ausschlusskriterium.

Keine signifikanten Unterschiede im DFS

Die Autoren verglichen die «Completeness of Chemotherapy» (CoC), also die
Vollständigkeit aller geplanten Zyklen einer adjuvanten Behandlung, als primären
Endpunkt bei

  • früher ISRV: 810 Tage nach TAR, vor Beginn der adjuvanten Therapie (n = 127)
    und
  • später ISRV: ca. 26 Wochen nach TAR und Abschluss der adjuvanten Behandlung (n = 130).

Dosisreduktionen oder Intervallverschiebungen wurden nicht berücksichtigt. Eine signifikante Verbesserung war definiert als eine Erhöhung der CoC-Rate um 20 auf 62 Prozent, bei einer Power von 80 Prozent.

Wie Prof. Hofheinz berichtet, fand die frühe ISRV im Median neun Tage nach TAR statt, während die späte ISRV nach 175 Tagen erfolgte.

Der primäre Endpunkt wurde nicht erreicht. Die CoC-Rate betrug im Prüfarm 62,9 gegenüber 65,8 Prozent in der Kontrollgruppe (p = 0,79). Auch die Raten derjenigen, die die adjuvante Therapie begonnen hatten, unterschieden sich mit 77,5 gegenüber 77,0 Prozent im frühen und späten Setting nicht (p = 0,97), ebenso wie die chirurgische Morbidität.

«Frühe Stoma-Verlegung jetzt valide Behandlungsoption»

Es gab auch keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich des Disease-Free Survival (DFS) (p = 0,15), obwohl die Forscher einen Trend zugunsten der frühen Intervention beobachteten (HR 1,6). Dieser Trend war besonders ausgeprägt bei Patienten, die eine Capecitabin-basierte adjuvante Therapie erhielten (HR 2,4; p = 0,098), obwohl die Chemo hier signifikant später begonnen wurde (38 Tage gegenüber 27 Tage, p < 0,01) und insgesamt weniger Oxaliplatin verabreicht wurde. Für die 5-FU-basierte Therapie wurde kein Trend festgestellt (HR 0,7; p = 0,5).

Prof. Hofheinz betont, dass die Studie zwar negativ hinsichtlich des primären Endpunkts ist, aber wichtige Erkenntnisse zur Sicherheit und Durchführbarkeit der ISRV liefert. «Für mich ist die frühe Stoma-Rückverlegung jetzt eine valide und sichere Behandlungsoption.»