Medical Tribune

Erfreuliche Ergebnisse mit Triple-Regime beim fortgeschrittenen RCC

In der COSMIC-313 Studie, die am ESMO-Kongress 2022 vorgestellt wurde, profitierten Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom (RCC) deutlich von Cabozantinib zusätzlich zu Nivolumab plus Ipilimumab. Allerdings erhöhte sich dadurch die Toxizität.

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mi-viri/GettyImages

Der Multityrosinkinaseinhibitor Cabozantinib (Cabo) in Kombination mit Nivolumab (Nivo), sowie die alleinige Immuntherapie bestehend aus N und Ipilomumab (Ipi) stellen aktuell den Behandlungsstandard beim fortgeschrittenen RCC dar.

Nun zeigte die Studie COSMIC-313, ob die Dreifachkombination bestehend aus Cabo+Nivo+Ipi das progressionsfreie Überleben im Vergleich zu einer alleinigen Behandlung mit Nivo+Ipi steigern kann.

Medianes PFS nicht erreicht

Untersucht wurden in der doppelblinden Phase-III-Studie 855 Patienten mit fortgeschrittenem RCC. Diese erhielten 1:1 randomisiert entweder Cabo (40 mg) oder Placebo einmal täglich in Kombination mit Nivo (3 mg/kg) und Ipi (1 mg/kg) alle drei Wochen für vier Zyklen, gefolgt von einer Erhaltungsdosis Nivo (480 mg) alle vier Wochen für bis zu zwei Jahre.

Die Studie erreichte mit einem statistisch signifikant verbesserten progressionsfreien Überleben (PFS) ihren primären Endpunkt; in der Cabo+Nivo+Ipi-Gruppe wurde dieses nicht erreicht, in der Placebo+Nivo+Ipi-Gruppe belief es sich auf 11,3 Monate (HR 0,73; 95%-KI: 0,57–0,94; p=0,013). «Das ist eine klinisch bedeutsame Verbesserung», betonte Präsentator Dr. Toni Choueiri vom amerikanischen Dana Farber Cancer Institute in Boston.

Höhere Wirksamkeit zulasten der Verträglichkeit

In der Studie traten unerwünschte Ereignisse vom Grad 3–4 bei 73 Prozent der Patienten auf, die die Dreierkombination erhielten, im Vergleich zu 41 Prozent der Patienten mit Zweifachkombination. Unter der Dreifachtherapie kam es dadurch auch zu doppelt so vielen Therapieabbrüchen aufgrund von behandlungsbedingten Nebenwirkungen (12 vs. 5%). Drei Patienten in beiden Gruppen wiesen sogar Nebenwirkungen vom Grad 5 auf, darunter beim Dreifachregime gastrointestinale Blutungen, Leberversagen und respiratorische Insuffizienz und in der Zweierkombination Nierenversagen, Myokarditis und plötzlicher Tod.

«Diese unerwünschten Events traten innerhalb von 30 Tagen nach Verabreichung der letzten Dosis auf. Zwei weitere Patienten zeigten Grad-5-Nebenwirkungen (v.a. akutes Leberversagen, immun-induzierte Hepatitis) 100 Tage nach letzter Dosisverabreichung unter C+N+I, während ein Patient unter Placebo+N+I ein perforiertes Ulkus unter der Zweifachkombination aufwies», berichtete Dr. Choueiri.

Ergebnisse zum Gesamtüberleben mit Spannung erwartet

Dr. Choueiri betonte, dass die Ergebnisse zum PFS bei unbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem RCC äusserst erfreulich sind. COSMIC-313 sei die erste Studie, die als Kontrolle einen immunonkologischen Zweifach-Standard der Behandlung verwendete.

Ob das Ansprechen auf die Dreifachkombi aber auch langfristig anhalten wird, lässt sich erst im Zuge späterer Erkenntnisse sagen. «Ein Follow-up des sekundären Endpunktes bezüglich des Gesamtüberlebens ist wichtig und aktuell im Gange», berichtete Dr.Choueiri.

Nicht zuletzt wird auch die zusätzliche Toxizität der Kombination Cabo+Nivo+Ipi darüber entscheiden, welche Rolle diese in der Praxis einnehmen wird. Dabei sollen nun laut Dr. Choueiri weitere Daten zum Toxizitätsprofil gesammelt werden.

RCC in der Schweiz

In der Schweiz erkranken jährlich mehr als 1.000 Personen an einem Nierenzellkarzinom, dabei beträgt der Anteil an Patienten mit Fernmetastasen etwa neun Prozent. Das liegt daran, dass diese Erkrankung oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird, da sie mit unspezifischen Symptomen einhergeht. Liegen Metastasen bereits bei Diagnosestellung vor oder kam es zur Streuung nach ursprünglich erfolgreicher Therapie, stehen neben der operativen Entfernung auch systemische medikamentöse Therapien zur Verfügung.

Referenz