Medical Tribune
2. Jan. 2014

Spitzwegerich und Johanniskraut sollen offene Beine schliessen

Tiere nutzen die wundheilende Potenz von Pflanzen instinktiv, verletzte Rehe wälzen sich in Moos, Seehunde wickeln sich in Algen. Pflanzen selbst schützen sich mit unterschiedlichen Substanzen vor Bakterien, Pilzen und Viren.

Diese sekundären Pflanzenstoffe sind es, die über pharmakologische Effekte verfügen, erklärte Michaela Girsch, Heilpraktikerin aus Merdingen. Für die Wundheilung sind vor allem vier Pflanzen von Bedeutung.

Kalter Spitzwegerich-Blättersaft 
gegen die Entzündung

Der Spitzwegerich enthält zu 2 6 % Schleimstoffe, die z.B. trockenen Reizhusten lindern. Für Wunden interessant sind Iridoidglykoside (v. a. Aucubin), die antimikrobiell und antiinflammatorisch wirken. Für Aucubin wurde nachgewiesen, dass es in kalt bereiteten wässrigen Auszügen, Fluidextrakten und im Press-Saft aus frischen Blättern bakteriostatische und -zide Eigenschaften besitzt.

Die kalte Zubereitung ist dabei entscheidend, denn nur so bleibt das Enzym Beta-Glucosidase erhalten, das aus Aucubin die aktive Substanz (Aucubigenin) freisetzt. 1 ml einer 2%igen Aucubin-Lösung entfaltete in vitro zusammen mit Beta-Glucosidase gegenüber Staph. aureus die gleiche Wirksamkeit wie 600 IE Penicillin, erklärte Michaela Girsch. Spitzwegerich eignet sich zudem gut zur ersten Hilfe bei Insektenstich, weil er den Juckreiz dämmt.

Bei der Schafgarbe (Achillea millefolium) steckt der Bezug zu Wunden schon im Namen. Als sich Achill an der Ferse verletzte, reichte ihm ein Zentaur die Pflanze zur Heilung. Vor allem die ätherischen Öle 1,8 Cineol und Kampfer wirken antimikrobiell.

Schafgarbe kann auch
 Allergien auslösen

Angewendet werden kann das Therapeutikum in Bädern, Waschungen oder Auflagen mit Tee bzw. verdünnter Tinktur. Die Heilpraktikerin warnte allerdings, dass es bei diesem Korbblütler durchaus zu Allergien kommen kann, auch phototoxische Reaktionen (durch Furanocumarine) sind möglich.

Die Ringelblume enthält Triterpensaponine (2–10 %), Flavonoide (0,3–0,8 %) und ätherische Öle (0,2–0,3 %), die sich gegen Keime richten. Triterpenalkaloide (Faradiol) wirken stark entzündungshemmend und Carotinoide (0,2–4,7 %) sowie die ätherischen Öle fördern die Granulation.

Ringelblume hat signifikante Wundheilungseffekte

In experimentellen und klinischen Studien wies man signifikante Wundheilungseffekte – verkürzte Epithelialisierungsphase, beschleunigte Kollagenreifung – nach. Die Ringelblume hat in Auflagen mit Tee bzw. verdünnter Tinktur oder Salben ein breites Einsatzgebiet.

Die Referentin nannte Wunden (auch schlecht heilende, z.B. Ulcus cruris), Verbrennungen, Dermatitis, Ekzeme und entzündliche Haut- und Schleimhauterkrankungen. Die Ringelblume ist ein Korbblütler, zum Einsatz kommen aber meist ihre Zungenblüten, die keine allergieauslösenden Sesquiterpenlactone enthalten, so die Kollegin.

Johanniskraut wirkt heilungsfördernd und antibakteriell

Johanniskraut-Öl wurde schon von Hippokrates zur Wundbehandlung eingesetzt. Die heilungsfördernde und antibakterielle Wirkung (u.a. gegen MRSA und andere grampositive Keime) beruht auf dem Hyperforin (v.a. in reifen Früchten und Samenkapseln enthalten).

Auch schlecht heilende, infizierte Wunden sprechen darauf an, so die Referentin. Hyperforin kommt in Auflagen mit Tee (eher bei Hauterkrankungen), Waschungen mit Tee, Auflagen mit Öl (bei Wunden) sowie Salben und Cremes (hypericinfrei) zum Einsatz.

Quelle: Wund-D.A.CH Dreiländerkongress 2013