Medical Tribune
28. Juli 2012

Bei der Angina tonsillaris McIsaac konsultieren

Bei der Tonsillitis ist es wichtig, zwischen der akuten und der chronisch-rezidivierenden Form zu unterscheiden, betonte Professor Dr. Andreas Podbielski vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Universitätsklinik Rostock. 

Die akute Tonsillitis ist mehrheitlich viral bedingt – beispielsweise durch Adeno- oder Rhinoviren – und heilt nach wenigen Tagen spontan ab. Bei einem kleineren Teil der Patienten sind Bakterien, u.a. beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A wie Streptococcus pyogenes im Spiel. Anders sieht das Erregerspektrum bei der chronisch rezidivierenden Tonsillitis aus: Sie ist fast immer bakteriell bedingt, häufig durch Haemophilus influenzae oder Staphylococcus aureus.

Der McIsaac-Score gilt für Patienten ab drei Jahren

Um besser einschätzen zu können, ob bei einem akut kranken Kind eine Streptokokken-Tonsillitis vorliegt, kann man den McIsaac-Score zu Hilfe nehmen, der für Patienten ab drei Jahren konzipiert ist und folgende Parameter berücksichtigt:

  • Fieber (1 Punkt)
  • Kein Husten (1 Punkt)
  • Vergrösserte vordere zervikale    Lymphknoten (1 Punkt)
  • Vergrösserte Tonsillen/Exsudat    (1 Punkt)
  • Alter 3 bis < 15 Jahre (1 Punkt)
  • Alter 15 < 45 Jahre (0 Punkte)
  • Alter ≥45 Jahre (-1 Punkt)

Bei einer Summe von 2 Punkten beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Streptokokken-Infektion 11 – 17 %, bei 4 Punkten liegt sie bei über 50 %.

Die erzielte Punktzahl entscheidet über die Abstrich-Indikation

Ob eine mikrobiologische Diagnostik notwendig ist, wird in verschiedenen Leitlinien unterschiedlich bewertet. Die DEGAM*-Leitlinie von 2009 empfiehlt, einen Rachenabstrich für Schnelltest oder Kultur nur dann zu machen, wenn daraus Konsequenzen für die Therapieentscheidung zu erwarten sind.

Bei einem McIsaac-Score <3 ist eine mikrobiologische Diagnostik verzichtbar, während bei einer Punktzahl von 3 bis 5 bei unter 16-Jährigen eine mikrobiologische Diagnostik sinnvoll erscheint.

Kaum Schmerzlinderung durch Antibiotika

Möglicherweise bestehen Eltern von Halsschmerz-Kindern deshalb so häufig auf einer antibiotischen Therapie, weil sie sich davon eine Schmerzlinderung versprechen. Eine Analgesie kann man aber bei einer akuten Tonsillitis mit Ibuprofen oder Paracetamol schneller und besser erreichen.

Eine Antibiotikagabe bei akuter Tonsillitis sollte nach Erregernachweis und gegebenenfalls Testung erfolgen, so Prof. Podbielski. Ob die Substanzen die Symptome bei akuter Tonsillitis lindern oder verkürzen, ist nicht sicher belegt. Bei infektiösen Komplikationen (z.B. Otitis media, Peritonsillarabszess) sind Antibiotika jedoch eindeutig indiziert.

Bei häufigen Rezidiven die Tonsillektomie erwägen

Im Fall einer rezidivierenden Tonsillitis empfahl der Referent die Gabe von Penicillin V oder Erythromycin über zehn Tage. Alternativ könne auch ein Aminopenicillin/Betalaktamasehemmer oder Clindamycin verordnet werden. Kommt es zu häufigen Rezidiven, sollte gemäss den Paradise-Kriterien eine Tonsillektomie in Betracht gezogen werden, forderte Prof. Podbielski.

* Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Quelle: 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie