Medical Tribune
30. Mai 2024Möglicherweise ist die EoE nur eine Form der immunvermittelten Ösophagitis

Wie entscheidend sind Eosinophile bei der Ösophagitis?

Die Diagnose der eosinophilen Ösophagitis (EoE) sollte nicht ausschliesslich auf das Vorhandensein eines eosinophilen Infiltrats beschränkt werden. Denn es gibt auch Formen der EoE, bei denen dieses Merkmal nicht nachgewiesen werden kann. Auch bei ihnen besteht Behandlungsbedarf.

Ob Eosinophile bei einer Ösophagitis vorhanden sind, ist nicht allein ausschlaggebend für die Diagnose.
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Die Symptome der eosinophilen Ösophagitis (EoE) sind sehr charakteristisch. Über 95 Prozent der Betroffenen berichten von einer ösophagealen Dysfunktion, bei der feste Speisen wie Brot, Fleisch oder Reis plötzlich nicht mehr richtig hinuntergleiten. Professor Dr. Alex Straumann vom Universitätsspital Zürich vergleicht dies mit einem «stockenden Kolonnenstau» (1).

Gelegentlich fehlen Eosinophile in Ösophagusschleimhaut

Bei über 35 Prozent sitzt die Nahrung in der Speiseröhre fest und muss notfallmässig endoskopisch entfernt werden. Über die Hälfte der Patienten leidet zudem unter schluckunabhängigen retrosternalen Schmerzen. Die Diagnose kann durch eine endoskopische fraktionierte Biopsie gestellt werden, bei der typische histologische Veränderungen und ein eosinophiles Infiltrat festgestellt werden.

Es gibt jedoch auch immer wieder Patienten mit typischen Symptomen, bei denen keine Eosinophilen in der Ösophagusschleimhaut nachgewiesen werden können. Dagegen sind andere Anzeichen einer immunvermittelten Entzündung wie diffuse leichte lymphozytäre Infiltration, deutlich elongierte Papillen, Spongiose und verbreiterte Basalzellschicht vorhanden.

Drei gute Gründe für eine konsequente Behandlung

Die EoE ist somit nur eine Form von vielen chronischen immunvermittelten Ösophagitiden, die sich auch als «Inflammatory Dysphagia Syndrome» (IDS) bezeichnen lassen. Es gibt mindestens drei Untergruppen, darunter die EoE-ähnliche Ösophagitis, die unspezifische Ösophagitis und die lymphozytäre Ösophagitis. Auch bei diesen Formen sind die Mastzellen im Ösophagus erhöht, wenn auch nicht so stark wie bei der klassischen EoE.

Professor Straumann empfiehlt, bei allen Patienten mit Schluckbeschwerden eine obere Endoskopie mit fraktionierten Biopsien durchzuführen. Oft wird die Diagnose verzögert, weil die Dysphagie fälschlicherweise als «Nervenproblem» abgetan wird. Es gibt aber drei gute Gründe, die EoE und die anderen IDS-Formen konsequent zu behandeln:

  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Vermeidung des Remodelings mit Wandstarre
  • Vermeidung von lebensgefährlichen Impaktierungen

Milchverzicht hilft einem Drittel der Patienten

Eine empirische Eliminationsdiät kann die EoE deutlich verbessern. Professor Straumann empfiehlt zunächst den Verzicht auf Milchprodukte, was bei etwa 34 Prozent der Betroffenen zu einer Remission führt. In vielen Fällen ist jedoch eine medikamentöse Behandlung notwendig.

Topische Kortikosteroide haben sich als sehr wirksam und gut verträglich erwiesen, auch bei anderen IDS-Formen. Sie gehören wie beim Asthma langfristig angewendet, da es nach Absetzen oft zu Rückfällen kommt. Bei milden Formen der EoE können auch Protonenpumpeninhibitoren ausreichend sein.

Wenn diese Therapien nicht erfolgreich sind, können auch Biologika bei der EoE eingesetzt werden. Eine Studie mit einem Antikörper gegen IL-5 (Mepolizumab) führte zu einem deutlichen Rückgang der Eosinophilen, hatte jedoch keinen Einfluss auf die Entzündung und die Symptome. Möglicherweise spielen Eosinophile also keine entscheidende Rolle bei der Entstehung der EoE. Aber auch der Antikörper Dupilumab, der gegen IL-4/13 gerichtet ist, hat sich als wirksam erwiesen und ist auch für diese Indikation zugelassen.