Medical Tribune
31. Okt. 2013Patienten mit Muskelschmerzen

Unklare Muskelschmerzen: Elektrolyte und Medikation prüfen!

Eine Myalgie ist ein Begleitsymptom vieler verschiedener Erkrankungen, wobei man wohl vornehmlich an rheumatische und infektiöse Ursachen denkt. Aber auch bei vielen anderen Diagnosen klagen die Patienten über Muskelschmerzen.

So hat eine Auswertung von US-Krankenhausentlassungsdaten über acht Jahre ergeben, dass in 1,7 Mio. Arztbriefen von Fibromyalgiepatienten oft als Zweitdiagnosen internistische Erkrankungen auftauchten. Besonders häufig waren Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, KHK und andere Herzerkrankungen sowie Lebererkrankungen zu finden.

Bei Crohn und Colitis an Fibromyalgie denken

In einer anderen Arbeit zeigte sich, dass bei der Hälfte der Patienten mit M. Crohn und etwa jedem Fünften mit Colitis ulcerosa auch die Klassifikationskriterien für die Fibromyalgie erfüllt sind. Über diese Assoziationen sollte man sich bei der Betreuung von CED-Patienten im Klaren sein, erklärte Professor Dr. Elisabeth Märker-Hermann von den Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden.

In der Inneren Medizin äussern sich sehr häufig Elektrolytstörungen, teilweise ausgelöst durch endokrine Erkrankungen, als Myalgien. Relevant sind vor allem die Hyperkalz­ämie, die Hypokaliämie, die Hyponatriämie und die Hypophosphatämie. Oft stecken Medikamentennebenwirkungen, eine Diarrhö bzw. Erbrechen dahinter, aber auch Störungen der Nierenfunk­tion können die Elektrolyte durcheinander bringen.

Eine Hyperkalzämie z.B. äussert sich am Bewegungsapparat mit Muskelschwäche, Myalgie, Arthralgie und Knochenschmerzen. Daneben sind Bauchschmerzen und Koliken typische Zeichen. Bekannt sind auch eine Polyurie und eine Polydipsie und in schweren Fällen kann es zur Pankreatitis und zum Nierenversagen kommen. Ursächlich ist in vielen Fällen ein primärer Hyperparathyreoidismus.

Malignome können Kalzium erhöhen

Bei Malignomen beobachtet man Tumorhyperkalzämien, z.B. bei Osteolysen oder paraneoplastischer Sekretion von PTHrP (parathormon related Protein).

Weitere seltenere Gründe für hohe Kalziumwerte im Serum sind die Erholungsphase nach einem Nierenversagen, eine Hyperthyreose oder granulomatöse Erkrankungen, wie der M. Boeck mit erhöhter Vit­amin-D-Bildung. Medikamente, wie Vitamin D, Thiazide, Lithium oder Tamoxifen können ebenfalls eine Elektrolytverschiebung hin zur Hyperkalzämie verursachen, erinnerte die Kollegin.

Hypokaliämie führt auch zu Muskelbeschwerden

Ebenso wie das hohe Kalzium führt oft auch ein erniedrigtes Kalium zu Muskelbeschwerden. Vor allem wenn Herzpatienten schon lange an Hypokaliämie leiden, wird durch absterbende Myokardiozyten und das dadurch freigesetzte Kalium eine Normokaliämie vorgetäuscht.

Bei körperlicher Belastung kann es dann sogar zur Rhabdomyolyse kommen, da der Kaliummangel die Vasodilatation der Muskelarterien unmöglich macht. Kaliumverlust ist zudem durch Erbrechen, Diarrhö, Diuretika, M. Crohn oder aber den renalen Verlust z.B. bei interstitieller Nephritis möglich. Besteht zusätzlich eine Hypertonie, muss man an einen Hyperaldosteronismus bzw. das Conn-Syndrom denken.

Oft übersehen wird die Hypophosphatämie (z.B. durch primären Hyperparathyreoidismus, metabolische Azidose, postoperativ), ein potenziell eigenständiger Faktor bei der Myalgie. Klinisch treten zudem Parästhesien, Ataxie und Schwäche bis hin zur Hämolyse, Rhabdomyolyse und zum Koma auf.

Subklinische Hypothyreose kann Myalgie hervorrufen

Bei den endokrinologischen Erkrankungen spielen der Hypocortisolismus bzw. der M. Addison eine wichtige Rolle. Diese Erkrankung entwickelt sich oft sehr langsam über Monate und die Muskelprobleme können das erste Zeichen sein.

Zwar sind die wichtigsten Ursachen Autoimmunprozesse, Tumoren oder Infektionen. In der Psychoneuroendokrinologie gibt es aber zudem Hinweise, dass auch chronischer Stress und das Fibromyalgiesyndrom mit Hypocortisolismus assoziiert sind.

Als häufige Erkrankung ist auch die Hypothyreose ein Grund für Muskelbeschwerden, wobei sogar strukturelle Muskelschäden mit CK-Erhöhung beobachtet werden. Schon bei subklinischer Unterfunktion der Schilddrüse sind Muskelbeschwerden möglich. Eine Hyperthyreose verursacht häufiger Arthalgien, Muskelschmerzen sind hier eher selten, betonte die Kollegin. 

Quelle: 41. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie