Medical Tribune
3. Apr. 2013

Wenn das Steak zum Schock führt

Wenn wenige Stunden nach dem Genuss von Schweinefleisch eine Anaphylaxie auftritt, könnte das erst vor drei Jahren bekannte a-Gal-Allergen schuld sein. Und auch eine Allergie auf Wackelpudding oder gelatinehaltige Infusionslösungen lassen sich möglicherweise dadurch erklären.

Unerklärte Anaphylaxie auf Cetuximab weist auf a-Gal-Allergie hin

Entdeckt wurde die allergene Potenz des Zuckers Galaktose-a-1,3-Galaktose, kurz a-Gal, als unerklärte Anaphylaxien auf den monoklonalen Antikörper Cetuximab auftraten. Auf der Ursachensuche für die potenziell tödliche Soforttypreaktion stiess man auf dieses Oligo-Saccharid als IgE-AK-induzierendes Allergen. Um diese dramatische Nebenwirkung zu vermeiden, wird heute bei allen Patienten vor einer Cetuximabgabe auf IgE-AK gegenüber a-Gal getestet, erklärte Professor Dr. Knut Brockow von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, München auf dem 3. Allergologie-Update-Seminar.

Hohe a-Gal-Konzentrationen auch in Rinder- und Schweineleber

Enthalten ist a-Gal vor allem in rotem Fleisch z.B. vom Rind, Schwein oder Lamm, nicht aber in Hühnchen, Pute oder Fisch. Aber nicht nur der Genuss von Muskelgewebe auch der von Innereien kann eine Allergie auslösen. Man weiss inzwischen, dass Leberextrakte sogar höhere a-Gal-Konzentrationen aufweisen als Fleisch. In einer Untersuchung bekamen 12 von 14 “Rote-Fleisch-Allergikern” nach Einnahme von Schweine- und Rinderleber einen anaphylaktischen Schock.

Während nur 54 % dieser Kranken auch beim Pricktest auf Leber reagierten, erwies sich der Test auf Cetuximab bei allen positiv. In jedem Fall waren IgE-Antikörper gegen a-Gal nachweisbar. Auch gibt es einen Zusammenhang zwischen der a-Gal-Allergie und Gelatine, die ja aus Schweine- und Rinderbindegewebe hergestellt wird. In einer Untersuchung an 40 Patienten mit positivem Hauttest auf Gelatine-Kolloid war bei 30 Personen eine Rote-Fleisch-Allergie nachweisbar, von denen 12 auch auf Gelatine allergisch reagierten.

A-Gal-Allergie erkennen mit Cetuximab-Hauttest

Zwei Patienten vertrugen gelatinehaltige Infusionslösungen nicht. Bei unklaren anaphylaktischen Reaktionen auf Cetuximab, Fleisch, Innereien oder Gelatine sollte eine a-Gal-Allergie ausgeschlossen werden. Als Screeningtests eignen sich die (kommerziell erhältliche) IgE-Antikörperbestimmung oder ein Hauttest mit Cetuximab, riet der Experte.

Quelle: 3. Allergologie-Update-Seminar