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Mit Medikamenten zur Regression

Komplizierte Hämangiome beseitigen

Die meisten Hämangiome bei Kindern erfordern keine Behandlung. Wenn es jedoch durch das Wachstum zu Einschränkungen kommt oder andere Komplikationen auftreten, sollte behandelt werden. Dafür stehen Medikamente wie Propanolol zur Verfügung.

Vor und nach der Therapie: Baby mit Hämangiom

Der Säugling vor (Abb. links) und nach (Abb. rechts) der sechsmonatigen Therapie mit oralem Propranolol: Die Läsionen sind wieder verschwunden.

Eine Mutter stellte ihren zwei Wochen alten Säugling beim Arzt vor. Das Kind wies mehrere unklare Hautläsionen am Körper auf, die bei der Geburt nicht aufgefallen waren, nun aber deutlich in Erscheinung traten – typisch für infantile Hämangiome.

In solchen Fällen empfiehlt ein irisches Autorenteam einer aktuellen Übersichtsarbeit: Zunächst sollte das Kind auf hämodynamische Veränderungen, Merkmale einer angeborenen Herzerkrankung (Herzgeräusche, Zyanose und/oder fehlender Femoralispuls) sowie Hepatomegalie untersucht werden.

Auch gilt es zu klären, ob das Kind Schmerzen hat. Anschliessend heisst es: Alle Hautpartien gründlich untersuchen. Wer nicht weiss, ob er das Kind besser an ein Spezialzentrum überweisen sollte, kann den Infantile Hemangioma Referral Score zurate ziehen (s. Link am Textende).

Viele Hinweise für Komplikationen

Aufgrund der multiplen Läsionen (diffuse neonatale Hämangiomatose) bestand bei dem Säugling die Möglichkeit, dass auch viszerale Hämangiome vorhanden waren. Zudem sass eines der Blutschwämmchen am Augeninnenwinkel, wodurch eine Funktionsstörung drohte. Ein weiteres Hämangiom war am Knorpel der Ohrmuschel lokalisiert, was zu einer kosmetischen Beeinträchtigung hätte führen können.

Hinzu kamen vier ulzerierende Läsionen an Gesäss und Skrotum, von denen eine geringfügig blutete. Ausserdem wirkte das Baby leicht reizbar. Eine Überweisung zum Spezialisten war damit indiziert. Sie erfolgte noch am selben Tag. Zudem wurde ein abdominaler Ultraschall veranlasst, um die potenzielle viszerale Beteiligung (insbesondere der Leber) auszuschliessen.

Der Säugling erhielt leitliniengerecht eine orale Systemtherapie mit Propranolol. Die Behandlung dauert für gewöhnlich ein Jahr, bei dem Kind hatten sich die Hämangiome allerdings nach dem minimalen Behandlungszeitraum von sechs Monaten bereits vollständig zurückgebildet.

Systemtherapie erfolgt leitliniengerecht mit Propranolol

Wichtig bei Hämangiomen ist allerdings nicht nur die Therapie des Kindes. Eltern machen sich unter Umständen grosse Sorgen, schreiben die Autoren. Deshalb sollte man mit ihnen offen über Ängste und Erwartungen reden und sie über das Krankheitsbild aufklären. Ausserdem müssen sie generell für etwaige Veränderungen der Läsionen sensibilisiert werden, falls es doch zu einem komplizierten Verlauf kommt.

Referenzen
  1. Surlis T et al. Infantile haemangiomas. BMJ. 2022 Jul 6;378:e068734. doi: 10.1136/bmj-2021-068734
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