Medical Tribune
8. Juli 2022Mehr als nur Menstruationsschmerzen

Die Endometriose ist nach wie vor unterdiagnostiziert

Die Diagnose der Endometriose ist nicht zu unterschätzen: Es gibt verschiedenste Ausprägungen mit vielen Phänotypen und Auswirkungen. Am WebUp-Vortrag des Forums für medizinische Fortbildung (FOMF) betonte PD Dr. med. Sara Imboden, leitende Ärztin an der Frauenklinik des Inselspitals Bern, dass vermehrt nach einer Endometriose gesucht – und diese bei entsprechenden Befunden benannt und behandelt werden muss.

Eine Endometriose hat mir regulären Menstruationsschmerzen nichts zu tun.
iStock/Marjan_Apostolovic

Ein Befall der Zwerchfellkuppe, des Ovars, der Tuben oder des Septum rektovaginale: Die Endometriose kann viele Formen annehmen. «Die Krankheit ist dabei leider noch immer unterdiagnostiziert», sagt PD Dr. Imboden. Die Endometriose kann darüber hinaus, je nach Lage der Herde, unterschiedlich starke Beschwerden auslösen. Gerade diese Bedingungen erschweren auch die Diagnose: In Europa dauert es durchschnittlich sechs Jahre ab dem ersten Arztbesuch, bis die Diagnose Endometriose gestellt wird. Retrospektiv sagt die Mehrheit der Patientinnen, dass sie bereits seit der Adoleszenz an den typischen Symptomen gelitten haben.

Diagnose darf und soll anhand der Symptome und Bildgebung gestellt werden

Typische Symptome der Endometriose sind die Dysmenorrhoe – zwei Drittel der betroffenen Patientinnen leiden daran. Bei einem Drittel sind diese Schmerzen sogar invalidisierend. Von den Patientinnen mit Dysmenorrhoe liegt bei zwei Drittel bereits ein Chronic Pelvic Pain Syndrom, zu Deutsch chronisches Beckenschmerzsyndrom vor. Über Dyspaneurie klagt über die Hälfte der Endometriose-Patientinnen. Weitere Symptome sind zyklische Darmbeschwerden, Schmerzen bei der Miktion und die Infertilität.

Wenn Klinik und Befunde passen, kann die Diagnose Endometriose oft auch ohne eine Laparoskopie gestellt werden. Goldstandard ist dabei die gezielte gynäkologische Untersuchung: Dies beinhaltet die spekuläre Untersuchung, das Austasten des Beckenbodens und bimanuelles Tasten. Ein gezielter vaginaler Ultraschall kann tieferliegende Herde zeigen. Auch ein Nierenultraschall gehört standardmässig zur Endometrioseabklärung – aufgrund der tief-infiltrierenden Knoten, welche eine asymptomatische Nierenstauung verursachen können.

Eine Magnetresonanztomografie kann helfen, eine tief-infiltrierende Endometriose offenzulegen, dies vor allem bei adipösen Patientinnen oder bei einer Operationsplanung. Ausschliessen kann man eine Endometriose mit einer Magnetresonanztomografie hingegen nicht. Die typischen Symptome zusammen mit den Morphological Uterus Sonographic Assessment (MUSA)-Kriterien, können die Diagnose einer Adenomyose stellen. Somit können Patientinnen früher und gezielter behandelt werden.

Awareness-Endo-Teach-Projekt zur Bekanntmachung und Sensibilisierung

Auch in der Bevölkerung und bei jungen Patientinnen soll die Endometriose bekannter werden: Das Awareness-Endo-Teach-Projekt soll in Schulen das Verständnis dafür fördern, wann Menstruationsschmerzen normal sind und wann von einer Pathologie ausgegangen werden muss. Dies soll auch helfen, damit es seltener zu chronifizierten Schmerzen und Spätschäden wie einer untherapierbaren Infertilität kommt.