Home / Medizin / Steigender Bedarf an 24-Stunden-Betreuung durch ausländische Pflegerinnen

Spitex: Mehr Betreuung zu Hause, weniger in Pflegeheimen

Steigender Bedarf an 24-Stunden-Betreuung durch ausländische Pflegerinnen

Der Bedarf an Pflegern, die Senioren zuhause betreuen, nimmt seit mehreren Jahren stetig zu.

Der kontinuierlich steigende Bedarf an Pflege und Betreuung zu Hause führt unter anderem dazu, dass es zunehmend Angebote von 24-Stunden-Betreuung durch ausländische Pflege- und Betreuungspersonen (auch Care-Migranten genannt) gibt, die bei Senioren in Privathaushalten arbeiten und wohnen. Das ist in der Schweiz mittlerweile recht eindeutig geregelt.

Die Betreuung in Alters- und Pflegeheimen nahm im Jahr 2020 ab. Die Spitex-Versorgung nimmt seit Jahren dagegen kontinuierlich zu (1). 2020 wurden in der Schweiz 158.433 Personen im Alters- und Pflegeheim betreut - gegenüber 2019 entspricht dies einem Rückgang um vier Prozent. Dies geht aus der Statistik der sozialmedizinischen Institutionen und der Statistik der Hilfe und Pflege zu Hause des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor. Es wird vermutet, dass diese seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006 nie zuvor gesehene Abnahme auf die Covid-19-Pandemie zurückzuführen sein dürfte. Dennoch stiegen die Kosten um 2,6 Prozent an (2).

Zahlen und Fakten (3)

  • 44 Prozent der Schweizer ab 80 Jahren lebten Ende 2019 im Heim, oder erhielten Spitex-Leistungen.
  • Ende 2019 wurden in den 1.563 Alters- und Pflegeheimen der Schweiz 90.342 Langzeitaufenthalter gezählt.
  • Von 100 Personen ab 80 Jahren hielten sich 15 in einem Alters- und Pflegeheim auf, 29 erhielten Pflege zu Hause.
  • 76 Prozent der Personen in Alters- und Pflegeheimen waren 80-jährig oder älter.

Spitex übernimmt punktuell pflegerische Aufgaben – und keine 24-Stunden-Betreuung

«Man muss aber grundsätzlich unterscheiden zwischen Spitex-Dienstleistungen und 24-Stunden-Betreuung», sagt Marianne Pfister, Geschäftsführerin von Spitex Schweiz. «In jeder Gemeinde der Schweiz gibt es eine Spitex, die im Versorgungsgebiet die Menschen zu Hause pflegt. Das Spitexpersonal ist fachlich spezialisiert und übernimmt ganz gezielt pflegerische Aufgaben, oft auch Betreuungsaufgaben, insbesondere im Bereich Hauswirtschaft (Einkaufen, Wäscheversorgung, Reinigung). Die Mitarbeitenden der Spitex erbringen ihre Leistungen punktuell. Dies kann mehrmals täglich, einmal pro Woche oder mehrmals pro Woche sein. Sie pflegen und betreuen die Klienten nicht ununterbrochen und wohnen auch nicht bei den Klientinnen und Klienten.»

Modell-Arbeitsvertrag für die 24-Stunden-Betreuung

Frau Pfister hält die 24-Stunden-Betreuung je nach Situation des Klienten für eine sinnvolle Ergänzung zur Spitex-Pflege. Allerdings müssen die Arbeitsbedingungen für das Betreuungspersonal stimmen, betont sie. «Das Betreuungspersonal muss nach Arbeitsrecht angestellt sein, geregelte Arbeitszeiten haben und sozialversichert sein. Für Pflegetätigkeiten braucht es entsprechend ausgebildetes Personal mit Berufsbewilligung. Gute Arbeitsbedingungen und nötige Qualifizierungen schützen die Menschen, die betreut und gepflegt werden, aber auch die Arbeitnehmenden.»

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) stellt auf seiner Internetseite eine Vorlage für die Ergänzung der kantonalen Normalarbeitsverträge (NAV) im Haushaltsdienst zur Verfügung - diese Vorlage bietet den Kantonen Unterstützung für die Übernahme dieser Regeln in ihre kantonalen Normalarbeitsverträge. Der Modell-NAV enthält Vorgaben für die Regelung der Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern, die im Rahmen einer 24-Stunden-Betreuung hauswirtschaftliche Leistungen für gebrechliche Personen erbringen und dafür in deren Haushalt wohnen (4).

Vorausplanen, vor allem bei Menschen mit Demenz

Die Care-Migranten werden meistens im Betreuungsbereich eingesetzt, zum Beispiel bei Menschen mit Demenz - diese benötigen eine 24-Stunden-Betreuung. «Das rechtzeitige Organisieren von fachlicher Hilfe sei wichtig», führt Pfister weiter aus. «Wenn Menschen über längere Zeit ihre unterstützungsbedürftigen Angehörigen betreuen, laufen sie Gefahr, selber an ihre Grenzen zu stossen. Auch aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, rechtzeitig professionelle Betreuungspersonen beizuziehen.» Es sieht ganz danach aus, als ob dieses Modell die Zukunft der Altersbetreuung darstellt.  Care-Migranten im Privathaushalt bringen für die Schweiz jedenfalls neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen.

Referenzen
  1. Jahresbericht Spitex 2021 (abgerufen am 29.05.2022).
  2. Bundesamt für Statistik. Die Betreuung im Alters- und Pflegeheim nimmt 2020 ab, die Spitex-Versorgung kontinuierlich zu. Medienmitteilung vom 9. November 2021 (abgerufen am 27.05.2022).
  3. Bundesamt für Statistik. 44% der Personen ab 80 Jahren leben im Heim oder erhalten Spitex-Leistungen. Medienmitteilung vom 10. November 2020 (abgerufen am 27.05.2022).
  4. Staatssekretariat für Wirtschaft SECO. Arbeitnehmerschutz: Die Frage nach der Regelung der 24-Stunden-Betagtenbetreuung, Stand 21. März 2022 (abgerufen am 29.05.2022)
LOGIN