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Prophylaxe

Einmalige Injektion eines Antikörpers schützt Neugeborene vor RSV

Eine Impfung gegen das Respiratory Syncytial Virus (RSV) schützt nicht nur zu früh Geborene vor behandlungspflichtigen RSV-Infektionen

Bei der RSV-Prophylaxe denken viele nur an Frühgeborene oder kardial und pulmonal vorbelastete Säuglinge. Doch auch (fast) reif geborene Kinder profitieren erheblich von der einmaligen Injektion.

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein weltweit verbreiteter Erreger von akuten Atemwegserkrankungen. Obwohl Frühgeborene und pulmonal oder kardial vorbelastete Säuglinge und Kleinkinder das höchste Risiko für einen schweren Verlauf haben, betrifft die Mehrzahl der RSV-bedingten Hospitalisierungen reife, gesunde Neugeborene.

Die einmalige intramuskuläre Injektion des Antikörpers Nirsevimab, der das Virus an der Zellfusion hindert, schützt diese Kinder über eine ganze RSV-Saison hinweg vor einer schweren Infektion, wie in einem aktuellen Artikel im New England Journal of Medicine zu lesen ist (1). Im Rahmen der Studie wurden 994 Säuglinge vor ihrer ersten RSV-Saison einmalig mit Nirsevimab behandelt. Die Kinder im Alter unter einem Jahr waren frühestens in der 35. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen. Im Vergleich zu dem bereits seit Langem zur Prophylaxe Frühgeborener eingesetzten Antikörper Palivizumab inhibiert Nirsevimab das Virus stärker und hat eine längere Halbwertszeit, so die Forschenden. Weitere 496 Kinder erhielten ein Placebo.

Auch reife, gesunde Neugeborene schützen

Innerhalb der ersten 150 Tage nach der Injektion erlitten zwölf Kinder der Nirsevimab-Gruppe (1,2%), aber 25 aus der Placebo-Gruppe (5%) eine ärztlich behandlungsbedürftige RSV-Infektion. Das entspricht einer Effektivität des Wirkstoffs von etwa 75 Prozent. Sechs der mit Nirsevimab behandelten Kinder und acht der Kontrollen mussten aufgrund des Infekts stationär aufgenommen werden. Sicherheitssignale identifizierten die Studieninitiatoren nicht. In einem Fall kam es zu einem nicht behandlungsbedürftigen makulösen Hautausschlag sechs Tage nach der Nirsevimab-Injektion, der nach 20 Tagen wieder verschwunden war.

In ihrem Artikel fordern die Autoren, dass auch reife, gesunde Neugeborene vor schweren RSV-Infektionen geschützt werden sollten. Nirsevimab sei ein vielversprechender Kandidat hierfür.

Referenz

Hammitt LL et al. Nirsevimab for Prevention of RSV in Healthy Late-Preterm and Term Infants. N Engl J Med. 2022 Mar 3;386(9):837-846. doi: 10.1056/NEJMoa2110275. 

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