Medical Tribune
26. Apr. 2022Spürnasen-Diagnose

Hunde erschnüffeln Lungenkarzinome

Um Lungenkarzinome auch im frühen Stadium zu erkennen, bedarf es dringend weiterer Screening-Methoden. Eine Lösung könnte der Einsatz von Hunden bieten, die den Krebs erschnüffeln.

Bei bis zu 75 Prozent der Atemproben schaffte es ein Labrador Retriever, einen Krebs zu erschnüffeln.
iStock/K_Thalhofer

Bei bis zu 75 Prozent der Atemproben schaffte es ein Labrador Retriever, einen Krebs zu erschnüffeln.

Mit dem Aufspüren von Menschen kann ein gut trainierter Hund heutzutage richtig Karriere machen. Was ihn für diesen Job qualifiziert, ist sein extrem gut ausgeprägter Geruchssinn. Schon seit Jahren versucht man Hunde so abzurichten, dass sie durch Geruchs­proben eine Krankheit identifizieren – mit einigen Erfolgen.

Bugs und Boolomo

In Tschechien wurden dafür nun die beiden Hunde Bugs und Boolomo ausgebildet (1). Ihre Mission: Lungenkarzinome in ­Serum- und Atemproben erschnüffeln. Bugs, ein Labrador Retriever, trat seine Ausbildung im Czech Centre for Signal Animals als acht Monate alter Welpe im Mai 2017 an. Gegen Ende 2018 folgte sein Kollege Boolomo, ein fünfjähriger Australian Cattle Dog. Zu Beginn durften sich beide erstmal mit der Ausstattung des Trainingsraumes vertraut machen: Gross, ohne unnötige Ablenkungen und mit stählerner Bodenplatte, in deren Löchern sich später die Patientenproben befinden würden. Von nun an übten sie wöchentlich ein Mal vor Ort und ansonsten zu Hause.

Im Verlauf Umstellung zu doppelblindem Design

Dann fing man an, Bugs und Boolomo nach und nach insgesamt 115 Geruchsproben von noch unbehandelten Lungenkrebs-Patienten jeglichen Alters mit Adeno-, Plattenepithel- und kleinzelligem Lungenkarzinom in verschiedenen Stadien zu präsentieren. Im nächsten Schritt bekamen sie auch die Proben von insgesamt 101 Gesunden sowie Patienten mit anderen Lungenerkrankungen unter die Nase gehalten. Ihre Aufgabe war es nun, durch Hinsetzen oder -legen anzuzeigen, welche Probe von einem Krebs-Patienten stammte.

Über einen Zeitraum von ungefähr drei Jahren entfernte man sich von einem unverblindeten Design hin zu einem doppelblinden. Unter diesen Bedingungen kam Bugs in seiner besten Disziplin, der Untersuchung von Serumproben, auf 69 Prozent Sensitivität und 67 Prozent Spezifität. Boolomo, der besonders gut Atemproben diagnostizierte, beeindruckte sogar mit einer Sensitivität von 75 Prozent und Spezifität von 90 Prozent. Mit diesen Werten macht er anderen Diagnose­methoden wie der Untersuchung auf biochemische Marker und Genexpression mächtig Konkurrenz, schreibt das Forscherteam um Petra Riedlova vom Czech Centre for Signal Animals in Nový Jicˇín. Demnach kämen Bugs, Boolomo und ihre Kollegen künftig möglicherweise als prädiagnostische Spürnasen infrage – vor allem, wenn man mehrere Hunde auf dieselben Proben ansetzt.

Referenz
  1. Riedlova P et al. Olfactometric diagnosis of lung cancer by canine scent - A double-blinded study. Complement Ther Med. 2022 Mar;64:102800. doi: 10.1016/j.ctim.2022.102800.