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Von Plaques und Gefäßen

Bei Psoriasis auf Thromboembolien und periphere Gefässerkrankungen achten

Mann mit Psoriasis am Ellenbogen

Die Komorbiditäten werden bei der Psoriasis oft vernachlässigt. Dabei gibt es durchaus Verbindungen, die man auf dem Schirm haben sollte. So haben Patienten mit Psoriasisarthritis ein deutlich erhöhtes Risiko für Thromboembolien.

«Die aktuellen Leitlinien nehmen kaum Bezug darauf, wie es um das Risiko von Psoriasispatienten hinsichtlich venöser Thromboembolien (VTE) und peripherer Gefässerkrankungen (PVD) steht», schreiben die Autoren eines Anfang 2022 erschienenen Reviews in JAMA Dermatology (1). Dabei ähneln sich die Pathomechanismen der vaskulären und der immunmediierten Komponente der Erkrankung in Bezug auf die chronische Entzündung.

Risiko für Gefässerkrankung um 30 Prozent erhöht

Um solche Wissenslücken zu schliessen, wertete das Team insgesamt 13 Kohortenstudien mit mehr als 12 Millionen Teilnehmern aus. Die Metaanalyse zeigte ein signifikant erhöhtes Risiko für das Auftreten einer VTE und PVD bei Menschen mit Psoriasis. Konkret bedeutet das, dass Patienten mit Psoriasis im Vergleich zu Patienten ohne die Hauterkrankung ein 1,26-faches Risiko für VTE und ein 1,27-faches Risiko für eine neu auftretende PVD haben.

Für das VTE-Risiko waren vor allem die Patienten mit Psoriasisarthritis ausschlaggebend, wie die Subgruppenanalyse ergab (HR 1,24). Besonders stark erhöht war das Risiko für die Gefässerkrankungen ausserdem bei Frauen (HR 1,89), Asiaten (HR 2,02), und Europäern (HR 1,28).

Verwandte Entzündung

Dafür gibt es mehrere Erklärungsansätze. Zum einen weisen Psoriasispatienten erhöhte Werte bei Entzündungs- und Thrombosemarkern auf. Man weiss etwa, dass Entzündungen vermittelt durch Th-17-Zellen und das Interleukin-17 pathogenetisch sowohl bei Psoriasis als auch bei kardiovaskulären Erkrankungen eine Rolle spielen.

Zum anderen deuten Studien darauf hin, dass bei einer Psoriasis die Thrombozyten aktiviert werden und möglicherweise eine proinflammatorische Endothelreaktion hervorrufen. Zudem können starke entzündliche Prozesse der Psoriasiserkrankung eine vaskuläre Dysfunktion triggern und Endothelschäden – und damit eine Atherosklerose – begünstigen. Auch oxidativer Stress bei Psoriasis könnte in das gefässschädigende Prozedere mit einspielen.

Eine Dosis-Wirkungs-Beziehung bezüglich der Krankheitsschwere wäre für die Autoren denkbar, liess sich mit den vorliegenden Daten aber nicht herstellen. Dafür sprechen würde allerdings das deutliche Risiko bei Patienten, bei denen sich die Entzündung bereits auf die Gelenke ausgeweitet hat. Die beobachtete geografische Risikokomponente könnte einerseits genetisch bedingt sein, aber auch an den Einschlusskriterien der dort durchgeführten Studien liegen (z.B. hauptsächlich hospitalisierte Patienten).

Kardiovaskuläres Risiko bei Psoriasis-Patienten so gut es geht vermeiden

Die Autoren empfehlen Ärzten und Patienten mit Psoriasis, sensibel auf Symptome einer VTE und PVD zu sein: Beschwerden wie unerklärliche Dyspnoe, Brustschmerzen, schmerzhafte Ödeme oder fehlende Fusspulse sollten schnellstmöglich abgeklärt werden. Zum Anderen sollten Patienten mit Psoriasis auf eine gesunde Lebensführung, achten und kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Adipositas, körperliche Inaktivität, Rauchen, Krampfadern, aber auch Hormontherapien vermeiden.

Referenz

  1. Chen TL et al. Association of Psoriasis With Incident Venous Thromboembolism and Peripheral Vascular Disease: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Dermatol. 2022 Jan 1;158(1):59-67. doi: 10.1001/jamadermatol.2021.4918.
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