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Bei Coronavirus-Infektion sollten auch die Ohren kontrolliert werden

Taub durch Covid-19?

Coronavirus 2019-nCoV-Ausbreitung

Schlechter schmecken und riechen: Das kennt man schon im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Offenbar bedroht das Virus aber auch das Hörvermögen.

SARS-CoV-2 kann neben Riech- und Geschmacksvermögen wahrscheinlich auch das Gehör schädigen – bis hin zur völligen Ertaubung, wie ein beispielhafter Fall zeigt. Ein 38-jähriger Covid-Patient bemerkte neben den typischen Atemwegssymptomen zunächst nur eine Einschränkung des Riechens. Aber schon nach sechs Tagen entwickelte er ein akutes Lungenversagen, musste maschinell beatmet und wochenlang intensivmedizinisch betreut werden, schreiben Dr. Kathrin Gerstacker und Kollegen von der Universitäts-HNO-Klinik in Freiburg. Nach dem Erwachen klagte der zuvor otologisch gesunde junge Mann über schwere Hörminderung und Drehschwindel.

Die HNO-Ärzte diagnostizierten links eine akute Ertaubung und rechts eine hochgradige Hypakusis. Sie versuchten zunächst, die verlorene akustische Funktion mit einer intratympanalen und systemischen Kortison-Therapie zu retten, was aber misslang. Erst die Versorgung mit Cochlea-Implantat links und Hörgerät rechts vermochte die Kommunikationsfähigkeit wiederherzustellen.

Zusammenhang mit Infektion wahrscheinlich

Die Autoren vermuten einen Zusammenhang zwischen der aurikulären Schädigung und der Infektion mit SARS-CoV-2. Möglich wäre z.B. ein direkter Virusbefall, wie er von der Influenza bekannt ist. Für eine Labyrinthitis sprechen bei diesem Patienten Drehschwindel und Untererregbarkeit des Vestibularorgans.

In der Innenohrflüssigkeit war zwar keine Virus-RNA zu detektieren, aber dieser Umstand liesse sich auch durch die im Serum nachweisbare starke Antikörperbildung erklären. Thromboembolie und Zytokinsturm kommen als Ursache ebenfalls in Betracht. Ein weiterer potenzieller Auslöser ist die Infektion von Nervenscheiden und Hirnarealen, wie sie für den Covid-19-bedingten Verlust des Riechvermögens angenommen wird. Gegen neuronale Läsionen spricht im vorliegenden Fall aber die gute Hörrehabilitation durch das Cochlea-Implantat, ausserdem fand man eine Schädigung der Haarzellen.

Letztlich konnte nicht eindeutig geklärt werden, warum es zu der Hörminderung kam. Die HNO-Ärzte halten jedoch einen Zusammenhang mit Covid-19 für wahrscheinlich und empfehlen deshalb eine audiometrische Kontrolle für Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion.

Gerstacker K et al. HNO 2021; 69: 666–670.

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