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Fitte Senioren können von regelmässigem Darmkrebs-Screening profitieren

Koloskopie durchführen oder darauf verzichten?

Höheres Alter ist kein Grund, die endoskopische Darmkrebs-Früherkennung einzustellen: Insbesondere Herz-Kreislauf-gesunde Senioren über 75 Jahre profitieren hinsichtlich der Inzidenz kolorektaler Karzinome sowie in Bezug auf das Sterberisiko von einer regelmässigen Teilnahme am Screening.

Die meisten internationalen Leitlinien sind sich darüber einig, dass das endoskopische Screening auf kolorektale Karzinome mit 50 Jahren begonnen werden sollte. Ab welchem Alter auf regelmässige Früherkennungsuntersuchungen verzichtet werden kann, ist dagegen unklar, berichten US-Forscher um Wenjie Ma vom Massachusetts General Hospital der Harvard Medical School in Boston.1

Daten von über 56 000 Personen analysiert

Sie haben zwei grosse prospektive Kohortenstudien ausgewertet, die Nurses’ Health Study und die Health Professionals Follow-up Study. Die Forscher analysierten die Daten von mehr als 56 000 Studienteilnehmern, die während des Follow-ups ein Alter von mindestens 75 Jahren erreicht hatten.

Unabhängig davon, ob die Senioren bereits in jüngeren Jahren eine endoskopische Darmkrebs-Früherkennung in Anspruch genommen hatten, senkte die Screening-Teilnahme im Alter über 75 Jahren (Sigmoidoskopie bzw. Koloskopie) sowohl die Inzidenz kolorektaler Karzinome – insbesondere des distalen Kolon- und des Rektumkarzinoms – als auch das Risiko, an einem solchen Tumor zu sterben, um rund 40 %.

Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder mindestens drei Komorbiditäten (z.B. kardiovaskuläre Erkrankungen, Hypertonie, Diabetes) hatten allerdings keinen wesentlichen Überlebensvorteil durch die Untersuchungen. Auch im Alter über 75 Jahren ist ein endoskopisches Darmkrebs-Screening sinnvoll, sofern es der allgemeine Gesundheitszustand der Senioren erlaubt, so der abschliessende Appell der Wissenschaftler.

Lebensqualität versus -quantität

Die Editorialisten um Professor Dr. Nirmala Bhoo-Pathy von der Universität Kuala Lumpur in Malaysia haben diesbezüglich Vorbehalte:2 Sie betonen die erheblichen Belastungen durch das Endoskopie-Screening im höheren Alter. Beispielsweise wird die für den invasiven Eingriff erforderliche Darmvorbereitung von vielen Senioren schlecht vertragen und kann zu Dehydrierung, Volumenmangel, Nierenversagen und Elektrolytverschiebungen führen.

Ferner geben sie zu bedenken, dass ältere Menschen andere Prioritäten bei Gesundheitsentscheidungen setzen: Angesichts des näher rückenden Lebensendes ist vielen Senioren eine gute Lebensqualität wichtiger als die Verlängerung des Lebens, wenn dafür möglicherweise belastende Tumorbehandlungen in Kauf genommen werden müssen. Ob ein Endoskopie-Screening nach dem Alter von 75 Jahren sinnvoll ist, muss im Einzelfall entschieden werden, so das Fazit der Experten. Ausserdem sollte wissenschaftlich untersucht werden, ob nichtinvasive immunchemische Stuhltests im höheren Alter eine angemessene Screening-Alternative darstellen könnten.

Quellen
  1. Ma W et al. JAMA Oncol 2021; doi: 10.1001/jamaoncol.2021.1364
  2. Bhoo-Pathy N et al. A.a.O.; doi: 10.1001/jamaoncol.2021.1119
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