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Wenn die Therapie bei der Mittelohrentzündung nicht wirkt

An die eosinophile Otitis denken

Ein eosinophiler Granulozyt unter dem Transmissionselektronenmikroskop.

Spricht eine Mittelohrentzündung nicht auf eine Behandlung mit Antibiotika an, kann das verschiedene Gründe haben. Infrage kommt in diesem Fall auch die eosinophile Otitis.

Ähnlich wie beim Asthma bronchiale gibt es offenbar auch bei der chronischen Otitis media eine eosinophile Variante. Zum Beleg führen Kollegen den Fall eines 49-jährigen Patienten an, der wegen progredienter Ohrenschmerzen, Otorrhö und Hörverlust die HNO-ärztliche Notfallstation aufsuchte. Bei der Untersuchung fiel eine gelblich-braune Flüssigkeit im rechten Gehörgang auf, die das leicht entzündete und frisch perforierte Trommelfell teilweise bedeckte.

Dr. Hannes Brandt und Kollegen vom Kantonsspital Aarau gingen zunächst von einer superinfizierten chronischen eitrigen Otitis media aus. Doch die topische Antibiotika-Therapie wollte nicht fruchten und in der Kultur wuchsen weder Bakterien noch Pilze. Stattdessen fand sich im Aspirat aus dem Mittelohr eine Eosinophilie. Vier Jahre zuvor war der Mann bereits wegen ähnlicher Symptome operiert worden. Damals wurde statt des vermuteten Cholesteatoms eine eosinophile polypöse Formation im Mittelohr detektiert.

Nun lautete die Diagnose eosinophile Otitis media, wozu auch die Begleiterkrankungen – ein schlecht kontrolliertes Asthma und Nasenpolypen – passten. Unter einer intratympanalen Therapie mit Triamcinolon klangen Otorrhö und Ohrenschmerzen ab. Die Trommelfellperforation verkleinerte sich und der Hörverlust ging signifikant zurück. Zwei ähnliche Episoden im Folgejahr liessen sich ebenfalls mit dem Glukokortikoid kontrollieren. Die angebotene Antikörpertherapie lehnte der Mann ab.

Eosinophile Otitis media

Majorkriterien
Minorkriterien
Ausschlusskriterien
– Mittelohrentzündung mit Erguss bzw. chronische Mittelohrentzündung mit überwiegend eosinophiler Effusion
– hochvisköser Erguss im Mittelohr
– Resistenz gegen die konventionelle Therapie der Otitis media
– begleitendes Asthma bronchiale
– begleitende Nasenpolypen
– eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (Churg-Strauss-Syndrom)
– hypereosinophiles Syndrom

Therapie mit Steroiden und guter Asthmakontrolle

Die eosinophile Otitis ist sicherlich eine eher seltene Ursache chronischen Ohrenlaufens, räumen die Kollegen ein. Sie empfehlen jedoch daran zu denken, falls die Beschwerden trotz adäquater Antibiotikatherapie und eventueller Operation persistieren. Naheliegend ist die Diagnose bei polypösen Veränderungen und viskösem Mittelohrerguss, insbesondere wenn Asthma und Nasenpolypen hinzukommen. Die eosinophile Otitis kann diagnostiziert werden, wenn ein Major- und mindestens zwei Minorkriterien vorliegen (s. Kasten).

Therapeutisch setzt man primär auf Glukokortikoide und eine gute Asthmakontrolle. Non-Responder können von der Behandlung mit einem IL-5-Antikörper profitieren. In schweren Fällen kommt eventuell eine operative Sanierung infrage.

Brandt HH et al. Case Rep 2021; 14: e240897.

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