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Letzter Ausweg neue Lunge

Covid-19-Patienten mit ARDS erfolgreich transplantiert

Lung transplant

Bei den schwerkranken Covid-19-Patienten erwies sich die Lungentransplantation als technisch sehr anspruchsvoll.

Die Lungentransplantation im Endstadium pulmonaler Erkrankungen wird bei infektiöser Genese nur selten erwogen. Für Corona-Patienten aber scheint diese Option erfolgversprechend.

Covid-19 kann eine Vielzahl von Organsystemen befallen, in der Regel trifft die Infektion jedoch primär die Lungen. Professor Dr. Ankit Bharat von der Abteilung für Thoraxchirurgie an der Northwestern University in Chicago und Kollegen aus anderen Kliniken schildern nun die Fälle von zwölf kritisch kranken Covid-19-Patienten, die in den USA, Indien, Österreich und Italien zwischen Mai und September 2020 eine bilaterale Lungentransplantation erhielten. Von vier Patienten waren keine Komorbiditäten bekannt, die anderen acht litten an medikamentös eingestellten chronischen Krankheiten wie Hypertonie, Diabetes mellitus oder Psoriasis-Arthritis.

Konservative Therapie blieb ohne Erfolg

Die drei Frauen und neun Männer im Durchschnittsalter von 48 Jahren erhielten eine bestmögliche Pharmakotherapie u.a. mit Rekonvaleszentenplasma, Remdesivir, Tocilizumab, Lopinavir und/oder Steroiden. Dennoch entwickelten sie ein anhaltendes Lungenversagen (ARDS) und benötigten eine prolongierte mechanische Beatmung bzw. eine mehrwöchige extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO).

Die pulmonale CT-Bildgebung zeigte bei ihnen ein desolates Bild, berichten Prof. Bharat und Kollegen. Die erkennbar schweren pulmonalen Schäden waren allerdings nicht nur auf die SARS-CoV-2-Infektion, sondern in der Mehrzahl der Fälle auch auf nosokomiale Pneumonien durch multiresistente bakterielle Erreger zurückzuführen.

Obwohl ein durch Infektionen hervorgerufenes ARDS normalerweise nicht zu den Indikationen für eine Lungentransplantation zählt, entschieden sich die Ärzte dafür. Im Schnitt vergingen sechs Tage, bis für die Kranken ein Spenderorgan zur Verfügung stand. Die Transplantationen selbst gestalteten sich technisch extrem anspruchsvoll. Starke pleuropulmonale Adhäsionen, eine ausgedehnte hiläre Lymphadenopathie sowie erhebliche intraoperative Blutverluste, die zahlreiche Erythrozytentransfusionen erforderlich machten, erschwerten die Eingriffe. Die histologische Aufarbeitung der explantierten Lungen zeigte ausgedehnte, diffuse alveoläre Schäden, fibrotische Umwandlung des Parenchyms sowie bronchopneumonische und nekrotische Areale.

Elf von zwölf Patienten lebten nach 80 Tagen noch

Alle Patienten konnten nach der Transplantation von der mechanischen Beatmung entwöhnt werden. Einer verstarb nach 61 Tagen infolge einer Sepsis, die übrigen elf waren nach 80 Tagen am Leben und erholten sich trotz der vorangegangenen Langzeitbeatmung zunehmend. Das gefürchtete Rezidiv von Covid-19 bzw. die Superinfektion im Allograft trat nicht ein.

Für ausgewählte Covid-19-Patienten mit einem schweren Lungenversagen trotz mehrwöchiger optimaler Therapie stellt die Lungentransplantation die einzige Überlebenschance dar. Womöglich könnten auch diejenigen profitieren, die eine chronische Lungenfibrose entwickeln, schreiben die Kollegen. Welche Langzeitergebnisse zu erwarten sind, müsse nun die engmaschige Nachbeobachtung der bereits transplantierten Corona-Patienten zeigen.

Bharat A et al. Lancet Respir Med 2021; doi: 10.1016/S2213-2600(21)00077-1

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