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Nicht gleich sauer werden

Die chronische Niereninsuffizienz muss nicht im Totalausfall enden

Backpulver mit Holzlöffel.

Lange war der Verlauf einer chronischen Niereninsuffizienz beinahe zwangsläufig progredient. Inzwischen gibt es einige Möglichkeiten, um dieser Entwicklung gegenzusteuern.

Nephrologen haben heute einiges an der Hand, um das Fortschreiten einer chronischen Niereninsuffizienz zu bremsen. Als besonders bedeutsam hob Professor Dr. Clemens Cohen von der Klinik für Nieren-, Hochdruck- und Rheumaerkrankungen an der München Klinik Harlaching die SGLT2-Inhibitoren hervor. Mit ihnen liess sich in der DAPA-CKD-Studie ein signifikanter Vorteil im zusammengesetzten Endpunkt aus einer 50%igen Reduzierung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR), Niereninsuffizienz im Endstadium (ESKD) sowie renalem und kardiovaskulärem Tod bei Patienten mit und ohne Diabetes erzielen. «Diese Substanzen werden einen grossen Effekt auf die Nephrologie haben», so der Referent.

Harnsäure nicht für die Niere senken

Gutes verspricht auch der nichtsteroidale, selektive Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist Finerenon. In einer Phase-II-Studie mit nierenkranken Typ-2-Diabetikern senkte er die Albuminurie. Ausserdem gab es unter dem Präparat weniger Hyperkaliämien als unter Spironolacton. Gegenüber Placebo reduzierte Finerenon den Endpunkt aus eGFR-Abfall um 40 %, ESKD und renalem Tod um 20 %. Abgesehen von einem Anstieg des Kaliumspiegels lagen alle anderen Nebenwirkungen auf Placebo-Niveau. Bis zur Zulassung der Substanz wird aber nach Aussage von Prof. Cohen noch einige Zeit vergehen.

Häufig wird die Harnsäure in der Behandlung mitadressiert. Hohe Spiegel sind mit dem metabolischen Syndrom, Nierenversagen, Hypertonie und kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert. Ein Abfall der Werte scheint sich aber auf den Verlauf der renalen Insuffizienz nicht auszuwirken, wie aktuelle Studien mit Allopurinol zeigten. «Senken Sie die Harnsäure nicht für die Niere, sondern nur wegen einer Gicht», riet Prof. Cohen.

Obst und Gemüse helfen ebenfalls

Sinnvoll dagegen: der Ausgleich einer metabolischen Azidose, die die Prognose verschlechtert. Bis zu 37 % aller Patienten mit einer fortgeschrittenen chronischen Niereninsuffizienz leiden darunter, oft wird aber nicht danach gesucht und nur 10–20 % der Betroffenen erhalten eine Bikarbonat-Substitution. «Dran denken, messen und behandeln», lautete der Tipp des Nephrologen. Das HCO3 soll auf einen Wert > 22 mmol/l kommen. Eine Alternative zum einfachen Bikarbonat könnte das noch nicht zugelassene Veverimer bieten, das als intestinaler Protonenfänger agiert, die Säure also entfernt und nicht nur neutralisiert.

Schliesslich lässt sich auch mit Lebensstilmassnahmen etwas erreichen. Eine mediterrane Diät beispielsweise mit viel Obst und Gemüse sorgt dafür, dass der Körper weniger sauer wird. Mehr trinken hilft bei Nierensteinen oder -zysten. Für die Insuffizienz gibt es diesbezüglich keine guten Daten. Prof. Cohen riet daher zu einer «normalen» Trinkmenge von ca. 1,5–2 Litern.

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