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Warum intravenös, wenn es auch oral geht?

Frühzeitige Pseudomonas-Eradikation bei zystischer Fibrose

X-ray image of the chest showing cystic fibrosis

Die meisten Patienten mit zystischer Fibrose sterben durch eine respiratorische Insuffizienz, zu der auch die chronische Infektion mit P. aeruginosa beiträgt.

Atemwegsinfektionen früh zu behandeln, ist bei der zystischen Fibrose essenziell. Gegen Pseudomonas aeruginosa kann man dabei auch auf orale Optionen setzen.

Chronische pulmonale Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa gehören zu den häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität von Patienten mit zystischer Fibrose. Ziel muss deshalb sein, die akute Infektion zu erkennen und sofort antibiotisch zu behandeln, um eine Eradikation der Keime zu erreichen. Nur so lässt sich verhindern, dass die Bakterien in den Atemwegen einen Biofilm ausbilden, in dem sie nur schwer erreichbar sind. Mit welchen Therapieregimes dies am besten gelingt – inhalativ oder in Kombination mit einem oralen bzw. intravenösen Antibiotikum – wird international durchaus unterschiedlich beurteilt.

Dr. Simon C. Langton Hewer, Bristol Royal Hospital for Children, University of Bristol, und Kollegen haben nun in der offenen, randomisierten und kontrollierten Studie TORPEDO-CF zwei Behandlungsstrategien miteinander verglichen: über 14 Tage intravenös Ceftazidim plus Tobramycin vs. zwölf Wochen lang oral Ciprofloxacin. Zusätzlich zu diesen Antibiotika bekamen alle teilnehmenden CF-Patienten über zwölf Wochen inhalatives Colistimethat. Die Studienteilnehmer waren zwischen 28 Tage und 64 Jahre alt. Bei allen hatte man ein erstes bzw. – nach mindestens einem Jahr ohne Infektion – ein neues Isolat von P. aeruginosa nachgewiesen. Primärer Endpunkt war die Eradikation von P. aeruginosa innerhalb von drei Monaten sowie Infektionsfreiheit bis zu 15 Monaten.

Keine statistisch signifikante Differenz

Dieses Ziel erreichten 44 % der intravenös antibiotisch behandelten Patienten und 52 % der oral therapierten. Das intravenöse Regime schnitt also etwas schlechter ab, allerdings war der Unterschied nicht statistisch signifikant. Schwere unerwünschte Ereignisse wurden in beiden Gruppen bei 8 % der Patienten registriert.

Nach dieser Studie gibt es kein Argument dafür, bei Patienten mit zystischer Fibrose die intravenöse antibiotische Therapie von Infektionen mit P. aeruginosa zu bevorzugen, schreibt die TORPEDO-CR-Studiengruppe um Dr. Langton Hewer. Es gebe aber gewichtige Argumente dagegen: Für die intravenöse Therapie müssen die Patienten ins Spital, für die orale nicht. Die intravenöse Therapie sei zudem deutlich teurer. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die oral behandelten Patienten im Follow-up der Studie etwas häufiger hospitalisiert werden mussten.

Langton Hewer SC et al. Lancet Respir Med 2020; 8: 975–986.

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