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Wenn sich Demodex-Milben zu sehr vermehren

Die Haut voller mikroskopisch kleiner Parasiten – das ist zwar eher die Regel als die Ausnahme, aber nicht immer harmlos. Machen sich Haarbalgmilben zu sehr breit, droht eine Rosazea. Akarizide können für Abhilfe sorgen.

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Gefrässige Milben ohne Darmausgang: Demodex-Kot bleibt ein Leben lang im Hinterleib.

Die wurmähnlichen Demodex-Milben halten sich üblicherweise in den Haarfollikeln und Talgdrüsen auf und ernähren sich dort von Sebum oder Hautzellen. Die winzigen Spinnentiere (0,1–0,4 mm) leben im Gegensatz zu den Hausstaubmilben als obligate Kommensalen, schreiben Robert W. Foley vom University College Dublin und Kollegen. Die Übertragung erfolgt überwiegend im Säuglingsalter von der Mutter auf das Kind. Sie ist aber durch Hautkontakt vermutlich auch noch im späteren Leben möglich, da die Prävalenz der Besiedelung mit zunehmendem Alter ansteigt. Eine Transmission von Hundemilben (s. Kasten) auf den Menschen wurde bisher nicht belegt.

Ausser Zweifel steht inzwischen die Assoziation zwischen humanem Demodex-Befall und Rosazea – auch wenn die genaue Pathogenese noch nicht geklärt ist und nicht alle Betroffenen eine erhöhte Milbendichte aufweisen. Patienten mit Rosazea tragen im Vergleich zu Hautgesunden ein neunmal höheres Risiko für einen ausgeprägten Befall mit den winzigen Parasiten und weisen eine achtmal höhere Milbendichte auf. Bei der okulären Rosazea scheinen die Spinnentiere ebenfalls eine Rolle zu spielen: Sie finden sich vermehrt in Wimpernproben von Personen mit Blepharitis.

Zur systemischen Therapie der Rosazea wird neben Tetrazyklinen und anderen Antibiotika auch Isotretinoin eingesetzt. Das Retinoid verringert die Talgdrüsensekretion im Gesicht, was sich deletär auf die Milbenpopulation auswirkt. Als weitere Option kommt das bereits in der Skabies-Therapie bewährte Ivermectin infrage. Das Akarizid lähmt die Parasiten über eine neuronale Inhibition: Sie verhungern, weil sie nicht mehr fressen können.

Immunsystem hält Anzahl normalerweise in Schach

In Studien zur Lokaltherapie mit Ivermectin 1 % konnte neben einer ausgeprägten Reduktion der Demodex-Besiedlung eine deutliche Besserung der Rosazea-typischen Effloreszenzen gezeigt werden. Auch ein 5%iges Permethrin-Gel erwies sich in einer Doppelblindstudie zur papulopustulösen Rosazea als hochgradig wirksam. Innerhalb von zwölf Wochen reduzierte es die Milbendichte um 97 %.

In der Pathogenese der Rosazea spielt höchstwahrscheinlich eine Dysfunktion des angeborenen Immunsystems eine Schlüsselrolle. Die körpereigene Abwehr toleriert die Milben, solange ihre Zahl nicht überhandnimmt. Werden es zu viele, kommt es zu einer entzündlichen Reaktion. Auch eine Immunsuppression, z.B. nach Transplantation, kann zu einer exzessiven Demodex-Vermehrung führen. Mitunter muss sogar eine Krebstherapie wegen der Milben modifiziert werden. Unter der Behandlung mit EGFR*-Inhibitoren kann es zu einer verstärkten Parasitenvermehrung mit ausgeprägten Hautveränderungen kommen.

Leichtere Variante äussert sich mit schuppiger Haut

Die benigne Pityriasis folliculorum ist ebenfalls mit einer Demodikose assoziiert, allerdings fehlt im Gegensatz zur Rosazea die entzündliche Komponente. Die Betroffenen leiden üblicherweise an einer trockenen, juckenden und hypersensitiven Gesichtshaut. Ausserdem fallen follikuläre Schuppen auf, die sich bei genauerer Inspektion als Demodex-Sammelstellen erweisen.

Hund in Lebensgefahr

Auch im Fell von Hunden fühlen sich Demodex-Milben wohl. Im Gegensatz zum Menschen leiden die Tiere häufig an Juckreiz und Haarausfall. Die lokalisierte Demodikose befällt vor allem Gesicht und Vorderbeine, manchmal auch nur den Gehörgang (Otitis externa). Potenziell lebensgefährlich für das Haustier ist die generalisierte Demodikose. Auch sie beginnt mit schuppenden Flecken und Plaques, kann dann aber unter dem Einfluss einer bakteriellen Superinfektion zu einer tiefen Pyodermie führen. In bis zu 50 % der Fälle heilt auch die generalisierte Demodikose ohne Therapie aus. Alle anderen können mit akariziden Wirkstoffen wie Ivermectin und Fluralaner behandelt werden. Hunde, bei denen die Therapie keinen Erfolg zeigt, müssen eventuell sogar eingeschläfert werden.

* Epidermal Groth Factor Receptor

Foley R et al. J Eur Acad Dermatol Venereol 2020; 35: 62–72.

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