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Die Nase in die Forschung stecken

Neue Ansätze bei allergischer Rhinitis

Noch nie waren Niesattacken nerviger als in Pandemie-Zeiten mit strenger Maskenpflicht. Zum Glück kümmert sich die Forschung nicht nur um das Coronavirus, sondern auch um neue und bessere Therapien der allergischen Rhinitis.

F/colour SEM of nasal mucosa in allergic rhinitis

In der entzündeten Nasenschleimhaut eines Pollenallergikers wachsen mehr und längere Cilien. Aufnahme per Rasterelektronenmikroskop.

Mit einer Inzidenz von 10–40 % zählt die allergische Rhinitis zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. Abhilfe bei verstopfter oder laufender Nase, Niesen und Juckreiz verschaffen Glukokortikoide, Antihistaminika, abschwellende Nasensprays und andere Pharmaka. Darüber hinaus stehen mit der Hyposensibilisierung und verschiedenen Biologika weitere immunologisch wirksame Therapieoptionen zur Verfügung. Dennoch sehen Dr. Yifan Meng vom Department of Otolaryngology, Head and Neck Surgery am Pekinger TongRen-Hospital und Kollegen in der Behandlung durchaus Luft nach oben – gerade bei der allergenspezifischen Immuntherapie (AIT).

Dauerhafte Toleranz erst nach dreijähriger Therapie

Die AIT ist immer noch die einzige Behandlung, die an der Pathophysiologie der allergischen Rhinitis ansetzt. Zudem verhindert sie, dass aus der Rhinitis letztlich ein Asthma wird, und sie reduziert den Medikamentengebrauch. Einen wesentlichen Nachteil sehen die Autoren aber in der Länge der Therapie: Zwar zeigt sich nach zwei Jahren konsequenter Applikation ein Erfolg, das reicht aber nicht aus, um eine langfristige Toleranz zu erzielen. Dafür benötigt man etwa drei Jahre subkutaner oder sublingualer Behandlung (SCIT bzw. SLIT).

Mittels intralymphatischer Immuntherapie dagegen kann man die Sache innerhalb von zwei Monaten abschliessen, schreiben die Kollegen aus Peking. Ebenfalls schneller und erfolgreicher geht es vielleicht mit geeigneteren Allergenen und/oder einem gezielten Monitoring über Biomarker, das Auskunft darüber gibt, ob die Desensibilisierung anschlägt.

Solche Marker gibt es allerdings noch nicht. Möglicherweise wären bestimmte CD4+ T-Zellen, Treg-Zellen oder B-Zellen geeignet, die infolge der Therapie hoch- oder runterreguliert werden. Zudem zeigen Studien, dass nach der AIT spezifische IgG-Antikörper im Nasensekret ansteigen und bei Hausstauballergikern die Expressionslevel von IL-10 als Marker für den Erfolg dienen könnten.

Alternativ zu den sonst üblichen Extrakten und Allergenen haben sich Weidelgras(Lolium-perenne)-Peptide und die rekombinante Vakzine BM32 gegen Gräserpollen als wirksam bei allergischer Rhinitis erwiesen. Zudem scheinen die Weidelgras-Peptide aufgrund der hohen Kreuzreaktivität zwischen Gräsern auch bei anderen durch IgE vermittelten Graspollenallergien zu helfen. Allerdings ist ihr Nutzen-Risiko-Verhältnis noch nicht ganz klar. Bisher deutet aber alles darauf hin, dass eine kurzzeitige SCIT mit ihnen seltener zu systemischen sowie Spätphasenreaktionen der Haut führt als mit gängigen Allergenextrakten und zudem die Adhärenz verbessert.

Die beste Therapie bringt nämlich nichts, wenn der Patient sie nicht konsequent einhält – ein Problem, das nach Ansicht der Autoren oft auch am Arzt liegt. Einige Kollegen erklären den Betroffenen nur, was sie tun sollten, aber nicht, warum, kritisieren sie. Zudem müssen die Allergiker wissen, wie die verordneten Präparate wirken, damit sie sie tatsächlich regelmässig nehmen. Mangelndes Verständnis trägt zur schlechten Adhärenz bei.

Die SLIT ist verträglicher als die SCIT

Studien zeigen, dass viele ihre Medikation eher beibehalten, wenn sie unter starken Symptomen leiden. Gehen die Beschwerden zurück, beginnt die Schluderei. Die Experten empfehlen daher, die Patienten über verschiedene Wege, z.B. mit visuellen Analogskalen und vor allem mittels mobiler Technologie, in der Therapietreue zu unterstützen.

Die SLIT ist einfacher zu handhaben als die SCIT. Sie geht mit weniger Nebenwirkungen einher und birgt ein geringeres Risiko für Anaphylaxien, schreiben Dr. Meng und Kollegen. Ausserdem zeigte sich, dass die Patienten mit ihr eher über die gesamte Therapiezeit bei der Stange bleiben.

Mitunter muss aber gar nicht der Allergiker selbst behandelt werden. Reagiert er auf Katzenhaare, könnte man seinem Stubentiger ein Immunglobulin gegen das Hauptallergen Feld 1 unters Futter mischen. Beim Patienten reduzieren sich dadurch sowohl Rhinitis als auch Asthma.

Meng Y et al. Allergy 2020; doi: 10.1111/all.14586

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