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Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis

Krank von der Zecke

In der Schweiz trägt etwa jede dritte Zecke Borrelien und jede zehnte bis hundertste das FSME-Virus. Während eine Lyme-Borreliose antibiotisch behandelt werden kann, steht für eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) keine Behandlung, aber eine Schutzimpfung zur Verfügung. Professor Dr. Martin Krause, Chefarzt Innere Medizin am Kantonsspital Münsterlingen, gab am Forum für medizinische Fortbildung einen Überblick über die beiden Erkrankungen.

Das FSME-Virus ist im Speichel von infizierten Zecken enthalten und wird sofort mit dem Zeckenstich übertragen. «Anders als bei den Borrelien schützt das rasche Entfernen einer Zecke also nicht vor einer Infektion», betonte Prof. Krause. Die Infektion verläuft meistens biphasisch: Die Patienten entwickeln einige Tage nach dem Zeckenstich zunächst eine Sommergrippe, genesen und erkranken in einer zweiten Phase an einer Meningitis, Enzephalitis oder einer Meningoenzephalitis. «Besonders häufig sind diese schweren Verläufe bei älteren Menschen», so der Referent.
Für die FSME steht nur eine Impfung zur Verfügung. Sie wird vom BAG grundsätzlich empfohlen, aber in den Kantonen Genf und Tessin von den Krankenkassen aktuell nicht bezahlt, weil hier die Zecken noch nicht Träger des FSME-Virus sind.

Für einen guten Schutz muss je nach Präparat innerhalb von sechs oder zehn Monaten dreimal geimpft werden. Die erste Nachimpfung wird vom BAG nach zehn Jahren empfohlen – anders als die Hersteller, die sich für eine Auffrischimpfung bereits nach drei bis fünf Jahren aussprechen. «Es gibt Impfversager», betonte Prof. Krause und verwies auf eine schwedische Studie. Sie ermittelte 53 Impfversager bei 1004 FSME-Fällen in zehn Jahren. Eine schwächere Immunität hatten insbesondere ältere, immunsupprimierte und polymorbide Menschen.

Sommergrippe und Erythema migrans

«Borrelien gibt es überall, wo es auch Zecken gibt: Also in der ganzen Schweiz – mit Ausnahme der Berge», sagte Prof. Krause. Unter die Haut abgesetzt werden sie allerdings nicht wie das FSME-Virus sogleich beim Stich, sondern erst, wenn die Zecke mindestens zwölf Stunden Blut gesogen hat. In der Frühdissemination verteilen sich die Erreger im ganzen Körper. Dies nimmt der Patient manchmal als Sommergrippe wahr. Frühestens drei Tage nach dem Stich entsteht nicht immer, aber häufig ein Erythema migrans. «Es ist typischerweise randbetont; kann aber auch zentrumbetont sein oder sich atypisch als Kokarde, mit Bläschen oder bei Kindern als Lymphozytom am Ohrläppchen präsentieren», erläuterte der Experte. Es ist immer grösser als 5 cm und breitet sich zentrifugal aus.

Die Antikörper-Produktion beginnt gemäss Prof. Krause erst einige Wochen nach dem Zeckenstich. IgG- und IgM-Antikörper sind deshalb im Plasma und im Liquor erst messbar, wenn eine Fazialisparese, eine Neuritis oder eine Meningitis auftreten. Für den Nachweis wird zuerst ein ELISA-Screening-Test und anschliessend, bei einem positiven Ergebnis, ein Westernblot zur Verifizierung durchgeführt.
Die Therapie eines Erythema migrans erfolgt per os 10 Tage lang mit Doxycyclin oder 14 Tage lang mit Amoxicillin. Auf die gleiche Weise, aber über drei Wochen, werden die Fazialisparese und Mononeuritis behandelt. Bei Polyneuropathie ist Ceftriaxon über 28 Tage angezeigt.

Eine Spätmanifestation der Borrelien-Infektion ist die Lyme-Arthritis. «Sie manifestiert sich vor allem an den grossen Gelenken und fast immer am Knie. Betroffen sind maximal fünf Gelenke und nur sehr selten einmal das Kiefergelenk», erläuterte Prof. Krause.

Doxycyclin oder Amoxicillincb für 30 Tage

Alle Patienten mit einer Lyme-Arthritis haben eine positive Borrelien-Serologie. Ist auch die PCR positiv, dann ist die Wahrscheinlichkeit für eine Borrelien-Arthritis sehr hoch. Behandelt wird per os mit Doxycyclin oder Amoxicillin über 30 Tage. Bringt die Therapie keine Besserung, wird nochmals per os mit einem anderen Antibiotikum oder intravenös mit Ceftriaxon über 28 Tage behandelt. Versagt auch der zweite Antibiotika-Zyklus, ist Methotrexat, Hydroxychloroquin oder eine Synovektomie indiziert.
Wie die Lyme-Arthritis behandelt wird auch die Acrodermatitis atrophicans, eine andere, seltene Spätmanifestation, führte der Experte weiter aus. Sie beginnt mit einer Schwellung an Füssen und Händen. Im Verlauf kommt es zu einer Atrophie des Subkutangewebes.

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