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Quarantäne

Katzen als Virenschleudern

Hauskatzen stecken sich binnen kürzester Zeit gegenseitig mit SARS-CoV-2 an. Was bedeutet das für den Umgang mit den beliebten Stubentigern?

Hauskatzen können asymptomatischer Zwischenwirt von SARS-CoV-2 und potenzielle Infektionsquelle für Menschen sein, warnen Wissenschaftler. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit, dass Corona-Kranke ihre Vierbeiner anstecken, grösser als die Gefahr, sich über den Stubentiger zu infizieren.

Dr. Peter J. Halfmann und Kollegen aus Madison, USA, und Tokio, Japan, setzten im Labor drei Hauskatzen dem Coronavirus aus und testeten diese dann alle 24 Stunden per Nasen- und Rektalabstrich. Nach einem Tag konnten sie bei einem Tier den Erreger nasal nachweisen, nach drei Tagen waren alle drei positiv. Bis zum Tag 6 liess sich SARS-CoV-2 im Nasensekret der Katzen detektieren.

Einen Tag nach der initialen Inokulation bekam jede der drei Katzen ein nicht infiziertes Tier in den Käfig gesetzt. Zwei Tage später zeigte der Nasalabstrich einer der Neuzugänge ein positives Virus-Testergebnis. Nach fünf Tagen waren auch die zwei anderen zuvor gesunden Tiere infiziert. Die rektalen Abstriche blieben bei allen Vierbeinern zu jedem Zeitpunkt negativ, berichten die Wissenschaftler. Die Katzen zeigten keinerlei Symptome, wohl aber Antikörper an Tag 24 nach der Inokulation.

Angesichts der Berichte über Virusübertragungen von Mensch zu Hauskatze und Mensch zu Tiger bzw. Löwe und der nun vorgelegten Ergebnisse, muss man sich auch über den Infektionsweg Mensch-Katze-Mensch Gedanken machen. Vor allem in der Quarantäne-Situation sollten sich (potenziell) Infizierte nicht nur von ihren Angehörigen, sondern auch von ihren Katzen fernhalten. Ausserdem sollte man den Tieren möglichst keinen Freigang erlauben, damit sie sich nicht bei anderen Streunern anstecken und das Virus ins Haus holen können, raten die Wissenschaftler. Sie räumen allerdings ein, dass bisher keine einzige Erkrankung durch Ansteckung bei einer Katze dokumentiert werden konnte. TiF

1. Halfmann PJ et al. N Engl J Med 2020; doi: 10.1056/NEJMc2013400
2. Pressemitteilung der University of Wisconsin-Madison

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