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Intramuskuläre Injektionen könnten die HIV-Therapie vereinfachen

Monatsspritze gegen das Virus

Schwarm des humanen Immundefizienzvirus.

Eine HIV-Infektion lässt sich inzwischen meist gut in Schach halten. Doch der Zwang, regelmäs­sig Tabletten schlucken zu müssen, beeinträchtigt mitunter die Therapietreue. Hersteller arbeiten an länger wirksamen Medikamenten, die seltener verabreicht werden müssen. Nun gibt es erste Erfolge

In einer Phase-III-Studie wurden 629 nicht vorbehandelte HIV-Patienten zunächst mit einer Standard-Dreifach-Induktion behandelt. Die Teilnehmer, die damit eine Virussuppression erreichten (HIV-RNA-Konzentration < 50 Kopien/ml), erhielten anschliessend nach dem Zufallsprinzip entweder weiterhin diese Kombi oder wechselten auf Cabotegravir plus Rilpivirin, das die Forscher nach vierwöchiger oraler Einnahme auf die einmal monatliche i.m.-Gabe umstellten.
Nach 48 Wochen war der Anteil derjenigen, bei denen die Viruslast über 50/ml gestiegen war, in beiden Therapiegruppen ähnlich (2,1 % vs. 2,5 % unter Injektionen bzw. Tabletten). Und umgekehrt bestand bei ähnlich vielen Patienten eine anhaltende HIV-Unterdrückung (93,6 % bzw. 93,3 %), berichten Professor Dr. Chloe­ Orkin, Queen Mary University London, und Kollegen.1

Zwar führten die Spritzen häufiger zu Nebenwirkungen, vor allem injektionsbedingten. Meist waren sie aber allenfalls moderat und verschwanden über die Zeit. Nur vier Teilnehmer beendeten deshalb die Studie vorzeitig. Schwere unerwünschte Wirkungen traten bei 11 % auf, hepatische Komplikationen, die zum Therapieabbruch zwangen, bei 2 %. In der Kontrollgruppe lagen diese Zahlen bei 4 % und 1 %. Fragte man die Kranken selbst, so waren sie in Woche 48 mit der lang wirksamen Behandlung sehr zufrieden, gut neun von zehn Behandelten bevorzugten diese Art der Medikation.

Ähnliche Ergebnisse erhielt das Team um Professor Dr. Susan Swindells­ vom University of Nebraska Medical Center in Omaha.2 Im Unterschied zu den Briten hatten die US-Mediziner 616 bereits vorbehandelte HIV-Infizierte aufgenommen, bei denen unter einer üblichen Dreier-Kombi seit mindestens sechs Monaten eine Virussuppression bestand. Das sonstige Prozedere unterschied sich nicht wesentlich. Auch hier kam es über 48 Wochen bei ähnlichen Anteilen der Patienten zu einem Anstieg der HIV-Konzentration auf
> 50/ml (1,6 % in der Injektionsgruppe vs. 1,0 % in der oralen Gruppe mit der Dreier-Kombi) bzw. zu einer anhaltenden HIV-Unterdrückung (92,5 % vs. 95,5 %). Das Nebenwirkungsspektrum war ähnlich wie in der Londoner Studie.

Betroffene müssen sechsmal häufiger zum Arzt

Wird diese lang wirksame Kombination zugelassen, könnte das die Therapie für viele Infizierte vereinfachen, kommentiert Professor Dr. Judith­ S. ­Currier vom UCLA Medical Center in Los Angeles.3 Auf der anderen Seite steht die Notwendigkeit, einmal im Monat zum Arzt zu müssen – eine Belastung für die HIV-Zentren im Vergleich zum jetzigen Vorgehen, das Kontrollen nur etwa alle sechs Monate vorsieht.
Derzeit laufen Untersuchungen an noch länger wirksamen Formulierungen, mit Injektionen nur alle acht Wochen. Bei aller Begeisterung dürfe man nicht vergessen, dass in den Studien unter den Patienten, bei denen die Therapie nicht angesprochen hatte, hohe Resistenzraten nachgewiesen wurden. Falls dieses Therapieregime tatsächlich eingeführt wird, müsse man dies im Auge behalten, fügt die Ärztin hinzu.

 

Referenzen:
1. Orkin C et al. N Engl J Med 2020; doi: 10.1056/NEJMoa1909512
2. Swindells S et al. A.a.O.; doi: 10.1056/NEJMoa1904398
3. Currier JS. A.a.O.; doi: 10.1056/ NEJMe2002199

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