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Eine OP reicht!

Nachresektionen am Exzisionsrand oder ausgedehnte Lymphknotenentfernung bei Metastasen im Wächter: So kennt man es bei Melanomen. Aktuelle Studiendaten zeigen, dass manches wohl verzichtbar ist.

Was die Primärversorgung von In-situ-Melanomen angeht, hat sich die Erkenntnis schon durchgesetzt: Die einmalige komplette Exzision mit histologischer Kontrolle genügt. Dieser Paradigmenwechsel hielt bereits Einzug in die aktuellen Leitlinien, berichtete Professor Dr. Axel Hauschild, Universitäts-Hautklinik Kiel. Als Goldstandard der OP gilt die mikrographisch kontrollierte Chirurgie, die zudem eine sehr geringe Lokalrezidivrate gewährleistet. Eine deutsche und eine amerikanische Studie zur Frage der kompletten Lymphadenektomie bei nachgewiesenen Mikrometastasen im Wächterlymphknoten (sentinel node, SN) zeigten schon vor einiger Zeit keinen Unterschied im rezidivfreien und Gesamtüberleben mit und ohne OP. Das führte dazu, dass die deutschen Leitlinien den Eingriff seit 2016 bei Absiedlungen < 1 mm nicht mehr generell empfehlen.

Jetzt gibt es finale Ergebnisse der deutschen Untersuchung. Bei 1269 von insgesamt 5549 Patienten fand sich ein positiver SN. Die Tumoren hatten eine mediane Dicke von 2,4 mm, 75 Prozent der Patienten wiesen einen SN mit Metastasen auf, 25 Prozent zwei oder mehr. Bei einem Drittel der Teilnehmer waren diese Herde über 1,00 mm gross. Nach Randomisierung wurden die Betroffenen entweder beobachtet oder erhielten die vollständige Ausräumung. Die mittlere Nachbeobachtungszeit lag bei 74 bzw. 66 Monaten. Regionale oder Fernmetastasen entwickelten 34,3 Prozent aus der abwartenden und 35,8 Prozent aus der operierten Gruppe, die krankheitsspezifischen Todesraten betrugen 24,5 bzw. 24,6 Prozent. Auch in Sachen rezidivfreies und fernmetastasenfreies Überleben nach fünf und zehn Jahren fanden sich keine Unterschiede.

Laut Prof. Hauschild sollte diese Studie auch die letzten Zweifler vom Unsinn einer kompletten Lymphadenektomie bei positivem SN mit Mikrometastasen überzeugen. «Es ist einfach ein operativer Akt, der nicht viel bringt», so sein Kommentar. Das gilt natürlich nicht für Makrometastasen, also z.B. klinisch palpable oder im Sono sichtbare. Hier bleibt die totale Lymphknotenentfernung der Goldstandard.

Quelle: 12. Dermatologie-Update-Seminar

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