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Dr. Angela Speth

Welches Kraut gegen Rheumatoide Arthritis gewachsen ist

Manche Analgetika der klassischen evidenzbasierten Medizin dämpfen Rheuma-, Rücken- oder Nackenschmerzen nur unzureichend oder verursachen evtl. Komplikationen. So suchen zahlreiche Patienten ihr Heil anderswo – z. B. im Samenöl des Borretsch (Borago officinalis).
Das g-Linolensäure-haltige Öl lindert signifikant die klinischen Parameter der Rheumatoiden Ar­thritis (RA) einschliesslich Schmerz, schreiben Professor Dr. Lucy Chen von der Harvard Medical School in Boston und Professor Dr. Andreas Michalsen vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité, Berlin. Allerdings stammen die Erkenntnisse dazu nur von zwei kleinen Studien und haben daher keine starke Evidenz.

Unerwünschte Effekte auch auf die Fertilität

Zu den Effekten der ebenfalls an g-Linolensäure reichen Öle aus Samen des Echten Schwarzkümmels (Nigella sativa) und der Gemeinen Nachtkerze (Oenothera biennis) bei RA gibt es teils unterschiedliche Resultate. Ein systematisches Review hat bei Gabe von täglich mindestens 1,4 g g-Linolensäure vs. Placebo eine signifikante Schmerzlinderung bescheinigt.
Die Hundsrose (Rosa canina) wiederum enthält viel Vitamin C und antiinflammatorische Galactolipide, denen analgetische Eigenschaften zugesprochen werden. In einer Studie vs. Placebo besserten 5 g standardisierter Hundsrosen-Extrakt bei Patienten mit RA zwar die Krankheitsaktivität und die Lebensqualität, nicht aber den Schmerz, berichten die Experten.
Boswelliasäure aus dem Harz von Weihrauchbäumen, das traditio­nell in Arabien und Indien bei RA und Entzündungen eingesetzt wird, zeigte im Vergleich zu Placebo keine besseren Effekte. Gleiches gilt für standardisierte Zubereitungen mit 120 bzw. 240 mg Salicin aus der Silberweide (Salix alba), obwohl Präparate aus diesem Baum von alters her als Arznei gegen Entzündung und Schmerz beliebt sind.
Anders verhält es sich bei den in der Traditionellen Chinesischen Medizin z. B. bei RA und weiteren autoimmunen sowie entzündlichen Erkrankungen eingesetzten Extrakten aus der Dreiflügelfrucht (Tripterygium wilfordii Hook, TWH). Sie bewirkten in einer Studie bei RA gemessen an den Kriterien des American College of Rheumatology eine bessere klinische Response und eine stärkere Schmerzreduktion als Sulfasalazin. Aber auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen waren häufiger.
Positive Ergebnisse gab es mit dem Phytopharmakon auch vs. Methotrexat. Einer Metaanalyse zufolge ist TWH bei RA womöglich ähnlich wirksam wie synthetische disease-modifying anti-rheumatic drugs (DMARDs). Der Wermutstropfen: Es kann erheblich toxisch sein, etwa sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Fertilität beeinträchtigen.
Auch Extrakt aus der Gelbwurz erwies sich gemäss einer Metaanalyse bei Arthritis als schmerzlindernd. Die Gabe von 2 × 500 mg/d des Inhaltsstoffes Curcumin bewirkte in einer kleinen Pilotstudie bei RA sogar eine ähnliche Analgesie wie täglich 2 × 50 mg Diclofenac.
Die Experten befassten sich auch mit Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl, die bei RA gern als Additiv genutzt werden. Nach einer Metaanalyse von 17 Studien reduzieren sie zumindest leicht Schmerzen, Morgensteifigkeit und Gelenkschwellungen. Der NSAR-Bedarf wurde durch Fischöl sogar signifikant gesenkt. Für eine pflanzliche Quelle von Omega-3-Fettsäuren jedoch, nämlich Öl aus Leinsamen (Linum usitatissimum), liessen sich solche Pluspunkte nicht bestätigen.

Chen L, Michalsen A. BMJ 2017; online first.

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