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Tobias Stolzenberg; Foto: thinkstock

Hypersensitiv gegenüber ASS? Ab zur Desaktivierungstherapie!

Dies bestätigte unlängst eine aktuelle Studie mit 194 Patienten: Alle litten bei bestehender ASS-Hypersensitivität an chronischer Sinusitis (mit Polyposis) und Asthma bronchiale oder waren wegen Rezidivpolyposis operiert worden. Nach stationär durchgeführter systemischer ASS-Provokation erfolgte die Überleitung in die adaptive Desaktivierungstherapie. Bereits sechs Monate nach Therapiebeginn zeigten knapp Dreiviertel der Teilnehmer (72,9 %) eine Besserung der Symptomatik.

Nach einem Jahr unter täglicher ASS-Gabe stieg dieser Anteil leicht auf 77,1 % an – davon erlebten 61,4 % deutliche Verbesserung oder Beschwerdefreiheit. Einige Probanden (4,3 %) gaben zu diesem Zeitpunkt allerdings eine Verschlechterung der Symptomatik an. Keiner der gebesserten Patienten benötigte zwölf Monate nach Therapiestart systemische Steroide, topische nutzte etwa die Hälfte der Betroffenen. Ähnliche Zahlen fanden sich nach 24 Monaten: Bei 78,4 % hatte sich die Symptomatik gebessert, bei 5,9 % ließ sich dann eine Verschlechterung beobachten.

Besserung bei drei von vier Patienten

Bei allem Erfolg ist es aber um die Therapieadhärenz schlecht bestellt: Nach zwölf Monaten erreichten die HNO-Spezialisten noch 69,2 % ihrer Patienten, nach zwei Jahren erschien dann gerade mal die Hälfte der Probanden zur vereinbarten Nachuntersuchung. Gründe für den Abbruch waren im Regelfall fehlende Compliance (29,7 %) oder mangelnde Wirksamkeit der Therapie (23,6 %).

Das abschließende Statement der Studienautoren fällt aber eindeutig aus: Da von der adaptiven Desaktivierungstherapie nachgewiesenermaßen viele Betroffene profitieren, lohnt es, bei entsprechender Symptomatik und günstigen Vor­aussetzungen einen Versuch damit zu starten. Mit ausführlichen Aufklärungs- und Entlassungsgesprächen sollte es auch gelingen, die Compliance deutlich zu steigern. Vielen Patienten könnten dadurch Rezidivoperationen oder hohe Gaben an systemischen Steroiden erspart bleiben, so die Studienautoren.

Quelle: Guido Mühlmeier et al., HNO 2015; 63: 707-714

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