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Dr. Dorothea Ranft; Foto: thinkstock

Akupunktur statt Antihistaminikum?

Ausdrücklich empfohlen werden in der aktuellen Guideline nur die „Klassiker“: intranasale topische Steroide und orale Antihistaminika, sowie die Immuntherapie. Aber auch in der Akupunktur sehen die HNO-Kollegen durchaus eine Option für Patienten, die ihre allergische Rhinitis nicht medikamentös behandeln wollen (Evidenzgrad B).

Die Grundlage dieser Einschätzung bildet unter anderem ein systematisches Review, das der Akupunktur einen symptomlindernden Effekt bei perennialer allergischer Rhinitis bescheinigt – ohne signifikante Überlegenheit gegenüber der konventionellen Therapie beispielsweise mit Cetirizin. In der Folgezeit publizierte randomisierte Untersuchungen zur Wirksamkeit der Akupunktur ermittelten darüber hinaus eine gewisse Symptomkontrolle bei saisonalen Beschwerden.

Akupunktur ist mögliche Alternative zu Antihistaminika

Ebenso ließ sich eine Verbesserung der Lebensqualität in der behandelten Gruppe zeigen – bei gleichzeitig reduzierter Bedarfsmedikation. Hinweise auf ein Schadenspotenzial liegen bisher nicht vor, schreiben die Leitlinienautoren der AAO-HNSF*, Infektionen an der Einstichstelle beispielsweise treten nur als Rarität auf.

Allerdings muss man mit einem hohen Placeboeffekt von teilweise mehr als 50 % rechnen, geben die Kollegen zu bedenken. Zudem wirkt bereits die Scheinakupunktur möglicherweise therapeutisch. Auch den Wirkmechanismus der echten Nadel-Therapie haben Wissenschaftler noch nicht genau geklärt. Studiendaten sprechen für eine Hemmung der Zytokinsynthese, zum Beispiel von Interleukin 10 – die klinische Relevanz dieser Befunde bezeichnen die Leitlinienautoren allerdings als fraglich.

Wirkt bei Akupunktur der Placebo-Effekt?

Darüber hinaus weisen die bisher durchgeführten Akupunktur-Studien methodische Schwächen auf, räumen die Autoren ein. Alles in allem bleiben sie jedoch bei ihrer Einschätzung, dass man die Akupunktur interessierten Patienten durchaus anbieten kann.

Wesentlich vorsichtiger äußern sich die HNO-Kollegen zur Phytotherapie bei allergischer Rhinitis – wobei sie sich in erster Linie auf Präparate der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) beziehen. Zwar bescheinigen einige Untersuchungen der TCM einen günstigen Einfluss auf die Symptomkontrolle. Die verwendeten Kräutersude sollen unter anderem die Mastzellen beeinflussen, die Histamin- Freisetzung hemmen und die IgE-Spiegel modulieren.

Sicherheits-Standard fehlt bei TCM-Präparaten!

Allerdings sind gute Studien Mangelware, stattdessen findet sich eine Vielzahl kleinerer Arbeiten mit häufig unzureichender Qualität – eventuell ausschließlich in chinesischer Sprache publiziert. Bedenken äußern die Leitlinienautoren zudem hinsichtlich der Sicherheit, weil TCM-Präparate nicht wie schulmedizinische Arzneimittel kontrolliert werden.

Immerhin wurden in den USA in den vergangenen 40 Jahren keine Todesfälle im Zusammenhang mit solchen Präparaten registriert, räumen die Kollegen ein. Angesichts der beschränkten Datenlage können sie sich aber nicht zu einer Empfehlung chinesischer Kräuter bei allergischer Rhinitis durchringen.

Positive Effekte hinsichtlich Symptomkontrolle und Lebensqualität bei allergischer Rhinitis wurden in einer kleineren Studie auch für eine „westliche“ Heilpflanze, die Pestwurz (Petasites), gezeigt. Wegen des Gehalts an lebertoxischen Pyrrolizidinalkaloiden sollten Pflanzenteile nicht als Tee zubereitet werden. In der Schweiz ist bereits ein pyrrolizidinalkaloidfreier Spezialextrakt (Ze339) unter dem Namen Thesalin® N zur Heuschnupfenbehandlung zugelassen.

*American Academy of Otolaryngology – Head and Neck Surgery

Quelle: Michael D. Seidman et al., Otolaryngology – Head and Neck Surgery 2015; 44: S1-S43

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