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Dr. Dorothea Ranft; Foto: fotolia, robert Przybisz

Bei akuter Pharyngitis Antibiotika mit dem Streptokokken-Schnelltest sparen

Ein 16-jähriger Junge klagt sei drei Tagen über Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, Husten hat er nicht. Bei der körperlichen Untersuchung fallen vergrößerte ante­riore Halslymphknoten und gerötete Gaumenbögen auf. Die normal großen Tonsillen tragen weder Beläge noch „Stippchen“, Fieber fehlt.

Ein Fall für den Streptokokken-Schnelltest – zuvor allerdings gilt es, die klinische Wahrscheinlichkeit einer solchen Erkrankung zu erfassen, beispielsweise mit dem McIsaac-Score, der auch modifizierter Centor-Score bezeichnet wird. Der junge Patient kommt auf zwei Punkte (kein Husten, schmerzhafte Halslymphknoten), was einer Vortestwahrscheinlichkeit von 17 % entspricht.

McIsaac-Score zur Risikoeinschätzung

Schnelltests auf Gruppe-A-Streptokokken zeigen eine Spezifität von 96 % und eine Sensitivität von 86 %. Anhand dieser Parameter lässt sich mit einer Formel der negative prädiktive Wert (NPV) errechnen. Bei dem Beispielpatienten kann bei einem negativen Testresultat eine Streptokokken-Infektion mit 97%iger Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, schreiben Privatdozent Dr. Lorenz Risch, Laborarzt im schweizerischen Liebefeld, und sein Kollege.

Hätte derselbe Patient drei Score-Punkte erzielt, läge der NPV bei 93 %, bei vier oder fünf Punkten betrüge er nur noch 87 % – zu wenig für einen sicheren Streptokokken-Ausschluss. In solchen Zweifelsfällen hilft eventuell die erheblich sensitivere, aber auch langsamere Bakterienkultur weiter. Ganz anders wäre die Situation, wenn der Beispielpatient bei gleicher Anamnese ein positives Testergebnis hätte.

Streptokokken-Test hat hohe Spezifität

Dann wäre der positive Vorhersagewert (PPV) auf 81 % gestiegen, mit einer Vortestwahrscheinlichkeit von ca. 35 % (3 Score-Punkte) hätte er sogar 92 % erreicht. Die Kombination von positivem Test, mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit (2–3 Score-Punkte) und entsprechenden klinischen Symptomen rechtfertigt somit den Beginn einer Antibiotika-Therapie.

Umgekehrt sollte man Patienten mit sehr niedriger Vortestwahrscheinlichkeit (McIsaac -1 oder 0) gar nicht erst auf Streptokokken tes­ten. Denn weder ein negatives (NPV 99,8 %) noch ein positives Resultat (PPV 18 %) liefert in dieser Situation einen diagnostischen Gewinn („don’t treat, don’t test“).

Quelle: Lorenz Risch et al., Therapeutische Umschau 2015; 72: 105-112; doi: 10.1024/0040-5930/a000651.

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