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Dr. Anja Braunwarth, Foto: thinkstock

Mediastinalemphysem trifft schlanke junge Männer

Mit prästernalen Brustschmerzen und Dyspnoe seit drei Stunden stellte sich ein 16-Jähriger in einer Notfallpraxis vor. Am Vortag, so berichtete der junge Patient, hatte er an einem sportlichen Wettkampf mit 3-Kilometer-Lauf und Speerwerfen teilgenommen.

Die Lungen waren auskultatorisch seitengleich belüftet, jedoch fanden sich im gesamten Thoraxbereich Hautemphyseme. Parasternal ließ sich ein knisterndes systolisch-diastolisches Geräusch hören. Die Thoraxaufnahme zeigte deutliche Emphyseme mediastinal, thorakal und zervikal beidseits, ein Pneumoperikard sowie bilateral einen apikalen Pneumothorax.

Solche spontanen, nicht traumatischen Mediastinalemphyseme kommen besonders häufig bei Neugeborenen (Infektanfälligkeit) und jungen, schlanken Männern vor, schreiben Dr. Daniel Brenken, Internist aus Subingen, und Kollegen. Bei den Jugendlichen besteht häufig eine Assoziation mit Asthma.

Mediastinalemphyseme: Abwarten, bis die Luftwieder resorbiert ist

Pathophysiologisch liegen meist kleine Alveolarrupturen zugrunde. Durch sie tritt Luft ins umliegende Gewebe aus und gelangt entlang der Hilusgefäße ins Mediastinum. Da sie dann ins Subkutangewebe entweicht, baut sich kein wesentlicher Druck auf, ein Spannungsmediastinum ist daher selten.
Als typische Symptome gelten Dyspnoe, Kurzatmigkeit und retrosternale Schmerzen, die evtl. in die Arme oder den Nacken ausstrahlen.

Die Halsweichteile schwellen in einigen Fällen an, auch Schluckbeschwerden können auftreten. Als hochverdächtig gelten Hautemphyseme im Halsbereich und ein typisches Perikardreiben (Hamman-Zeichen). Therapeutisch genügt in der Regel Abwarten und Verbot von Valsalva-Manövern, die vollständige Resorption der Luft erfolgt innerhalb von zwei Wochen. Bei größerem Pneumothorax lässt sie sich durch Sauerstoffgabe beschleunigen.

Wenn signifikante Atemnot, Hypoxämie oder Spannungspneumothorax auftreten, wird eine Drainage erforderlich. Rezidive eines Mediastinalemphysems drohen nur selten. Bei dem jungen Mann gingen die Beschwerden nach einem Tag bereits deutlich zurück, begleitet von radiologischer Rückbildung des Pneumothorax. Ob bei bekannter Pollenallergie nicht doch ein Asthma vorliegt, soll weiter abgeklärt werden. Ansonsten sehen die Kollegen im Speerwurf den möglichen Auslöser.

Quelle: Daniel Brenken et al., Schweiz Med Forum 2014; 14: 160-161

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