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Dr. Barbara Kreutzkamp, Foto: thinkstock

Der funktionellen Dyspepsie auf der Spur

Unter typischen Dyspepsie-Symptomen – Schmerz, Druck- und Völlegefühl – leiden etwa 20 bis 40 % der Bevölkerung. Wie für alle funktionellen gastrointestinalen Erkrankungen gilt auch hier die Definition, dass die passenden Symptome innerhalb der letzten drei Monate aufgetreten sind, der Beschwerdebeginn mindestens sechs Monate zurückliegt und organische Erkrankungen als Ursache für die Symptome ausgeschlossen sind.

Höchste Inzidenz bei jüngeren Frauen

Zu den engeren diagnostischen Kriterien, also in Abgrenzung zu Refluxbeschwerden, zählen unangenehmes postprandiales Völle- oder frühes Sättigungsgefühl sowie epigas­trischer Schmerz/Brennen. Gehäuft findet man auch extraintestinale Symptome bzw. Krankheiten wie Kopf-/Gelenkschmerzen, Angststörungen und Depressionen.

Frauen sind etwas häufiger als Männer betroffen, mit zunehmendem Alter geht die Inzidenz zurück, schreiben Privatdozentin Dr. Jutta Keller und ihr Kollege von der Medizinischen Klinik am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg.

Langfristig mit guter Prognose

Der klinische Befund ist unauffällig, die Krankheit verläuft meist chronisch mit fluktuierender Symptomatik, viele Patienten fühlen sich in ihrer Lebensqualität deutlich beeinträchtigt. Langfristig besteht aber Hoffnung: Innerhalb von zwei Jahren werden etwa 15 % der Betroffenen beschwerdefrei und innerhalb von fünf Jahren verliert über die Hälfte ihre Symptome.

Psychosoziale Faktoren spielen eine wichtige Rolle!

Wie es zu den Symptomen kommt, ist noch nicht abschließend geklärt und wahrscheinlich individuell unterschiedlich. Eine genetische Prädisposition zu Störungen der gastroduodenalen Motilität und Sensitivität scheint eine Rolle zu spielen. Noch wichtiger aber sind psychosoziale Faktoren, die das Krankheitserleben und den Verlauf stark beeinflussen.

Bei etwa der Hälfte der Patienten lassen sich dyspeptische Beschwerden auf eine organische Erkrankung zurückführen. Wichtige Differenzialdiagnosen sind das peptische Ulkus (20–25 %) und die gastroösophageale Refluxerkrankung.

An Nahrungsmittelintoleranz denken!

Auch an eine Nahrungsmittelintoleranz bzw. -allergie, Erkrankungen der Gallenwege und des Pankreas oder Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Eisenpräparate, Antibiotika, orale Kontrazeptiva, Levodopa) sowie an Karzinome von Magen und Ösophagus sollte man denken.

Über Ausmaß und Invasivität der Diagnostik entscheiden z.B. Alter, Dauer und Stärke der Symptome, Komedikation sowie Risikofaktoren und das Vorliegen von Alarmsymptomen.

Hat man einen jungen Patienten mit typischer Symptomatik ohne Risikofaktoren vor sich, darf man ohne weitere Diagnostik zeitlich begrenzt einen Therapieversuch starten.

Alarmsymptome, die gegen funktionelle Störungen sprechen

  • Fieber
  • Anämie
  • Gewichtsverlust
  • Appetitlosigkeit
  • Dysphagie/Odynophagie
  • Zeichen einer gastrointestinalen Blutung
  • höheres Alter (50 ± 5 Jahre)
  • kurze/monotone Anamnese
  • GI-Karzinome in der Familieanamnese

Ansonsten sollte, besonders bei älteren Patienten, endoskopiert werden. Weitere Maßnahmen sind neben der körperlichen Untersuchung ein Routinelabor und ein Abdomensono.

Aufklärung und Beratung als erste Therapieoption

Kausale Therapien für die FD gibt es nicht. Entscheidend für den Krankheitsverlauf ist das verständnisvolle Eingehen auf die Beschwerden durch den Arzt. Auch der Hinweis, dass der Patient nicht schwer oder gar lebensbedrohlich erkrankt ist, hilft oft schon weiter. Im Gespräch sollte nach Lebens- und Ernährungsgewohnheiten (fettreiche Mahlzeiten!) gefragt werden, die die Beschwerden möglicherweise verschlechtern.

Welche Medikamente helfen, lässt sich schwer vorhersagen. Geeignet für einen Therapieversuch bei überwiegend epigastrischen Schmerzen sind Protonenpumpenhemmer und H2-Antagonisten sowie bei Überwiegen eines postprandialen Beschwerdesyndroms Prokinetika wie Domperidon und Metoclopramid.

Phytotherapeutika wie Iberogast®, Pfefferminzöl-Kümmelöl-Kombination und Süßholzwurzelextrakte helfen bei beiden Beschwerdesyndromen. Zur Beurteilung der Wirksamkeit sollte mindestens zwei bis vier Wochen behandelt werden. Ist die Therapie erfolgreich, folgt nach einigen Wochen ein Auslassversuch.

Psychotherapeutische Verfahren sind der alleinigen supportiven Therapie und Medikation überlegen. Vor allem bei therapierefraktären Patienten kommen sie daher infrage, eventuell ergänzt durch gezielte Akupunktur.

Quelle: Jutta Keller et al., Internist 2013; 54: 1337–1347

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