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Behandlungsstrategien gegen Fazialisparese

Mit Steroiden die Fazialisparese vertreiben

Menschliche Illustration mit Fazialisparese

An der idiopathischen Fazialisparese erkranken jährlich 7 bis 40 Patienten pro 100 000 Personen. Neben der Parese des N. fazialis finden sich häufig Schmeckstörungen, retroaurikuläre Schmerzen, Parästhesien im Bereich der Wange und Hörminderungen. Die Ursache ist unbekannt, diskutiert wird die Reaktivierung einer Herpes-simplex-Infektion.

Diagnostisch richtungsweisend sind die klinischen Befunde – darin stimmen die neuen US-Leitlinien und die geltenden deutschen Leitlinien aus dem Jahr 2011 überein. Als Merkmale einer idiopathischen Fazialisparese gelten plötzlicher Beginn (innerhalb von 72 Stunden) und einseitiges Auftreten.

Diagnostisch richtungsweisend sind die klinischen Befunde – darin stimmen die neuen US-Leitlinien und die geltenden deutschen Leitlinien aus dem Jahr 2011 überein. Als Merkmale einer idiopathischen Fazialisparese gelten plötzlicher Beginn (innerhalb von 72 Stunden) und einseitiges Auftreten.  

Differenzialdiagnose Fazialisparese: Nach Grunderkrankung suchen!

Besonders betroffen sind Schwangere, Personen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren, Diabetiker, Immunsupprimierte und Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege. Differenzialdiagnostisch ist zu berücksichtigen, dass eine Fazia­lislähmung durch verschiedenste Erkrankungen verursacht werden kann, z.B. Schlaganfall, Tumor, Sarkoidose und Infektionskrankheiten wie Zoster und Borreliose.

Bei idiopathischer Fazialisparese auf Bildgebung verzichten

Weisen die klinischen Befunde eindeutig auf eine idiopathische Fazialisparese hin, kann auf eine bildgebende Diagnostik verzichtet werden. Das gilt grundsätzlich auch für das Routinelabor. Zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen sind jedoch weitere Massnahmen evtl. sinnvoll.

Die Notwendigkeit einer Lumbalpunktion wird in Deutschland kontrovers diskutiert (in den US-Leitlinien bleibt das diagnostische Verfahren unerwähnt). Hierzulande empfiehlt man diese Massnahme vor allem bei Kindern oder wenn die Klinik für eine primär nicht idiopathische Ursache spricht, um eine Infektion aufzudecken.

Elektroneurographie zur Prognoseabschätzung

Zur Prognoseabschätzung befürworten die deutschen Leitlinienautoren eine elektrophysiologische Untersuchung. Die US-Kollegen lehnen dieses Vorgehen vor allem bei Patienten mit inkompletter Lähmung ab. Lassen sich mittels Elektroneurographie oder -myographie noch Potenziale ableiten oder weisen die Tests im Verlauf auf eine Reinnervierung hin, spricht dies insgesamt für eine gute Prognose.

Therapeutisch besteht Einigkeit unter den Experten: Orale Steroide gelten als evidenzbasierte erste Wahl für erwachsene Patienten. Die Dosierung beträgt 50 mg/d für die Dauer von zehn Tagen mit anschliessender Dosisreduktion. Glukokortikoide beschleunigen die Erholung des Nervs und erhöhen die Genesungsraten, wie in verschiedenen Studien gezeigt wurde.

Erklärbar sind diese Effekte durch einen Rückgang von Entzündung, Ödem und Hirnnervenkompression. Bei Kindern, die ohnehin höhere Spontanheilungsraten aufweisen, gibt es allerdings keine guten Daten. Doch in Analogie zu Erwachsenen – unter der Annahme ähnlicher Krankheitsprozesse – könne Patienten unter 16 Jahren eine Steroidtherapie angeboten werden.

Virusstatika nur zusammen mit Kortison einsetzen

Virustatika dagegen, von denen man sich aufgrund der möglichen Herpes-Genese ebenfalls therapeutische Erfolge versprach, haben in Studien weitgehend versagt. Zumindest als Monotherapie konnten sie die Heilung nicht beschleunigen und werden daher weder in Deutschland noch in den USA empfohlen.

In Kombination mit Steroiden dagegen scheint ein positiver Effekt nicht ausgeschlossen. Gemäss US-Leitlinien kann eine Kombinationstherapie aus Steroiden und Virustatika innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn angeboten werden.

Augenschutz für die exponierte Hornhaut!

In beiden Leitlinien spielt die symptomatische Therapie zum Schutz des betroffenen Auges eine wichtige Rolle – Studiendaten gibt es dazu jedoch kaum. Die durch die Lähmung und den fehlenden Lidschluss gefährdete Hornhaut soll mit künstlichen Tränen, Augensalbe und Uhrglasverbänden geschützt werden.

Persistiert ein Lidschlussdefizit sind auch operative Massnahmen zu erwägen, z.B. Lidbeschwerung mit Platin- bzw. Goldgewichten oder mikrochirurgische Nervennähte und Muskeltransfers. In den US-Leitlinien wird zusätzlich die Option der Botulinumtoxin-Injektion erwähnt. Damit wird für mehrere Monate ein Lidschluss ermöglicht.

Zu Akupunktur, Physio- und Elektrotherapie wird mangels Daten in beiden Leitlinien keine Empfehlung ausgesprochen. Auch zur operativen Dekompression des N. facialis konnten die Experten keine Aussage treffen. 

Quelle: 1. Reginald F. Baugh et al., www.sagepublications.com 2. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Therapie der idiopathischen Fazialisparese AWMF-Register Nr. 030/013, www.awmf.org

 

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