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Dr. Elisabeth Nolde, Foto: thinkstock

Soll man dicken Diabetikern den Magen-Bypass anbieten?

US-Kollegen untersuchten in einer randomisierten Studie an 120 Patienten, ob eine Magen-Bypass-Operation eine Therapieoption für Diabetiker sein könnte. Die Teilnehmer wiesen einen HbA1c-Wert von ≥ 8 % auf, ihr BMI lag zwischen 30 und 40 und der Peptid-C-Wert unter 1 mg/ml.

Bei allen Patienten erfolgte ein intensives Therapiemanagement, das neben der Anleitung zur Lebensstilmodifikation medikamentöse Maßnahmen gegen Diabetes, Übergewicht, Hypertonie und Dyslipidämie beinhaltete. Nach der Randomisierung unterzogen sich 60 Probanden einer Magen-Bypass-Operation (Roux-en-Y). Die übrigen Studienteilnehmer behandelte man weiterhin mit dem konventionellen Diabetes-Management.

Magen-Bypass: Bessere BZ-Kontrolle, aber gravierende Komplikationen

Folgende Zielkriterien waren als kombinierter primärer Endpunkt definiert: HbA1c unter 7 %, LDL-Cholesterin unter 100 mg/dl und ein systolischer Blutdruckwert unter 130 mmHg. Sekundäre Endpunkte betrafen die Medikation und die Gewichtsabnahme, berichtet das Team um Dr. Sayeed Ikramuddin von der University of Minnesota in Minneapolis.1

Nach einem Jahr erreichten 49 % der operierten Diabetiker die primären Endpunkte. In der Kontrollgruppe, die weiterhin Lifestyle- und medikamentöse Maßnahmen erhielt, erreichten dieses Ziel nur 19 % (OR 4,8). Die operierten Dia­betiker benötigten in der Folge deutlich weniger Antidiabetika, Antihypertensiva und Lipidsenker. Außerdem nahmen sie deutlich stärker an Gewicht ab (rund 26 % vs. 8 % im Vergleichskollektiv).

Die günstigen klinischen Resultate der Adipositas-Chirurgie waren allerdings mit einer höheren Anzahl von unerwünschten Effekten verbunden. So traten in der Operationsgruppe 22 ernste Ereignisse auf, darunter Anastomosenstrikturen und Blutungen. In einem Fall ereigneten sich gleich mehrere perioperative Komplikationen, die zu einer hypoxischen Hirnschädigung führten. Im Kontrollkollektiv verzeichnete man 15 relevante unerwünschte Ereignisse.

Die klinischen Effekte der baria­trischen Chirurgie standen in einem systematischen Review auf dem Prüfstand. Drei randomisierte klinische Studien mit insgesamt 290 Probanden wurden dabei berücksichtigt. Diesen Ergebnissen zufolge scheint bei Typ-2-Diabetikern mit mäßigem Übergewicht (BMI 30–35) die Adipositas-Chirurgie kurzfristig zu einer stärker ausgeprägten Gewichtsreduktion und zu einer besseren Blutzuckerkontrolle zu führen als nicht chirurgische Maßnahmen. Doch die verfügbaren Daten reichen nicht aus, um Therapieempfehlungen daraus abzuleiten, so das Fazit von Dr. Melinda Maggard-Gibbons von der University of California in Los Angeles.2

Bariatrische Chirurgie – weitere Studien notwendig

Die Tatsache, dass den günstigen metabolischen Effekten nach einer Magen-Bypass-Operation doch teils gravierende Komplikationen gegenüberstehen, erschwert die Beurteilung dieses Therapieverfahrens. So kommentieren Dr. Bruce M. Wolfe von der Oregon Health and Science University in Portland, und seine Kollegen die Studiendaten.3 Die Experten fordern daher, die Sicherheit und Effektivität dieser bariatrischen Operation im Langzeitverlauf in größeren Kollektiven zu analysieren.


1. Sayeed Ikramuddin et al., JAMA 2013; 21: 2240-2249;

2. Melinda Maggard-Gibbons et al., a.a.O.: 2250-2261;

3. Bruce M. Wolfe et al., a.a.O.: 2774-2275

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