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Antjie Thiel, Foto: thinkstock

Komplementärmedizin bei Allergien, Atopie und Asthma bronchiale

Für die Wirksamkeit einiger Verfahren gibt es inwischen eine Reihe randomisierter kontrollierter Studien. In einer großen Metaanalyse hat nun ein internationales Team die Datenbanken Medline und Cochrane zwischen 1951 und 2012 durchforstet.

Um fünf Tage vor der Exposition mit Gräserpollen einer allergischen Rhinitis vorzubeugen, eignet sich Pestwurzextrakt (Ze339) besser als Desloratadin oder Placebo. Die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien hingegen konnte bisher nicht belegt werden.

Anders sieht die Evidenzlage zur Akupunktur aus: Hier zeigte eine randomisierte, kontrollierte Studie an 400 Patienten acht Wochen nach der Behandlung einen deutlichen Effekt. Bei Neurodermitis können sowohl Akupunktur als auch Phytotherapie helfen, den quälenden Juckreiz zu lindern.

Kamille ist effektiver als Kortison

In der topischen Therapie erwies sich Kamillenextrakt gegenüber 0,5-prozentigem Hydrokortison als überlegen. Auch die Wirksamkeit der oralen Phytoarznei Zemaphyte wurde in mehreren Doppelblindstudien belegt: Sie scheint die Immunantwort des Organismus zu beeinflussen.

Allerdings sollte man dabei die Leberwerte im Auge behalten – bei einigen Probanden wurden reversible Störungen der Leberfunktion beobachtet. Keine Hinweise gibt es auf die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel.

Gewichtsreduktion hilft bei Asthma

Asthma spricht gut auf Gewichtsreduktion an, weil Übergewicht die Atemwegsfunktionen beeinträchtigt. Ebenso effektiv ist sportliche Aktivität, auch um die kardiopulmonale Fitness zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Physiotherapie führt durch Muskelrelaxation zu einer besseren Lungenfunktion.

Weil ein Mangel an Vitamin A, C und D in der Kindheit häufig mit einem erhöhten Asthmarisiko einhergeht, sollten Ärzte ihre Patienten zur gezielten Nahrungsergänzung ermutigen. Vielversprechend ist auch eine Reihe von Studien zur Wirkung von Heilkräuterrezepturen aus der traditionellen chinesischen Medizin.

Weitere Daten werden benötigt, um Placeboeffekt abzugrenzen!

Sowohl beim Asthma als auch bei der Neurodermitis hilft einigen Patienten ein Klimawechsel, sei es ein Aufenthalt am Meer, in den Bergen oder in Regionen mit starker Sonnenexposition. Die Autoren mahnen allerdings weitere Forschung an. Um die genauen Wirkmechanismen der beschriebenen Verfahren besser zu ergründen und sie noch klarer vom bloßen Placeboeffekt abzugrenzen, brauche man noch mehr Daten.

Quelle: Florian Pfab et al., Focus on Alternative and Complementary Therapies 2013; 18 (2): 77-84

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