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Dr. Carola Gessner, Foto: thinkstock

Schlaganfall mit richtigem Lebensstil verhindern?

Manche Studienautoren scheuen wirklich keinen Aufwand: So beobachteten Forscher z.B. in einer prospektiven Kohortenstudie mehr als 20 000 Teilnehmer über zehn Jahre, um herauszubekommen, welche Früchte und Gemüse die besten Anti-Apoplexmittel sind.

Eingeteilt wurde dabei nach Farben, wie Professor Dr. Dipl. Psych. Frank Erbguth vom Klinikum Nürnberg beim 6. Allgemeinmedizin-Update-Seminar erläuterte:

  • grün (Blattgemüse, Salate, Kohl)
  • orange/gelb (Zitrusfrüchte)
  • rot (rotes Gemüse) und
  • weiß (Äpfel und Birnen).

Als klare Sieger gingen die weißen Früchte hervor. Ein höherer Konsum von Äpfeln und Birnen schützte offenbar vor einem Schlaganfall: So war die Apoplex-Ereignisrate im Quartil mit dem größten Verzehr dieser Obstsorten im Vergleich zum geringsten Konsum um 52 % reduziert. Jede zusätzliche Aufnahme von 25 g täglich reduzierte die Gefahr um weitere 9 %.

Isultrisiko mit Olivenöl senken?

„Ölwechsel ist protektiv!“ lautete Prof. Erbguths weitere plakative Botschaft. Die französische Drei-Städte-Studie (Bordeaux-Dijon-Montpellier) mit 7625 über 65-jährigen Probanden ermittelte für regelmäßigen Ölivenöl-Verzehr – ob in Gekochtem oder als Salatdressing – ein um 41 % geringeres Insultrisiko gegenüber Nichtkonsumenten.

Der nächste Kandidat heißt Schokolade: Nachdem eine Metaanalyse mit über 114 000 Teilnehmern höherem Schokoladenverzehr eine Risiko-Reduktion von fast 30 % zuschrieb, kam auch eine schwedische Untersuchung des Karolinska-Instituts an über 33 000 Frauen zu dem Ergebnis: Daumen hoch für Schokolade. Ein Konsum von bereits 66 g pro Woche ging gegenüber Niedrigkonsumentinnen (etwa 8 g/Woche) mit einer um 20 % verringerten Schlaganfall-Inzidenz einher.

Wein-Konsum: Keine Schlaganfall-Prophylaxe?

Freunde guter Tröpfchen sehen sich allerdings in ihrer Hoffnung enttäuscht. Einen ausgesprochenen Gehirnschutz mit reduzierter Insultsterblichkeit durch moderaten Alkoholkonsum versuchte man bislang vergeblich nachzuweisen.

Nicht den geringsten Zweifel gibt es dagegen am segensreichen Effekt körperlicher Aktivität. Dies belegte erneut eine chinesische Studie mit mehr als 400 000 Teilnehmern. Sie ordnete man je nach „Level der Aktivität“ in Quintilen ein und hielt Ausschau nach Zusammenhängen mit kardiovaskulärem Risiko, Schlaganfallgefahr und Sterblichkeit.

Sogar ein bescheidenes Ausmaß von Bewegung, 15 Minuten pro Tag, senkte die Sterblichkeit um 14 %. Supereffekt durch Verzicht aufs Rauchen Die beste Botschaft hob sich der Experte bis zum Schluss auf: Durch Kombination gesunder Verhaltensweisen lässt sich deren Schutzeffekt noch potenzieren.

In einer neuen Arbeit aus den USA wurden folgende „Behaviours“ berücksichtigt:

  • ≥ 5 x täglich Obst/Gemüse
  • ≥ 12 x monatlich körperliche Aktivität
  • BMI 18,5–29,9
  • Alkohol nur moderat
  • Nichtrauchen

Als Solo-Maßnahme entfalteten nur Nichtrauchen und körperliche Aktivität einen signifikanten Antischlaganfall-Effekt (40 %-ige Risikoreduktion). Die übrigen Variablen zeigten den amerikanischen Daten zufolge aber ein beeindruckendes Zusammenspiel.

Verhaltensregelen befolgen, keinen Schlaganfall erleiden?

Pflegte ein Studienteilnehmer eine bis drei der gesunden Verhaltensweisen, so erzielte er gegenüber unvernünftigeren Personen ohne gesunde Verhaltensweisen eine Risikoreduktion von 88 %. Bei vier bis fünf gesunden „Behaviours“ waren es fantastische 96 %. Dies sollte Hausärzten genügend Munition für ihr Lebensstil-Plädoyer geben, meinte der Referent.


Supplement-Ratschlag verkneifen!


Gesunde Ernährung erscheint vielen Menschen zu mühsam, praktischer fänden sie es, fehlende Vitamine einfach in Pillenform zu ergänzen. In einer neueren Arbeit nahmen Kollegen u.a. den Wert antioxidativer Vitamin-Präparate unter die Lupe. Drei Interventionsstudien mit Vitamin A ergaben: kein Effekt auf die Insultrate. Jedoch ermittelte man aus acht Untersuchungen mit insgesamt 140 000 Teilnehmern eine um 7 % erhöhte Sterberate in der Vitamin-A-Supplement-Gruppe und in sechs weiteren Studien vermehrt kardiovaskuläre Erkrankungen. Auch Vitamin E birgt Risiken – es scheint Hirnblutungen zu fördern. Für Vitamin C fanden sich keine klaren Effekte. Trotz dieser Erkenntnisse geht vielen Ärzten der Rat zum Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln immer noch allzuleicht von den Lippen, bedauerte Prof. Erbguth
.

Quelle: 6. Allgemeinmedizin-Update-Seminar, Professor Dr. Dipl. Psych. Frank Erbguth vom Klinikum Nürnberg

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