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Dr. Dorothea Ranft, Foto: bvmed

Kniegelenk-Arthrose: Was hilft wirklich?

Mit einer Kniegelenksarthrose muss man auch bei 30- und 40-Jährigen schon rechnen, schließlich gelten – neben Übergewicht und Fehlstellungen – Verletzungen (vor allem Kreuzbandrupturen und Meniskusläsionen) als wichtige Wegbereiter. Die Diagnose gelingt meist schon auf der Basis von Anamnese und klinischer Untersuchung.

Zur Bestätigung des Verdachts und zum Ausschluss anderer Ursachen genügt dann meist ein Röntgenbild. Ein Kernspin hilft in der Regel nicht weiter, eignet sich aber, um seltene Differenzialdiagnosen wie Osteochondrosis dissecans oder avaskuläre Nekrose auszuschließen, schreiben australische Kollegen im „British Medical Journal“.

Runter von der Couch heißt die Devise bei Arthrose

Therapeutisch heißt es für alle Patienten mit Kniearthrose – unabhängig vom Schweregrad – erstmal „runter von der Couch“. Denn Bewegung bessert Schmerz und Funktion genauso gut wie Analgetika oder NSAR. Empfohlen werden neben aerobem Ausdauertraining spezielle Übungen zum Muskelaufbau.

Günstig fürs Knie sind Radfahren, Rudern, Schwimmen, Aquajogging und Tai Chi, gelenkbelastende (Lauf-)Sportarten sollten dagegen gemieden werden. Auch Abspecken wirkt bei Übergewichtigen nachweislich günstig – am besten in Kombination mit Bewegung –, zumal man so auch einem Abbau der Beinmuskulatur unter der Reduktionsdiät entgegenwirken kann.

Arthrose-Kriterien

Als Grundlage für die Diagnose empfiehlt die EULAR* sechs Kriterien:

die drei Kardinalsymptome persistierender Knieschmerz, Steifigkeit (< 30 Minuten) und reduzierte Gelenkfunktion, sowie die drei Zeichen Krepitation, eingeschränkte Beweglichkeit und knöcherne Vergrößerung.

* European League against Rheumatism

Mit Bandagen und Stock gegen den Arthrose-Schmerz

Ein Gehstock lindert ebenfalls den Gelenkschmerz – im Gegensatz zur lateralen Randerhöhung der Innensohle. Bei Fehlstellungen helfen Kniebandagen, sofern der Patient sie tragen will. Akupunktur und TENS kommen möglicherweise für Patienten infrage, die sich nicht operieren lassen wollen oder können.

Unter den medikamentösen Therapieoptionen steht bei leichten bis mittelschweren Schmerzen Paracetamol an erster Stelle, wegen der Hepatotoxizität sollte eine Tagesdosis von 4 g nicht überschritten werden (cave: Selbstmedikation). Nichtsteroidale Antirheumatika wirken laut einer aktuellen Datenanalyse stärker analgetisch, weisen aber auch mehr Risiken auf.

Bei über 75-Jährigen empfehlen die Autoren deshalb, von vornherein die topische Anwendung zu bevorzugen. Patienten mit gastrointestinalen Risiken sollten entweder ein Coxib oder zusätzlich zum klassischen nichtsteroidalen Antiphlogistikum einen Protonenpumpenhemmer erhalten.

Effektivität von Gelenkspritzen unklar bei Abnutzung des Kniegelenks

Falls NSAR kontraindiziert sind – beispielsweise wegen Niereninsuffizienz – und Paracetamol den Gelenkschmerz nicht genügend lindert, sollte man den Einsatz von Opioiden erwägen. Bei Arthroseschmerzen mit neuropathischer Komponente (brennend, stechend) hat sich der selektive SNRI Duloxetin bewährt.

Die häufig eingesetzten intraartikulären Steroid-Injektionen wirken im Schnitt nur ein bis zwei Wochen und können nur alle drei Monate wiederholt werden (maximal vier Spritzen), betonen die Autoren. Unklar ist derzeit noch der Stellenwert der intraartikulär applizierten Hyaluronsäure: Nachdem eine Metaanalyse nur eine minimale Schmerzreduktion ermittelte, zeigte eine aktuelle Studie einen über mindestens ein Jahr anhaltenden Effekt, also wirkt sie möglicherweise doch, so die Kollegen. Umstritten ist auch, inwiefern orales Glukosamin die Gelenkzerstörung bremsen kann, für Chondroitin hat eine Metaanalyse einen geringfügigen Effekt über zwei Jahre gezeigt.

Totalendoprothese nur bei schwerer Arthrose

Was die operativen Möglichkeiten betrifft, werden arthroskopische Lavage und Meniskusresektionen nur bei mechanischen Symptomen (z.B. wiederholte Blockaden) empfohlen. Denn den Schmerz beeinflussen Medikamente und Physiotherapie genauso gut.

Ein Gelenkersatz bleibt Patienten mit schwerer Arthrose vorbehalten, er sollte aber auch nicht zu spät erfolgen, erinnern die Autoren, weil sich ein einmal eingetretener Funktionsverlust kaum aufholen lässt. Für jüngere Patienten kann die hohe tibiale Osteotomie eine gute Alternative bieten: In einer aktuellen Metaanalyse brauchten nur 16 % der Patienten in den folgenden 9–12 Jahren doch noch einen Gelenkersatz.

Kim L. Bennell et al., BMJ 2012; online first

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