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Maria Weiß, Foto: thinkstock

Akute Diarrhö: Viren oder Clostridien?

Ein Experte nennt typische Symptome und Empfehlungen zur Therapie. Wenn ein Patient mit einer akuten Diarrhö in die Praxis kommt, steht zunächst eine sorgfältige Anamnese an: Sind auch andere Personen im Umfeld erkrankt und liegt ein wässriger Durchfall vor, der von Erbrechen begleitet ist, spricht alles für einen viralen Infekt. Dies schreiben Dr. Johannes W. Rey von der Medizinischen Universitätsklinik Mainz und Kollegen in der Fachzeitschrift „klinikarzt“.

Durchfall: Wer muss behandelt werden?

Als weitere klinische Symptome beobachtet man häufig Tenesmen, Fieber, abdominelle Krämpfe, reduzierten Allgemeinzustand, Exsikkose und Inappetenz. Bei 90 % der viralen Infektionen sind Noroviren die Übeltäter. Meist braucht man in diesen Fällen keine weitere spezifische Diagnostik. Nach 48 bis 72 Stunden ist der Spuk in der Regel vorbei. 

Die Übertragung der viralen Enteritis erfolgt meist fäkal-oral von Mensch zu Mensch, weil Hygienemaßnahmen* nicht hinreichend beachtet werden. Möglich ist auch eine Tröpfcheninfektion, etwa durch Erbrechen, ebenso die Ansteckung über Nahrungsmittel und Wasser, schreiben die Autoren. Die Therapie der viralen Infekte erfolgt rein symptomatisch und besteht vor allem in Flüssigkeitssubstitution – falls nötig auch in Form von Vollelektrolytinfusionen.

Keine Antidiarrhoika bei viralem Durchfall!

Zur Bekämpfung etwaiger Schmerzen können Metamizol und Paracetamol (ggf. auch als Kurzinfusion) eingesetzt werden. Antidiarrhoika dagegen sind möglichst zu vermeiden, erinnern die Autoren, weil sie den Krankheitsverlauf verlängern können. Auch von einer Nahrungskarenz wird heute abgeraten – auf fettreiche Nahrungsmittel sollten die Betroffenen allerdings verzichten.

Bei der unkomplizierten Diarrhö im Kindesalter und bei Reisediarrhö haben sich Probiotika bewährt. Weiterführende Diagnostik halten die Autoren nur bei bestimmten Befunden – z.B. Fieber, Blut im Stuhl, Immunsuppression – für erforderlich (s. Kasten). Da insbesondere Infektionen mit Clostridium difficile klinisch relevant sind, gilt es vor allem, nach diesem Erreger zu fahnden.

Antibiotika in der Vorgeschichte: Clostridien-Verdacht!

Clostridien-Verdacht weckt oft schon die Einnahme von Antibiotika in den Wochen vor der Erkrankung. In der Diagnostik zeigt die anaerobe Stuhlkultur die höchste Sensitivität. Alternativ können auch die Toxine A und B mittels Immunassay im Stuhl nachgewiesen werden. Bei schweren Verläufen sollte man immer eine Kultur anlegen.

Eine antibiotische Therapie mit Vancomycin oder Metronidazol ist bei schwerer oder persistierender Erkrankung zu erwägen. Bei entsprechender Therapie ist allerdings eine weitere Beobachtung notwendig, weil diese Antibiotika in Einzelfällen selbst eine Clostridien-Diarrhö hervorrufen können.


Wer braucht genaue Diagnostik?

Bei folgenden Befunden ist weiterführende Diagnostik angezeigt:

  • Blut- und Schleimbeimischungen im Stuhl
  • Fieber > 38 °C

  • Krankheitsdauer > 48 Stunden
  • akutes oder unklares Abdomen
  • hospitalisierte Patienten mit Antibiotikatherapie

  • Immunsupprimierte, ältere und multimorbide Patienten
  • unklare klinische Befunde

* www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Noroviren/Noroviren.html

Quelle: Johannes W. Rey et al., klinikarzt 2012; 41: 84-89

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