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Diana Niedernhöfer, Foto: thinkstock

Nachholbedarf in Sachen Praxishygiene

290 von rund 9500 Ärzten und Zahnärzten antworteten auf die Anfrage der Stiftung Gesundheit, die die Ärzte bat, das Niveau ihrer Praxis in Sachen Hygiene einzuschätzen.

Das tun die Niedergelassenen offenbar selbstkritischer als erwartet. Denn etwa ein Drittel der antwortenden Ärzte sieht Nachholbedarf in ihrer Praxis. Rund 5% konstatieren demnach ein relativ niedriges Hygiene-Niveau und 24,1% wähnen sich im Mittelfeld der Zehn-Punkte-Skala.

Hygiene – kein zentrales Thema für Ärzte?

Doch Konsequenzen ziehen nicht alle daraus: Über 42% dieser Gruppe sehen keinen akuten Handlungsbedarf für ihre Praxis. Das zeige, dass Hygiene bei Weitem kein zentrales Thema für die Ärzte darstelle, so die Studie. Von den Ärzten, die in oben genannter Gruppe Handlungsbedarf für sich annahmen, benötigt ein Viertel gezielte und praxisrelevante Fortbildung.

Jeweils rund 20 % müssten neue Kenntnisse und Vorschriften in ihrer Praxis umsetzen beziehungsweise halten Qualitätsnetzwerke zwischen Niedergelassenen, regionalen Krankenhäusern und Labors für notwendig. Mehrfachnennungen waren hier möglich. Jede sechste Praxis hat bereits einen kostenpflichtigen Hygieneberater in Anspruch genommen.

Hygieneschutzgesetz scheint nicht viel bewirkt zu haben

Das 2011 geänderte Infektionsschutzgesetz, das auch unter dem Namen Hygienegesetz bekannt ist, kannten knapp 80% der Ärzte. Viel bewirkt scheint es bisher nicht zu haben. Denn nur 6% der Responder haben infolge der Neuregelungen wesentliche Änderungen in ihrer Praxis durchgesetzt. Rund 38% sehen das Gesetz zwar als wichtig an, grundlegend geändert hat sich in ihrer Praxis deswegen jedoch nichts.

Angesichts der verbesserungswürdigen Hygienesituation seien diese Ergebnisse problematisch, heißt es in der Studie. Hier müsste genauer erforscht werden, ob die Regelungen wenig praxistauglich seien oder die Ärzte das Gesetz nur als weiteres Element einer ausufernden und daher zu vermeidenden Bürokratie betrachteten.

Hygienemaßnahmen: Schutz vor Krankheitserregern

Für den langfristigen Erfolg von Hygienemaßnahmen dürfe man sich nicht nur an medizinischen und technischen Kriterien orientieren, sondern man müsse auch psychologische Aspekte berücksichtigen. Denn Hygiene sei Prävention gegen unsichtbare Erreger. Weiter bestehe die Fehlwahrnehmung, Hygiene sei im Zeitalter der Antibiotika eine zu vernachlässigende Aufgabe.

Die KV Baden-Württemberg sieht die Studie kritisch. So sei nicht ausreichend zwischen Ärzten und Zahnärzten differenziert worden, gibt KV-Sprecher Kai Sonntag zu bedenken. Außerdem ergebe sich auch aufgrund der Fragestellung ein zu allgemeines Bild, um dem Mammut-Thema Hygiene gerecht zu werden.
 

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