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Dr. Anja Braunwarth, Foto: Bilderbox

Mit Biestmilch gegen Allergien?

Als „Biestmilch“ wird das Kolostrum der Kuh etwa bis zum sechsten Melken nach Geburt eines Kalbes bezeichnet. Tatsächlich enthält es eine Reihe von Immunglobulinen, antimikrobiell wirkenden Proteinen und weiteren Substanzen wie Wachstumsfaktoren.

Mit einem Gramm pro Tag zur Gesundung

Laut Werbung soll schon ein Gramm täglich genügen, um Antrieb und Heilungsprozesse zu fördern, weniger anfällig für Infekte zu machen und für guten Schlaf zu sorgen. In höheren Dosen soll die Wundermilch sogar Symptome von Atemwegerkrankungen oder Magen- Darm-Infektionen lindern. Und bei Kindern mit Allergien, Asthma oder Neurodermitis gehen auch hier die Beschwerden deutlich zurück oder verschwinden ganz – heißt es.

Was ist dran an der vermeintlichen Allzweckwaffe?

Das Einzige, was in Studien bisher belegt werden konnte, ist ein antimikrobieller und antiviraler Effekt bei verschiedenen gastroenterologischen Krankheiten, vor allem Durchfallinfektionen, urteilen Diplom-Ökotrophologin Susanne Köhler und Kollegin vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund.

Für Babys und Kleinkinder ungeeignet

Noch fraglich ist eine Wirkung gegen Helicobacter pylori. Und die tägliche Aufnahme von 20- 60 Gramm des Präparates kann zwar die Erholungsphase nach körperlicher Belastung verkürzen, nicht aber die Leistungsfähigkeit an sich steigern. Während der Hersteller die Einnahme auch bei Menschen mit Kuhmilchallergie empfiehlt, rät die Expertin dringend davon ab. Insgesamt kommt sie zu dem Schluss, dass bisher zwar keine wesentlichen Nebenwirkungen unter der „Biestmilch“ gefunden wurden, bei einer ausgewogenen Ernährung aber auch keine positiven Effekte auf die Gesundheit zu erwarten sind.

Susanne Köhler et al., 87 neue,  Fragen und Antworten aus der Praxis, Bd. 7, Hg.: Michael M. Ritter, ISBN 978- 3-88616-135-5, Hans Marseille Verlag GmbH, München

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