Medical Tribune
18. Dez. 2012

Was stärkt die Abwehr gegen Schnupfen?

In der kalten Jahreszeit mehren sich die Erkältungskrankheiten und viele Eltern möchten bei ihren Kindern gerne vorbeugen. Kommt ihnen das Immunsystem des Sprösslings schwach vor, liegt die Idee nahe, es zu stärken, “Immunstimulanzien” stehen deshalb hoch im Kurs. Über die Evidenzbasis dazu referierte Professor Dr. Ulrich Baumann von der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover.

Mit Pelargonie 
weniger Husten

Zu Echinacea-Präparaten gibt es einen Cochrane-Review von 19 randomisierten kontrollierten Studien. Das Ergebnis: Ein prophylaktischer Effekt gegen Erkältungen lässt sich nicht nachweisen. Ein frühzeitiger Einsatz von Blatt- und Blütenextrakten hat aber einen gewissen therapeutischen Effekt bei Erkältungen – Wurzelextrakte scheinen dagegen unwirksam zu sein.

Gern bei akuter Bronchitis eingesetzt wird Umckaloabo®, ein Auszug aus Pelargonium-sidoides-Wurzeln. Als Wirkmechanismen angeführt werden unter anderem eine Hemmung des Bakterienwachstums, Makrophagenaktivierung und vermehrte Bildung von körpereigenen Abwehrstoffen. Ein Cochrane-Review belegt für den flüssigen Extrakt eine schnellere Besserung einer akuten Bronchitis im Kindesalter.

Bakterienlysat bei Atemwegsinfekten

Studien, die eine prophylaktische Wirkung gegen Erkältungen allgemein nachweisen, existieren nach Aussage des Referenten bisher nicht. Ein anderer Ansatz ist die Verabreichung eines Bakterienlysats (z.B. Bronchovaxom®) zur Ankurbelung des Immunsystems. Auch hier gibt es eine Cochrane-Metaanalyse von neun Studien, die eine geringere Rate von akuten Atemwegsinfektionen belegt.

In einem Asthmamodell bei Mäusen konnte zudem gezeigt werden, dass das Bakterienlysat die Entzündung reduziert. Kinder, die zu häufigen Atemswegsinfektionen neigen, könnten also u.U. von dem Bakterienlysat profitieren – auch wenn die Studienlage noch verbesserungswürdig ist, so Prof. Baumann.

Knochenvitamin auch gut für die Atemwege

Für den Einsatz von Vitaminen und Spurenelementen gebe es bisher in puncto Infektprophylaxe bei Kindern keinen Wirksamkeitsnachweis, ergänzte der Pädiater. In letzter Zeit wurde vor allem ein erniedrigter Vitamin-D-Spiegel mit einer erhöhten Rate an Atemwegsinfektionen in Zusammenhang gebracht.

Tatsächlich scheint das als Knochenstärker bekannte Vitamin – zumindest in vitro – zahlreiche pleiotrope immunologische Effekte aufzuweisen. Ob sich dies bei Substitution auch in eine abwehrsteigernde Wirkung umsetzen lässt, ist aber noch offen, so der Experte.

Quelle: Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Hamburg, 2012