Home / Medizin / Laktosereduzierte Säuglingsnahrung führt zu mehr Adipositas im Kleinkindalter

Ernährung

Laktosereduzierte Säuglingsnahrung führt zu mehr Adipositas im Kleinkindalter

Laktosereduzierte Säuglingsnahrung kann sich später problematisch auf das Gewicht auswirken.

Eine neue amerikanische Studie zeigt auf, dass Kinder, die mit laktosereduzierter Pre-Milch gefüttert wurden, als Kleinkinder ein erhöhtes AdipositasRisiko haben könnten (1). Säuglinge sollten daher keine laktosereduzierte Spezialnahrung erhalten, wenn diese nicht zwingend erforderlich ist.

Wenn Säuglinge in den ersten Lebensmonaten viel schreien, denken viele Eltern, dass hinter der Unruhe Verdauungsprobleme stecken. Viele greifen dann statt normal Kuhmilch-basierter Pre-Milch zu einer laktosereduzierten Spezialnahrung, die häufig als Nahrung für Babys mit Koliken, Blähungen oder Verstopfung vermarktet wird.

Diese enthält zwar weniger Laktose als die normale Pre-Milch, der fehlende Milchzucker wird aber bei manchen Produkten durch Glukosesirup ersetzt, der aus Mais- oder Weizenstärke gewonnen wird (2). Amerikanische Forscher haben nun festgestellt, dass Kinder, die als Säuglinge laktosereduzierte Formula mit festen Glukosebestandteilen aus Maissirup erhielten, in den ersten vier Lebensjahren häufiger Adipositas aufwiesen.

Adipositasrisiko mit zwei Jahren um zehn Prozent erhöht

Für die Studie im Americal Journal of Clinical Nutrition analysierten kalifornische Forscher Daten von über 15.000 Kleinkindern. Deren Familien hatten am Special Supplemental Nutrition Program for Women, Infants, and Children (WIC) teilgenommen, einem amerikanischen Programm zur Unterstützung von Familien mit geringem Einkommen. Bei den WIC-Begünstigten handelt es sich grösstenteils um Menschen aus sehr schlechtem ökonomischen Hintergrund, bei denen die Adipositas-Rate grundsätzlich schon problematisch sind: Bei den Kindern unter vier Jahren hatte bereits jedes vierte eine Adipositas.

Die eingeschlossenen Kinder, die alle vor dem Alter von drei Monaten abgestillt worden waren, wurden in zwei Gruppen unterteilt: Babys, die zumindest einmal laktosereduzierte Pre-Nahrung erhalten hatten, sowie Kinder, die mit Säuglingsnahrung auf Kuhmilch-Basis ernährt wurden.

Das höchste Adipositas-Risiko stellten die Forscher bei Kindern fest, die im ersten Lebensjahr mit laktosereduzierten Pre-Milch-Produkten mit Glukose aus Maisstärke ernährt worden waren. Diese Babys hatten ein um zehn Prozent erhöhtes Risiko, im Alter von zwei Jahren als adipös zu gelten, verglichen mit Kindern, die normale, von Kuhmilch abgeleitete, Pre-Milch erhielten (RR 1,10; 95%-KI: 1,02-1,2; p=0,02). Auch im Alter von drei und vier Jahren war das Adipositas-Risiko der mit der Spezialnahrung gefütterten Kinder noch signifikant um sieben bis acht Prozent erhöht. Der Effekt war dabei umso grösser, je länger die Kinder laktosereduzierte Milch erhalten hatten.

Echte Laktose-Intoleranz ist bei Säuglingen extrem selten

Säuglinge, die früh abgestillt und dann mit der Flasche ernährt werden, haben bereits ein erhöhtes Risiko für eine spätere Adipositas im Vergleich zu Stillkindern. Die nun veröffentlichte Studie weist laut Experten darauf hin, dass Ärzte Eltern von grundlosen Gaben glukosebasierter Säuglingsnahrung dringend abraten sollten (2). Ein Blick auf am Markt befindliche Säuglingsnahrung zeigt, dass es sich bei Glukosezusätzen nicht nur um ein amerikanisches Problem handelt. Eltern können sich mit einem Blick auf die Zutatenliste versichern, dass die von ihnen verwendete Säuglingsnahrung frei von zusätzlicher Glukose ist.

Eine echte Laktoseintoleranz ist – im Gegensatz zur Kuhmilch-Unverträglichkeit – bei Säuglingen sehr selten. Dahinter steckt die kongenitale Laktase-Defizienz, die auf eine homozygot vorliegende Mutation im Laktase-Gen zurückzuführen ist (2,3).

Warum Kinder nach glukosehaltiger Säuglingsnahrung häufiger Adipositas entwickeln könnten

Hinter der Erhöhung des Adipositas-Risikos könnte stecken, dass die Kinder mit der glukoseangereicherten Nahrung eine stärkere Vorliebe für Süsses entwickeln. Aber auch die höhere glykämische Last von Glukose als von Laktose oder eine Veränderung des Mikrobioms durch die Zufuhr von Glukose könnten verantwortlich sein (4).

Referenzen
  1. Anderson CE et al. Lactose-reduced infant formula with corn syrup solids and obesity risk among participants in the Special Supplemental Nutrition Program for Women, Infants, and Children (WIC). Am J Clin Nutr. 2022 Aug 23:nqac173. doi: 10.1093/ajcn/nqac173.
  2. Medscape. Reduced Lactose Baby Formula Related to Obesity Later. medscape.com, 7. September 2022 (abgerufen am 13. September 2022)
  3. Heyman MB; Committee on Nutrition. Lactose intolerance in infants, children, and adolescents. Pediatrics. 2006 Sep;118(3):1279-86. doi: 10.1542/peds.2006-1721.
  4. Pressemeldung Heluna Health, Lactose-reduced infant formulas made with corn syrup solids are associated with higher obesity risk among children, 24.August 2022
LOGIN