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Löst die kontinuierliche Blutzuckermessung bald den HbA1c ab?

ABeim Typ-1-Diabetes ist die Blutzuckereinstellung per TIR bereits gang und gäbe.

Der HbA1c ist als Marker für die Blutzuckereinstellung offenbar angezählt. Beim Typ-1-Diabetes setzt man zunehmend auf den Parameter «Zeit im Zielbereich» (Time in Range, TIR). Und auch beim Typ-2-Diabetes scheint das neue Modell vielversprechend.

Um die TIR zu erfassen, benötigt man eine kontinuierliche Glukosemessung (CGM), wie sie bei vielen Patienten mit Typ-1-Diabetes bereits Standard ist. Personen mit Typ-2-Diabetes nutzen die Technik bislang noch selten, obwohl sie durchaus von ihr profitieren könnten.

Technik schon bei Prädiabetes nützlich

Menschen mit Prädiabetes bietet sie ebenfalls eine Option, denn mit den Blutzuckerspiegeln bzw. -schwankungen direkt vor Augen dürfte eine notwendige Verhaltensmodifikation leichter fallen. «Sie sehen sofort, was das Essen mit dem Blutzucker macht», berichtete Professor Dr. Thomas Danne vom Diabeteszentrum des Kinder- und Jugendkrankenhauses Auf der Bult in ­Hannover (1).

Beim Typ-1- sowie beim Typ-2-Diabetes gilt, dass der Blut­zucker eines Patienten täglich etwa 17 Stunden im Zielbereich (festgelegt auf Werte zwischen 3,9 mmol/ und 10 mmol/l) liegen sollte. Man geht davon aus, dass eine Abweichung von 5 Prozent klinisch relevant ist, so der Kollege.

Auch für die Forschung bietet die TIR Vorteile

Auch für die klinische Forschung bringt der Blick auf die Time in ­Range Vorteile. Prof. Danne berichtete über eine randomisierte kontrollierte Studie, die gerade auf dem ATTD-Kongress in Barcelona vorgestellt wurde (2). Darin ver­glich man den Effekt zweier Langzeitinsuline der zweiten Generation auf die Zeit im Zielbereich. 343 Patienten mit Typ-1-Diabetes und einem HbA1c zwischen sieben und zehn Prozent erhielten eine subkutane Therapie mit Insulin glargin (300 U/ml) oder Insulin degludec (100 U/ml). In Woche 12 nach der Umstellung auf eine der beiden Substanzen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der via kontinuierlicher Glukosemessung ermittelten TIR. Sie wurde von knapp 52 versus 55 Prozent der Patienten erreicht.

Was Hypoglykämien und die glyk­ämische Variabilität anging, waren die beiden Insuline ebenso annähernd gleich wirksam. Die kontinuierliche Messung macht es möglich, sehr viel schneller einen Effekt zu sehen, als es über die Bestimmung des HbA1c möglich ist. Ohne die Technologie hätte man eine Studiendauer von sechs Monaten oder sogar einem Jahr angesetzt, meinte der Experte.

Die neuen Ziele bei Typ-1 und Typ-2 Diabetes

TAR:
Time above Range
> 13,9 mmol/l < 5 % der Zeit < 1 h 12 min
10,1–13,9 mmol/l < 25 % der Zeit < 6 h
TIR:
Time in Range
3,9–10 mmol/l > 70 % der Zeit > 16 h 48 min
TBR:
Time below Range
3–3,8 mmol/l < 4 % der Zeit < 58 min
< 3 mmol/l < 1 % der Zeit < 14 min

adaptiert nach Battelino T et al. Diabetes Care 2019; 42(8): 1593–1603.

Referenzen
  1. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, 30. April – 3. Mai 2022, Wiesbaden
  2. Advanced Technologies & Treatments für Diabetes, 27. – 30.April 2022, Barcelona
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