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Zusätzliches Ramucirumab verbessert die Zweitlinie beim Pleuramesotheliom

Erster Erfolg mit Antiangiogenese

Bei malignen Pleuramesotheliomen gibt es in der Zweitlinie keinen Therapiestandard. Laut einer Phase-II-Studie erwies sich nun zum ersten Mal ein Angiogenese-Inhibitor kombiniert mit Chemotherapie als wirksam.

Computergestützten Bilderzeugung eines malignen Pleuramesotheliomen

Die Wachstumtsfaktoren VEGF induzieren die Bildung von Blutgefässen und fördern so die Tumorbildung.

Maligne Pleuramesotheliome sind seltene, aggressiv wachsende Tumoren mit einer schlechten Prognose. Für die Zweitlinie existiert noch keine definierte Standardtherapie – sowohl verschiedene Monochemotherapien als auch zielgerichtete Ansätze enttäuschten bisher. Trotz der Schlüsselrolle der Angiogenese in der Pathogenese von Mesotheliomen gilt das auch für verschiedene antiangiogenetische Substanzen.

Einen neuen Ansatz könnte die Phase-II-Studie RAMES verschaffen. Forscher unter der Leitung von Dr. Carmine Pinto, AUSL-IRCCS di Reggio Emilia, untersuchten als Zweitlinie den VEGFR2-Inhibitor Ramucirumab bei Patienten mit Krankheitsprogress während oder nach der Erstlinie mit Platin/Pemetrexted. 161 Pleuramesotheliom-Patienten erhielten in 1:1-Randomisierung entweder Gemcitabin + Placebo (n = 81) oder Gemcitabin + Ramucirumab (n = 80). Im Median waren die Teilnehmer 69 Jahre alt, 74 % waren Männer.

Geringer Nutzen für Ältere und bei ECOG-Status 1/2

Nach einem medianen Follow-up von 21,9 Monaten betrug das Gesamtüberleben unter Gemcitabin/Ramucirumab 13,8 Monate gegenüber 7,5 Monaten unter der Gemcitabin-Monotherapie. Das Sterberisiko wurde durch zusätzliches Ramucirumab um 29 % reduziert (p = 0,028). Nach einem Jahr erreichte die Überlebensrate in der Kontrolle 33,9 % gegenüber 56,5 % im Prüfarm. Dies verdeutlicht den Autoren zufolge den Langzeitnutzen der Kombination.

Der Vorteil durch zusätzliches Ramucirumab erwies sich u.a. als unabhängig von der Histologie und dem Ansprechen auf die Erstlinie. Ältere Patienten über 70 Jahre sowie solche mit einem ECOG-Status 1–2 profitierten kaum von zusätzlichem Ramucirumab. Die italienischen Forscher geben jedoch zu bedenken, dass die Anzahl in diesen Subgruppen gering ausfiel.

Sicherheitsprofil in Ordnung

Wie die Wissenschaftler schreiben, war das Sicherheitsprofil der Kombinationstherapie «tolerierbar». Bei 44 % der Patienten im Ramucirumab-Arm traten Nebenwirkungen von Grad 3/4 auf gegenüber 30 % unter alleinigem Gemcitabin. Im Prüfarm kam es vor allem zu Neutropenie (20 %), Hypertonie (6 %), Fatigue (5 %) und thromboembolischen Ereignissen (4 %).

Kein Teilnehmer entwickelte eine Komplettremission. Jedoch erzielten 10 % der Patienten im Ramucirumab-Arm und 6 % in der Kontrolle eine partielle Remission. Trotz der niedrigen Ansprechraten war die Krankheitskontrollrate mit 73 % unter dem Prüfregime (vs. 52 %) hoch. Dies ist typisch für die Therapie mit einem Angiogenese-Inhibitor, da diese eher zu einer Tumorstabilisierung als zu einer -regression führen, wie die Autoren schreiben.

Gemcitabin/Ramuciruamb erwies sich in der Studie als Zweitlinientherapie beim Pleuramesotheliom als wirksam und sicher. Allerdings handelte es sich um eine relativ kleine Phase-II-Studie, geben die italienischen Wissenschaftler zu bedenken. Zudem sollte die Kombination auch nach einer immuntherapiebasierten Erstlinie in einer prospektiven, u.a. nach Art der Erstlinientherapie stratifizierten, Phase-III-Studie geprüft werden, betonen sie in ihrem Fazit. MP

Pinto C et al. Lancet Oncol 2021; 22: 1438-1447; doi: 10.1016/S1470-2045(21)00404-6.

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