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Keine Milbe walten lassen

Krätze und Läuse erkennen und effektiv beseitigen

Werden Skabies oder Pediculosis capitis nicht adäquat behandelt, kann es rasch zu lokalen und generalisierten Symptomen kommen. Zum Glück gibt es Arzneimittel und Medizinprodukte, die die Plagegeister rasch beseitigen.

Eine Krätzmilbe unter
dem Rasterelektronenmikroskop (220-fach vergrössert).


Hauptsymptom bei Kopflausbefall ist der Juckreiz. Der aber tritt regelmässig erst mehrere Wochen nach der Infektion auf, sodass sich die blutsaugenden Parasiten oft bereits auf andere Familienmitglieder und die Spielkameraden in Kinderkrippe und Schule ausgebreitet haben, so Professor Dr. Hermann Feldmeier vom Institut für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Meist hat ein Kind weniger als zehn Kopfläuse, was das Auffinden der kleinen Insekten und somit die Diagnose enorm erschwert. In aller Regel liefert erst das systematische Auskämmen des feuchten und mit einer Haarspülung behandelten Haars den Nachweis eines Befalls.

Finden sich dann tatsächlich Läuse oder Nissen, wird mit Dimeticonen behandelt, also rein physikalisch wirkenden, nicht resorbierbaren Substanzen. Man verteilt diese Präparate im Haar und lässt sie je nach Produkt unterschiedlich lange einwirken (von zehn Minuten bis acht Stunden). Dabei breiten sich die Wirkstoffe über den Chitinkörper der Laus hinweg aus und dringen aufgrund ihrer geringen Oberflächenspannung in das Atmungssystem der Insekten ein, wo sie den Sauerstoff verdrängen und den Wasserhaushalt der Parasiten durcheinanderbringen. Die Kinder können sofort wieder zur Schule oder in die Kinderkrippe.

Es zeigen sich äusserst
vielfältige Bilder

Skabies wird durch Krätzmilben hervorgerufen. Die mit blossem Auge kaum sichtbaren Spinnentiere verursachen zunächst einen Ausschlag, der sich zu Papeln und schliesslich zu Bläschen entwickelt. Insgesamt entstehen äusserst vielfältige Bilder, wobei die Effloreszenzen einzeln oder in Clustern vorliegen können (s. Abb. 1).

Grundsätzlich verlangt die Diagnose der Skabies einiges an Erfahrung, stellt Prof. Feldmeier klar (s. Kasten). Zwar ist immer wieder von den pathognomonischen Milbengängen die Rede. Wenn aber der Haus- oder Kinderarzt den Patienten zu sehen bekommt, hat dieser sich wegen des ausgeprägten Juckreizes oftmals schon so intensiv gekratzt, dass die Tunnel kaum mehr zu erkennen sind, oder sie sind durch Verkrustungen oder bakterielle Superinfektionen zerstört. Eher wegweisend sind perlmuttartig schimmernde Bläschen, die der Eintrittspforte der weiblichen Milben entsprechen, und die sogenannten Milbenhügel, eine Aufwölbung des Stratum corneum am vorderen Ende des Milbengangs (s. Abb. 3).

Da es die Spinnentierchen warm mögen und dünnere Hautbereiche bevorzugen, lassen sich die Effloreszenzen am ehesten in den Interdigitalfalten von Händen und Füssen finden, an den Streckseiten der Ellenbogen und an den Knöcheln, im Bereich der Leiste, in Axillar- und Analfalte sowie perianal und vor allem am Penisschaft. Lymphadenopathien deuten auf bakterielle Superinfektionen hin. Ähnliches gilt für Pusteln und gelbliche Krusten. In solchen Fällen sollte man Haut abschaben und auf Staphylococcus aureus und vor allem Streptokokken der Gruppe A untersuchen lassen. Letztere können eine Post-Streptokokken-Glomerulonephritis hervorrufen. Abhängig davon, welche Variante der Skabies beim Patienten vorliegt, kommen differenzialdiagnostisch unter anderem ein atopisches Ekzem, Arzneimittelexantheme, ein bullöses Pemphigoid, Insektenstiche und auch eine Langerhanszell-Histiozytose in Betracht.

Krätzmilben ja oder nein?

Vor Kurzem hat die International Alliance for the Control of Scabies Kriterien festgelegt, wann die Diagnose Skabies gestellt werden soll:

  • bei Nachweis von Milben, Milbeneiern oder Kotpäckchen in der Auflichtmikroskopie von Hautgeschabsel oder mittels Dermatoskopie
  • oder bei einem der drei Zeichen Milbengang, Effloreszenz am Penis, charakteristische Hautveränderungen an typischer Stelle und Kontakt mit erkrankten Personen

Der Verdacht auf den Befall mit Krätzmilben besteht bei folgenden Merkmalskombinationen:

  • charakteristische Effloreszenzen an typischer Körperstelle, verbunden mit starkem Juckreiz
  • oder charakteristische Hautveränderungen in typischer Körperregion und Skabies bei einer Kontaktperson
  • oder atypische Hautveränderungen und/oder in atypischer Körperregion bei intensivem Juckreiz, zugleich Skabies bei einer Kontaktperson

Topische und orale
Therapieoptionen

Die Behandlung kann topisch erfolgen:

  • Permethrin: den gesamten Körper eincremen. Das Präparat zwölf Stunden auf der Haut belassen. Nach sieben bis 14 Tagen wiederholen. Achtung: Die Wirksamkeit von Permethrin scheint abzunehmen.
  • Benzylbenzoat*: Anwenden wie Permethrin, die Einwirkzeit beträgt aber acht Stunden an drei Tagen in Folge. Nach zehn Tagen wiederholen.
  • Crotamiton*: Die Anwendung erfolgt, wie beim Benzylbenzoat beschrieben, an drei bis fünf Tagen in Folge.

Als orales Medikament steht Ivermectin* zu Verfügung. Es werden 200 µg/kgKG gegeben und die Behandlung nach einer bis zwei Wochen wiederholt. Zwar soll die Substanz nach Herstellerangaben erst ab dem Alter von fünf Jahren und einem Körpergewicht über 15 kg zum Einsatz kommen. Wie Prof. Feldmeier berichtet, wird das Antiparasitikum aber mit gutem Erfolg und ohne wesentliche Nebenwirkungen auch bei jüngeren Kindern verwendet.

*in der Schweiz nicht zugelassen

Quelle Text und Abb.: Feldmeier H. internistische praxis 2021; 63: 616–630 © Mediengruppe Oberfranken – Fachverlage GmbH & Co. KG, Kulmbach

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