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CAR-T-Zellen überholen den Standard

Ciltacabtagen-Autoleucel eignet sich fürs stark vorbehandelte Myelom

Die CAR-T-Zell-Therapie bewährt sich weiter. Vergleichende Analysen belegen, dass sich Ansprechen und Überleben beim rezidivierten und refraktären Multiplen Myelom mit Ciltacabtagen-Autoleucel gegenüber Standardtherapien deutlich verbessern, hiess es am EHA2021 virtual.

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Einer gegen viele: CAR-T-Zellen können beim rrMM offenbar noch einiges bewirken.

Bislang gibt es keine direkten Vergleichsstudien zwischen Ciltacabtagen-Autoleucel (Ciltacel) und Therapieregimen, die im klinischen Alltag bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplem Myelom (rrMM) eingesetzt werden, konstatierte Professor Dr. Katja Weisel, Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg. Deshalb wurde die Effektivität dieses neuen Therapieansatzes mit der von daratumumabbasierten Standardregimen verglichen.

Für die Analyse wurden die Ergebnisse der Phase-Ib/II-Studie CARTITUDE-1 herangezogen. In die Studie waren 97 Patienten eingeschlossen, die median bereits sechs Vortherapien erhalten hatten. Darunter befanden sich Proteasom-Inhibitoren, Immunmodulatoren und Anti-CD38-Antikörper. Die Vergleichskohorte umfasste insgesamt 267 rrMM-Patienten der Phase-3-Studien POLLUX und CASTOR sowie der Phase-1b-Studie EQUULEUS, die die Einschlusskriterien von CARTITUDE-1 erfüllten, erläuterte die Referentin.

In POLLUX wurde das Regime Daratumumab, Lenalidomid, Dexamethason (Dara-Rd) mit Rd allein verglichen. In der CASTOR-Studie prüfte man Daratumumab, Bortezomib, Dexamethason (Dara-Vd) gegen Vd allein. Für EQUULEUS war Daratumumab dagegen in Kombination mit verschiedenen Standardregimen zum Einsatz gekommen, berichtete Prof. Weisel. Die Teilnehmer der Vergleichskohorte hatten nach Ende der Studienmedikation weitere Behandlungen wie Pomalidomid, Lenalidomid, Bortezomib und Carfilzomib erhalten.

Gesamtansprechrate steigt auf knapp 98 %

Patienten in CARTITUDE-1 waren median 18 Monate, die der Vergleichskohorte 16,9 Monate nachbeobachtet worden. Um einen ausgewogenen Vergleich der Standardkohorte mit ihren unterschiedlichen Therapieregimen und der CARTITUDE-1-Studie zu gewährleisten, wurden die Teilnehmer mittels Propensity-Score gewichtet.

Nach Adjustierung für eine Reihe wichtiger klinischer Parameter wurde für Ciltacel eine signifikant verbesserte Gesamtansprechrate von 97,9 % gegenüber lediglich 33,6 % mit den Standardregimen ermittelt (p < 0,0001). Gleiches gilt für die Rate mindestens kompletter Remissionen, die unter Ciltacel 80,4 %, unter den Standardregimen nur 0,7 % betrug, wie Prof. Weisel betonte.

Auch in puncto progressionsfreies (PFS) und Gesamtüberleben (OS) schnitt die CAR-T-Zell-Therapie besser ab: Das mediane PFS in der Vergleichskohorte betrug 5,59 Monate, in CARTITUDE-1 war der PFS-Median erst in Studienmonat 23 erreicht worden. Das Risiko für Progress oder Tod war gegenüber der Vergleichskohorte um 76 %, das Mortalitätsrisiko um 79 % reduziert. Mit den Standardregimen behandelte Betroffene überlebten median 10,9 Monate. In CARTITUDE-1 ist der OS-Median noch nicht erreicht, so die Expertin.

Die vergleichende Analyse weist somit laut Prof. Weisel darauf hin, dass rrMM-Patienten, die bereits mit drei unterschiedlichen Substanzklassen vorbehandelt sind, bei einer CAR-T-Zell-Therapie mit Ciltacel ein deutlich verbessertes Outcome als mit bisherigen Standardregimen besitzen.

Weisel K et al. EHA 2021 (virutal); Abstract EP977

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